Marie Skłodowska-Curie in Warschau

Marie Curie (Public Domain)

Marie Curie (Public Domain)

Teil 2 meiner Artikel-Reihe zu historischen Personen Polens widmet sich Marie Skłodowska-Curie in Warschau. Sie werden sehen, dass Warschau in diesem Artikel ein ganz anderes Gesicht zeigt als im letzten Artikel zu Chopin. Das ist gerade für thematisch interessierte Busreisende interessant, die schon einmal oder sogar zweimal in Warschau waren. Sie können die Stadt aus dieser Perspektive ganz neu entdecken.

Marya Salomee Skłodowska – die spätere Marie Curie – wurde vor 150 Jahren in Warschau geboren. Daher wird ihr im Jahr 2017 auf vielfältige Weise gedacht.

Marie Skłodowska-Curie gehörte zu den großen Polen und Polinnen, die ihr Erwachsenenleben größtenteils im Ausland verbrachten und dennoch einen großen Einfluss auf ihr Heimatland hatten. Das hängt auch damit zusammen, dass sie nicht nur eine große Forscherin war, sondern auch Vorbild. Sie zeigte, wozu Frauen in der Lage sind. Damit prägte sie auch in Polen das Bild der Frau und ihrer Rolle im gesellschaftlichen Bewusstsein nachhaltig neu.

Marie Skłodowska-Curie – Leben und Werk

Die Jugendzeit

Marya Salomee Skłodowska wurde am 7. November 1867 in der Warschauer ul. Freta 16 geboren. Sie war das jüngste von fünf Kindern des Lehrerehepaares Bronisława und Władysław Skłodowski. Vater Władysław hatte in St. Petersburg studiert und war Mathematik- und Physiklehrer an staatlichen und privaten Schulen. Die Mutter Bronisława war Lehrerin und später Direktorin in der einzigen privaten Warschauer Mädchenschule in der ul. Freta, wo die Familie bei Maryas Geburt wohnte.

Das hochbegabte Mädchen besuchte zunächst eine Privatschule. Nach dem Tod der Mutter wechselte sie in ein öffentliches Gymnasium, das sie 1883 als Jahrgangsbeste mit dem Abitur verließ. Mädchen war seinerzeit in Russisch-Polen das Studium an Universitäten verwehrt. Daher begab sich Marie – wie sie sich nun nannte – 1891 nach Paris.

Studium und Forschung in Paris

In Paris nahm sie im November 1891 ein Physik-Studium an der Sorbonne auf. Nach nur zwei Jahren legte sie als Beste das Lizensiat in Physik ab. Sie erhielt ein Stipendium, mit dem sie ein Mathematikstudium finanzierte, das sie 1894 ebenfalls mit dem Lizensiat abschloss. Im gleichen Jahr wurde sie Doktorandin bei Henri Becquerel.

Ebenfalls 1894 versuchte sie in Polen eine geeignete Forschungstätigkeit zu finden – allerdings erfolglos. Das veranlasste sie nach Paris zurückzukehren. Dorthin zurückgekommen forschte sie gemeinsam mit Pierre Curie, der das Labor an der École municipale de physique et de chimie industrielles leitete. Aus der Zusammenarbeit wurde bald eine Liebesbeziehung und am 26. Juli 1895 heirateten beide. Das Ehepaar Curie hatte mit Irène und Ève zwei Töchter.

Der Nobelpreis

Die Forschungen der Curies schritten erfolgreich voran: 1898 entdeckten Marie und Pierre Curie die radioaktiven Elemente Polonium und Radium. Schon kurz nach ihrer Promotion erhielt Skłodowska-Curie 1903 zusammen mit ihrem Mann Pierre und ihrem Doktorvater Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik. Damit war sie die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt.

Marie Curies Ehemann Pierre starb schon 1906 bei einem Verkehrsunfall. So erlebte er weder die Berufung seiner Frau zur ersten Professorin für Physik an der Sorbonne noch die Verleihung des zweiten Nobelpreises an sie im Jahr 1911 im Fach Chemie.

Marie Skłodowska-Curie wurde zur bedeutendsten Physikerin ihrer Zeit und erhielt zahlreiche Ehrendoktortitel – auch von polnischen Hochschulen. Doch nicht nur in der Physik und Chemie hatte sie ihre Meriten, sondern auch als Schöpferin der Grundlagen der Nuklearphysik. Im Ersten Weltkrieg etablierte sie ein mobiles Röntgensystem für frontnahe Lazarette und wurde damit zur Begründerin der modernen Radiologie.

Gesellschaftliches Engagement und Tod

Jabłonowski Palais (© Marcin Białek)

Jabłonowski Palais (© Marcin Białek)

Auch im Völkerbund war die Physikerin viele Jahre lang aktiv. Von 1922 bis 1934 war sie Vizepräsidentin der internationalen Kommission für geistige Zusammenarbeit beim Völkerbund. Sie engagierte sich im internationalen wissenschaftlichen Austausch. So wurde Marie Skłodowska-Curie zu einer der bekanntesten und wichtigsten Frauen des 20. Jahrhunderts.

