Reisebaustein: Bergwerke in Polen

Wieliczka-Kirche unter der Erde (© Polnisches Fremdenverkehrsamt)

Wieliczka-Kirche unter der Erde (© Polnisches Fremdenverkehrsamt)

Dieser Beitrag beschreibt als weiteren interessanten Reisebaustein: Bergwerke in Polen. Ich stelle die Salzbergwerke Wieliczka und Bochnia sowie das Bergwerk Guido in Zabrze aus der Sicht von Reisegruppen vor.

Salz und Kohle – über Jahrhunderte machte der Abbau unter Tage einen bedeutenden Teil der Wirtschaftskraft Polens aus. Was für den Abbau von Salz schon lange gilt, blüht nun jedoch auch den letzten Kohlegruben: die Schließung wegen mangelnder Rentabilität. Dazu trägt auch bei, dass in Russland Kohle über Tage abgebaut werden kann. Das ist um die Hälfte billiger. Deshalb wird heute Kohle von Russland auch nach Polen exportiert.

Einige der Gruben wurden zu Museen umgestaltet. Sie berichten vom mühsamen und nie ungefährlichen Bergmannsleben und sind mit interessanten Besichtigungsrouten und Programmen attraktive Ziele für Gruppenreisen. Heute möchte ich Ihnen drei der für Gruppenreisen interessantesten Museums-Bergwerke vorstellen. Dies sind die Salzbergwerke Wieliczka und Bochnia bei Krakau (Kraków), sowie die Grube Guido in Zabrze (1915-1945 Hindenburg).

Und wenn Sie weitere Informationen für Ihre Reisegruppen benötigen: zögern Sie nicht mich und mein Team zu kontaktieren.

Das Salzbergwerk in Wieliczka

Das zweifellos berühmteste der drei Ziele ist das alte Salzbergwerk Wieliczka (Groß Salze). Es zählt zum UNESCO-Welterbe und liegt nur wenige Kilometer südlich von Krakau. Die Anfänge des unterirdischen Salzabbaus in Wieliczka reichen bis in die Mitte des 13. Jahrhundert zurück.

Bis 1996 wurde in diesem Bergwerk Steinsalz gefördert. Die Museen und Stollenanlagen informieren Ihre Reisegäste über den Abbau des Steinsalzes und die Salzgewinnung sowie über die Traditionen der Bergleute.

Besonders die religiösen Bräuche haben interessante Zeugnisse hinterlassen. Die Bergleute haben ihren Glauben in der Ausgestaltung und Schaffung zahlreicher sakraler Räume und Statuen Ausdruck verliehen. In diesen Salzsteinräumen mit der tollen Akustik werden Konzerte veranstaltet. Es finden dort sogar Gottesdienste und Trauungen statt. Eine weitere Besonderheit ist das unterirdische Sanatorium, in dem die heilenden Kräfte der salzhaltigen Luft bei Atemwegserkrankungen genutzt werden.

Besucherrouten

Drei Besucherrouten sind für Busreisende besonders attraktiv:

  • Die Touristenroute liefert den besten Überblick über die größten Sehenswürdigkeiten. Die Route ist für durchschnittlich fitte Gäste mit ihren drei Kilometern Länge gut zu bewältigen. Ihre Busreisenden werden an geheimnisvollen unterirdischen Seen vorbeikommen, auf verschlungenen Korridoren wandern, historische Arbeitstechniken des Salzbergbaus und die schweren Arbeitsbedingungen der Bergleute kennenlernen. Und natürlich werden Ihre Reisegäste die schönsten und bedeutendsten der 22 unterirdischen Kammern und Säle besichtigen. Zu sehen gibt es unter anderem kunstvolle Schnitzarbeiten und Altäre.

    Salzbergwerk Wielieczka (© Szyb Daniłowicza – Rafał Stachurski)

    Salzbergwerk Wielieczka (© Szyb Daniłowicza – Rafał Stachurski)

