Danzig neueste Attraktion: Das Museum des 2. Weltkriegs

Museum des 2. Weltkriegs (© Rudolf H. Boettcher (1rhb))

Museum des 2. Weltkriegs (© Rudolf H. Boettcher (1rhb))

Danzig neueste Attraktion: Das Museum des 2. Weltkriegs wurde am 23. März 2017 eröffnet. Seitdem hat Polen ein weiteres erstklassiges Museum. Es zeichnet sich ab, dass dieses Museum nicht umsonst viel diskutiert wird. Das Museum ist in einem spektakulären Gebäude untergebracht. Und es lässt sich nicht von der polnischen Politik in sein Ausstellungskonzept hineinreden. Ich bin sicher: dieses Museum wird auch in den nächsten Jahren viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Das dürfte für Touristen ein Blickfang für Reiseideen sein. Gerade weil Polen aktuell ohnehin im Trend liegt. Deshalb berichte ich heute darüber, was das Museum so besonders macht und wie Sie als Busreiseunternehmer es in Ihr Danzig-Angebot einbinden können.

Der spektakuläre Museumsbau

Initiator dieses Museums war 2008 Donald Tusk. Der heutige EU-Ratsvorsitzende und damalige Ministerpräsident ist Danziger kaschubischer Abstammung und hat daher eine besondere Nähe zu Danzig. Eine international hochkarätig besetzte Jury (u.a. Filmregisseur Andrzej Wajda, der Schriftsteller Stefan Chwin, der amerikanische Historiker Andrew Nagorski sowie der Architekt Daniel Libeskind) entschied sich für den Entwurf des Architekturbüros Kwadrat in Gdynia.

Der spektakuläre Entwurf besteht aus einem vierseitigen 40 Meter hohen Kubus. Und dieser Kubus ragt nicht senkrecht aus dem Boden auf, sondern im Winkel von 58 Grad. Er wirkt wie ein Bunker. Nur eine der vier Seitenflächen und die Dachschräge sind verglast. Nichts sollte „schön“ im klassischen Sinn sein.

Das beginnt schon bei der Lage: Der 100 Millionen Euro teure Bau steht auf dem Gelände der Danziger Verkehrsbetriebe auf einer Landspitze zwischen Radaunekanal und Mottlau. Der Museumsbau sollte in diese Landschaft passen, die der Krieg in der einstigen Altstadt, diesem Viertel rund um die Große Gasse hinterlassen hatte. Im Gegensatz zur Rechtstadt mit all ihren grandiosen Bauwerken wurde dieses Viertel der bizarren Ruinen und Trümmer nach dem Krieg nur planiert, aber nicht wiederaufgebaut. Das geschieht erst jetzt: Nördlich des Museums soll die „Młode Miasto“ entstehen, die junge Stadt.

Das Museumskonzept

Donald Tusk schwebte vor, in Danzig ein Museum einzurichten, in dem die polnische Weltkriegs-Geschichte in all ihren Dimensionen und Ausprägungen von erlittener Gewalt in einem europäischen Gesamtkontext dargestellt wird. Er meinte, dass ein solches Museum nach Danzig gehört, weil dieser Krieg von Danzig ausging und in Danzig mit der Solidarność-Gründung die Auflösung des Ostblocks begann und damit die Überwindung der Kriegsfolgen eingeleitet wurde.

Schleswig-Holstein beschießt Westerplatte (© Willi Wittzack)

Schleswig-Holstein beschießt Westerplatte (© Willi Wittzack)

Das Konzept dieses Museums ist einzigartig. Es gibt viele Museen in Europa, die den Zweiten Weltkrieg zum Thema haben. Meist sind sie militärgeschichtlich orientiert und zeigen die Schlachten zu Lande, in der Luft sowie auf dem Wasser und das Ganze meist aus der Perspektive des eigenen Landes. Nirgendwo sonst in Europa aber gibt es ein Museum, das den Krieg im europäischen Zusammenhang konsequent aus der Perspektive der leidenden Zivilbevölkerungen darstellt. Erstmals werden so die Erinnerungsszenarien von Osteuropäern und Westeuropäern zusammengeführt.

Dem Museumsteam unter Gründungsdirektor Paweł Machcewicz gelang Großes. Dieses Museum wurde erst mehr als siebzig Jahre nach Kriegsende eröffnet. Da war es schwierig geworden, attraktive Originaldokumente, Fotos und Artefakte zu finden. Doch das Konzept des Museums schien die Inhaber und Erben solcher Zeitzeugnisse so zu überzeugen, dass es in neun Jahren Vorbereitungszeit gelang, 35.000 solcher Dokumente und Bilder sowie 3.000 Artefakte zu sammeln. Die Dokumente sind zum dauerhaften Verbleib oder als Leihgabe übergeben. Viele Eigentümer haben die Übergabe ausdrücklich an das Konzept und den Verbleib im Museum gekoppelt.