Sie starb am 4. Juli 1934 in einer Klinik in Savoyen an Leukämie, einer Folge des langjährigen Kontakts mit radioaktivem Material. Sie wurde zunächst in Sceaux bei Paris, dem Heimatort von Pierre Curie beigesetzt. 1995 wurden die sterblichen Überreste des Ehepaars Curie ins Pariser Panthéon überführt. Polen blieb Marie Skłodowska-Curie zeitlebens eng verbunden. Sie besuchte ihr Heimatland und ihre Vaterstadt Warschau häufig.

Auf den Spuren von Marie Skłodowska-Curie durch Warschau

Private Spuren

Ein guter Ausgangspunkt für eine Erkundung Warschaus auf den Spuren von Marie Skłodowska-Curie ist das Geburtshaus in der ul. Freta. Dort nämlich ist heute ein Museum untergebracht, das über Leben und Werk der großen Wissenschaftlerin informiert. Im November 2017 wird zum 150. Geburtstag der Physikerin dort eine neue Ausstellung präsentiert.

Getauft wurde Marie Skłodowska-Curie, die sich später von der Religion abwandte, in der Kirche Mariä Heimsuchung in der ul. Przyrynek. Im Jahr 1999 wurden dort Mosaikfenster mit Szenen aus dem Leben der berühmten Warschauerin eingebaut.

Ganz in der Nähe liegt ein besonders schöner Abschnitt des Weichselufers, der an der ul. Kościelna beginnt. Dort hielt sich Maria Skłodowska-Curie als Kind besonders gern auf. Sie kehrte auch bei ihren Besuchen in Warschau gern hierher zurück. Zum letzten Mal war sie 1932 hier, als sie Ehrengast bei der feierlichen Eröffnung des Radiuminstituts war.

Als Marie ein Jahr alt war, zogen die Skłodowskis in eine Wohnung an der ul. Nowolipki, wo die Familie auch eine Jungenpension betrieb. Während der deutschen Besetzung gehörte die Straße zum Warschauer Ghetto, die Häuser wurden zerstört. Die heutigen Bauten wurden auf den -Trümmerbergen der alten Häuser errichtet. Hier erinnert eine Wandmalerei an die große Warschauerin.

Spuren der Wissenschaftlerin

An Maries erste Schritte auf dem Gebiet der Wissenschaft erinnert ein Besuch der Zentralen Landwirtschaftlichen Bibliothek in der ul. Krakowskie Przedmieście. Dort befand sich zu den Jugendzeiten von Marie Skłodowska-Curie das Industrie- und Landwirtschaftsmuseum. In diesem bereitete sich die junge Marya 1890 und 1891 auf die Prüfungen an der Sorbonne vor und experimentierte im Forschungslabor. Im Jahr 1913 hielt sie hier einen Vortrag über ihre Forschungsergebnisse.

Ebenfalls im Jahr 1913 eröffnete Marie Skłodowska-Curie in der ul. Śniedeckich 9 das erste radiologische Labor in Polen. Dieses wurde bis 1939 von der Warschauer Wissenschaftlichen Gesellschaft betrieben, deren Ehrendirektorin Marie Skłodowska-Curie war.

Sitz der Wissenschaftlichen Gesellschaft war damals in der Zwischenkriegszeit das Staszic-Palais an der ul. Nowy Świat. Dort residierte auch das Französische Institut. Marie Skłodowska-Curie hielt bei beiden Institutionen mehrere Vorträge. Heute sind im Palais die 1981 wiedergegründete Wissenschaftliche Gesellschaft Warschaus sowie einige Institute der polnischen Akademie der Wissenschaften untergebracht.

Die Warschauer Universität in ul. Krakowskie Przedmieście besuchte Marie Curie mehrfach. Sie eröffnete das akademische Jahr 1921/1922, gab Vorlesungen und empfing die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät – als Anerkennung für ihr humanitäres Engagement und die Förderung des akademischen Austauschs.

Im Jahr 1925 wurde Marie Skłodowska-Curie in der technischen Universität am pl. Politechniki empfangen. Die Universität verlieh ihr im Jahr darauf den Ehrendoktortitel für Physik. Im Hauptgebäude befindet sich eine Statue zur Erinnerung an die große Physikerin.

Im Jabłonowski-Palais an der ul. Senatorska fand 1925 die höchste Ehrung statt, die Warschau zu vergeben hat: Marie Skłodowska-Curie wurde Ehrenbürgerin von Warschau. Bei diesem Anlass wurde auch die Gründungsurkunde für das Warschauer Radiuminstitut verlesen. Die Wissenschaftlerin legte selbst den Grundstein. Im Jahr 1932 eröffnete sie das Institut persönlich und pflanzte einen Gingko-Baum, der heute noch dort steht. Dazu schob sie die Forschungen durch ein Radiumgeschenk an.

Bei einem Besuch des Powązki-Friedhofs können Ihre Reisenden auch die Familiengruft der Skłodowskis besuchen. Dort ruhen die Eltern sowie ihre Geschwister Zofia, Helena, Bronisława und Józef.

Sie haben noch Fragen? Wir vom Team bei brylla reisen beraten Sie gern und erarbeiten für Ihre Zielgruppe das passende Programm für eine Warschau-Besichtigung. Z.B. auf den Spuren von Marie Skłodowska-Curie oder Chopin. Nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.

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