  • Die Bergmannsroute führt durch die historischen Teile der Mine, in denen über Jahrhunderte Steinsalz abgebaut wurde. Die Route ist körperlich deutlich anstrengender als die Touristenroute. Hier schlüpfen Ihre Reisenden in die Arbeitskleidung eines Bergmanns und fahren mitsamt ihren Werkzeugen hinab in den alten Regis-Schacht. Der Museumsführer wird zum Hauer und weist seine Bergleute ein, was sie zu tun haben. Schnell fühlen sich die Reisenden wie Bergbau-Novizen, die gerade im Halbdunkel angelernt werden. Hautnaher kann man das mühsame und gefährliche Leben und Arbeiten unter Tage kaum kennenlernen. Planen Sie ausreichend Zeit ein, dann können Ihre Reisenden sich selbst eine kleine Skulptur aus Steinsalz schnitzen.
  • Die Pilgerroute ist eine Alternative für katholische Reisegruppen. Die Route ergänzt beispielsweise Reisen auf den Spuren des polnischen Papstes im Raum Krakau und/oder zu polnischen Wallfahrtsorten. Die unterirdische Exkursion wird von einem Priester geführt. Auf dieser Route entdecken und erkunden die Reisenden alle wesentlichen Kapellen und sakralen Räume des Salzbergwerks. Dazu zählen die Kapelle der Hl Kunigunde (Kinga) und die Russegger-Kammer mit einer Ausstellung über die religiösen Traditionen der Bergleute. In der Johannes-Kapelle können Ihre Busreisegäste auch an einer Messe teilnehmen.

Mein Tipp

Grundsätzlich ist der Aufenthalt unter Tage anstrengend und sicher nicht für jeden Gast angenehm. Sie sollten darüber aufklären, dass z.B. die klimatischen Verhältnisse und das enge Raumgefühl bisweilen belastend wirken. Jeder Teilnehmer der Reisegruppe sollte sich dessen im Vorfeld bewusst sein. Das vermeidet spätere Enttäuschungen.

Von den drei vorgestellten Gruben ist das Salzbergwerk Wieliczka am ehesten für den Besuch geeignet, wenn man nicht sicher ist, ob einem der Aufenthalt unter Tage zusagt. Denn wegen des großen touristischen Zulaufs ist die ehemalige Grube bestens auf Besucher ausgerichtet. Außerdem gibt es hier unter Tage z.T. unvorstellbar große Räume. Hier kann man sich wieder akklimatisieren, sollte einem der Aufenthalt zu bedrängend werden.

Das Salzbergwerk Bochnia

Das Salzbergwerk in Bochnia (Salzberg) steht seit 2013 ebenfalls auf der UNESCO-Welterbeliste, gemeinsam mit dem Salzgrafenschloss und dem Salzbergwerk im 25 Kilometer entfernten Wieliczka. Belegt ist die Salzgewinnung in Bochnia von 1248 bis zur Schließung des Bergwerks in den 1990er Jahren. Damit ist Bochnia das älteste Salzbergwerk Polens und eine der weltweit ältesten Gruben zur Salzgewinnung.

Salzbergwerk Bochnia (© Salzbergwerk Bochnia)

Salzbergwerk Bochnia (© Salzbergwerk Bochnia)

Mehr als 750 Jahre lang blieb das älteste polnische Bergwerk in Betrieb. In dieser Zeit entstanden immer neue Gänge und Räume in dem unterirdischen Reich, von denen ein Teil heute zu besichtigen ist. Sie stehen auch für unterirdische Kuraufenthalte oder Kulturveranstaltungen zur Verfügung. Die in Salz gebohrten Gänge und Kammern verbinden sich nicht nur zu der unterirdischen Touristenroute. Sie führen auch durch die Geschichte des Salzbergbaus vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Besucherrouten

Auch im Salzbergwerk Bochnia gibt es mehrere Routen. Die von mir favorisierten Rundgänge sind:

  • Die Touristenroute mit der unterirdischen, multimedialen Ausstellung ist die für die meisten Reisenden sicherlich beste Routenwahl. Die Teilnehmer werden auf der etwa drei Kilometer langen Route durch Gänge wandern und dabei an malerischen Salzseen, in den Salzstein gehauenen Kapellen und Salzskulpturen vorbeikommen. So dringen sie immer tiefer in diese geheimnisvolle unterirdische Welt ein. Zentrum der Anlage ist die Ważyn-Kammer in 248 Metern Tiefe. Dort wurde einst ein Heilstollen für Atemwegserkrankungen betrieben. Besonders interessant ist auch die ebenfalls unterirdische multimediale Ausstellung.
  • Die Historische Route führt mit einer Erkundung der „Alten Berge“ auf drei Kilometer Länge in die ältesten der mittelelterlichen Abbauräume und Stollen des Salzbergwerks. Diese Route führt durch schmale Gänge, und über Leitern. Eine gute physische Kondition ist Voraussetzung für die Teilnahme.