Ein Museum mit dieser Grundidee thematisiert nicht Heroismus oder Militärgeschichte. Es behandelt die ganze Grausamkeit des Zweiten Weltkriegs. Es ist ein Antikriegsmuseum.

Der Streit um das Museum

Im Zuge der Berichterstattung rund um die Museumseröffnung haben Sie sicher in den Medien vom Streit um die Museumsinhalte erfahren. Worum geht es dabei? Die PiS-Regierung steht für eine andere Geschichtspolitik, als die der Vorgängerregierungen. So ist der derzeitigen Regierung das Ausstellungskonzept zu universalistisch und nicht polenzentriert genug. Die PiS möchte mehr Patriotismus, will, dass die Heldentaten polnischer Soldaten an allen Fronten des Krieges gezeigt werden und das polnische Märtyrertum bestätigen. Die PiS vertritt ein Geschichtsbild, das national ausgerichtet ist und an Messianismus und Opfermythos gebunden ist.

Museum des 2. Weltkriegs (© Roman Jocher)

Museum des 2. Weltkriegs (© Roman Jocher)

Inzwischen wurde der renommierte Gründungsdirektor Pawel Machcewicz fristlos gekündigt und durch den PiS-nahen Karol Nawrocki ersetzt. Möglich wurde das durch einen Trick: Kulturminister Glinski legte kurzerhand die erst im Aufbau befindliche Gedenkstätte Westerplatte mit dem Weltkriegsmuseum zusammen, so waren alle Arbeitsverträge kündbar. In jedem Fall stellt das Regierungsvorgehen einen schweren Eingriff in die Autonomie von Kultureinrichtungen dar.

Bei allem Wirbel um das Museum: Verändert wird am Konzept des Museums und an den Ausstellungen vorerst nichts, das dürfte auch wegen der teils ans Konzept gebundenen Leihgaben und Überlassungen von 35.000 Dokumenten und Bildern sowie 3.000 Artefakten kaum möglich sein. Zudem gibt es ein Urheberrecht am Ausstellungsaufbau und Konzept.

Die Ausstellung besichtigen

Das Museum hat eine Gesamtfläche von 23.000 m². Rund 1.000 m² davon nehmen Sonderausstellungen ein, gut 5.000 m² sind für die Dauerausstellung reserviert. Die Ausstellung wurde federführend realisiert von den vielfach ausgezeichneten Spezialisten des belgischen Design-Studios Tempora SA.

Vierzehn Meter unter der Erde beginnt der Rundgang durch die Ausstellung. Der Eindruck von Bunkeralltag im Krieg ist beabsichtigt.

Die Ausstellung ist in drei große Bereiche unterteilt. In jedem der Bereiche wird mit Original-Exponaten und modernster Multimedia-Technik umfassend über den Zweiten Weltkrieg informiert – umfassender als in jedem anderen Museum. Und dennoch wird dem Besucher im Museum nie langweilig, wenn er sich durch folgende Bereiche leiten lässt:

Der Weg in den Krieg

In diesem Bereich werden dem Besucher die Wurzeln dieses Kriegs im europäischen Maßstab vermittelt. Er erfährt, wie die Ordnung des Versailler Vertrags zerstört wurde und erkennt nebeneinandergestellt, welche Rollen Nationalsozialismus, italienischer Faschismus, Kommunismus und japanischer Imperialismus dabei spielten.

Den Bereich schließt mit einem breiten Überblick über den Krieg im September 1939, in dem Deutschland und die Sowjetunion Polen angriffen. Vielen deutschen Besuchern wird hier vielleicht erstmals in dieser Deutlichkeit klar, was dieser Krieg für die Zivilbevölkerung im Osten bedeutete: Vernichtung, Verbrechen gegen Polen und Juden vom ersten Kriegstag an, massenhaften Mord an Kriegsgefangenen und zivilen Flüchtlingen, Bombenterror gegen polnische Städte.

Der Kriegsterror

Dieser Block macht den ganzen Horror des Zweiten Weltkriegs und der jahrelangen Besatzung für die Zivilbevölkerung deutlich und auch das, was Kriegsgefangene zu erleiden hatten. Dazu gehören die Morde an mehr als 20.000 polnischen Offizieren auf Befehl von Stalin und die deutschen Verbrechen in den Bestrebungen, die polnische Elite „auszumerzen“.

Die bereits im Herbst 1939 einsetzende Vertreibung polnischer Zivilisten sowohl durch das Deutsche Reich, als auch durch die Sowjetunion, die Mordtaten der Einsatzgruppen in Polen, im Baltikum und in der Sowjetunion, den Holocaust und die unzähligen Verbrechen gegen nicht jüdische Menschen in den besetzten Gebieten. Dem gegenübergestellt wird ein heikles Thema: die Kollaboration, die es auch im östlichen Europa gab und nicht nur im Westen. Auch die Zwangsarbeit wird dargestellt, genauso der Bombenkrieg.

Museum des 2. Weltkriegs Innenansicht (© Cezary Aszkiełowicz)

Museum des 2. Weltkriegs Innenansicht (© Cezary Aszkiełowicz)

Natürlich nimmt auch der Widerstand in Europa breiten Raum ein, und dabei ist natürlich auch der polnische Widerstand zentral vertreten. Auch die militärische Teilhabe so vieler Polen in britischen und sowjetischen Uniformen kommt keineswegs zu kurz.

Immer werden die Ereignisse in Polen und dem Osten Europas denen im Westen gegenübergestellt. So erfährt der Besucher den Unterschied zwischen dem Geschehen im Westen, das schon schrecklich genug war und dem Vernichtungskrieg, der im Osten Europas tobte. Auch das Thema Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten kommt zur Sprache.

Der lange Schatten des Kriegs

Dieser dritte Themen-Bereich verbindet die lange Zeit vom Ende des Dritten Reichs 1945 mit dem Fall des Ostblocks 1989. Ob es die Teilung Deutschlands war, die Westverschiebung Polens, der Stalinismus sein Fall in Osteuropa, die Jahrzehnte des Kommunismus in ganz Osteuropa: alles wird als Folge des Zweiten Weltkriegs gezeigt. Ein wichtiges Thema ist dazu die noch immer erstaunliche Geschichte der Solidarność von der Gründung, über das Kriegsrecht in Polen bis hin zum Zerfall des Regimes, dem Fall der Berliner Mauer und dem finalen Schritt in die Freiheit und Demokratie.
Die drei großen Blöcke sind in 18 Themen unterteilt, für die je ein Ausstellungsraum reserviert ist. Es würde zu weit führen hier alle einzelnen Themenbereiche aufzulisten und auch nur kurz zu beschreiben. Aber Sie wissen es ja: wir von brylla reisen sind immer für Sie da, wenn Sie mehr Informationen brauchen.

Praktische Tipps für Ihr Reiseprogramm

Für Pkws ist im unterirdischen Parkhaus Raum für 167 Autos. Das Parkhaus ist von der ul. Wałowa aus zugänglich. Für Busse aber gibt es an der ul. Stara Stocznia nur Platz für drei Busse. Diese Plätze sind nur zum Aus- und Einsteigen Ihrer Busreisenden gedacht. Der Busfahrer muss sich für die Besichtigungszeit einen Parkplatz anderswo suchen, wie am Stadion oder in Langgarten (ul. Długie Ogrody). Die Parksituation kann derzeit also nicht als ausreichend bezeichnet werden, Verbesserungen sollen kommen.
Das neue Weltkriegsmuseum liegt recht zentral in Danzig und ist nur 500 Meter vom Fischmarkt (Targ Rybny) entfernt. Es fügt sich in eine kleine Museumslandschaft ein, denn das Museum „Polnische Post“ ist nur 200 Meter entfernt und leicht fußläufig über eine Brücke erreichbar. Das „Europäische Solidarność Zentrum“ ist knapp 1.000 Meter entfernt.

Das Museum arbeitet mit etlichen auch speziell geschulten deutschsprachigen Führern zusammen, die Ihre Busreisenden kompetent informieren können. Für einen nicht allzu sehr ins Detail gehenden aber umfassenden Rundgang sollten Sie drei Stunden veranschlagen. Planen Sie eine Reise mit einer speziell interessierten Zielgruppe, sprechen Sie uns von brylla reisen an. Wir finden gemeinsam mit Ihnen und dem Museum den richtigen Führer/ die richtige Führerin und eine speziell auf die Gruppe zugeschnittene Besichtigungstour.

Natürlich können Sie Ihren Reisenden auch im Anschluss an die Besichtigung Zeit geben, speziellen Interessen nachzugehen. Wer nicht mehr mag, kann sich im Café im obersten Stock des Museums erholen.

Eine ganz spezielle Idee für Ihr Danzig-Programm wäre, Ihren Gästen die Wahl zu überlassen, ob Sie das Europäische Solidarność Zentrum besichtigen wollen, oder das Weltkriegsmuseum. Und ganz besonders historisch interessierte Gruppen könnten beide Museen besichtigen, da sie dicht beieinanderliegen. Naheliegend ist dann auch eine Besichtigung der Polnischen Post, die den meisten Deutschen seit der „Blechtrommel“ von Günter Grass bekannt ist.

Sprechen Sie mein Team gern jederzeit an, wenn es um die Besichtigungsplanung für das Weltkriegsmuseum geht.

Interessante ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.