Mein Tipp

Auch in Bochnia haben die Touren verschiedene Schwierigkeitsgrade. Doch selbst auf der „einfachen“ Touristenroute müssen beim Abstieg rund 700 Treppenstufen bewältigt werden. Ein Besuch in Bochnia setzt also eine gute physische Kondition und intakte Knie- sowie Hüftgelenke voraus.

Diesbezüglich eingeschränkte Reisende sollten lieber Wieliczka besichtigen. Bitte informieren Sie Ihre Reisenden entsprechend, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Die Grube „Guido“ im oberschlesischen Zabrze

Das Bergwerksmuseum Guido (Zabytkowa Kopalnia Węgla Kamiennego Guido) erzählt sehr anschaulich die Geschichte des oberschlesischen Kohleabbaus. Im Jahr 1855 gründete Guido Henckel von Donnersmarck nur wenig südlich von Zabrze bei Dorotheendorf ein Steinkohlebergwerk. Dieses wurde nach ihm „Grube Guido“ genannt.

Das zunächst florierende Bergwerk verlor nach Ende des 1. Weltkriegs zunehmend an Bedeutung und wurde nach dem 2. Weltkrieg ganz stillgelegt. Ab 1967 wurde die Anlage als Steinkohleversuchsbergwerk M-300 (Kopalnia Doświadczalna Węgla Kamiennego M-300; KOMAG) wieder in Betrieb genommen, um hier die in Gliwice (Gleiwitz) von der KOMAG produzierten Bergmaschinen zu testen.

Touristische Attraktionen

Im Jahr 1982 wurde auf dem Bergwerksgelände das Freilichtmuseum Skansen Górniczy Guido eröffnet, das 1996 geschlossen wurde. Nach gründlicher Überarbeitung der Ausstellungen wurde das Freilichtmuseum 2007 wiedereröffnet. Zunächst konnten nur der oberirdische Teil des Bergwerks und die in 170 Metern Tiefe befindliche 1. Sohle besichtigt werden.

Zeche Guido in Schlesien (© Archiwum Szlaku Zabytków Techniki)

Zeche Guido in Schlesien (© Archiwum Szlaku Zabytków Techniki)

Die zweite, in 320 Metern Tiefe liegende Sohle, ist seit 2008 zu besichtigen. Mit dieser Tiefe ist die Grube „Guido“ das tiefste Besucherbergwerk Europas. Zu besichtigen sind hier der gewaltige Kohlesammelbehälter und die Sohlebahn. Auch was bei einem Bergwerksunfall geschah, kann hier nacherlebt werden. Auf 320 Metern Tiefe können Besucher im tiefgelegensten Pub Europas anschließend hausgemachtes Bier und kleine polnische Spezialitäten probieren.

Oberirdisch ist zu entdecken, wie der Förderturm, die Fördermaschine von 1927 und die Seilscheibe aus dem Jahr 1934 funktionierten. In der 1. Sohle kann der Besucher den Arbeitsalltag der Bergleute um die Jahrhundertwende 1900 kennenlernen. Er erlebt zum Beispiel deren wichtigste Arbeitsmethoden, die dazu verwendeten Werkzeuge und die schweren Bedingungen mit dem ohrenbetäubenden Lärm, dem Staub und der harten körperlichen Arbeit. Auch die Kapelle der Hl. Barbara kann besichtigt werden

Besonders interessant für körperlich fitte Besucher ist eine neue, in 355 Metern Tiefe im einstigen Versuchsstollen der KOMAG befindliche anderthalb Kilometer lange Besuchertrasse. Während der dreistündigen Besichtigungstour lernt der Besucher alltägliche Bergmannsarbeiten kennen und ausführen. Wieder über Tage dürfen die Tourteilnehmer wie richtige Bergleute ausgiebig duschen.

Mein Tipp

Für die angebotenen Touren sollten Ihre Mitreisenden körperlich fit und für die leichteste Version über 6 Jahre alt sein. Schließlich ist auch die kürzeste Tour 3,5 Kilometer lang und dauert dreieinhalb Stunden. Für schwangere Frauen ist keine der drei angebotenen Touren geeignet. Die zweite Tour führt auf 320 Meter Tiefe in die Dunkelheit und ist erst für Kinder ab 12 Jahren geeignet. Tour 3 auf 355 Metern Tiefe sollten nur erwachsene gesunde und sportliche Menschen in Angriff nehmen.

Sie sind nicht sicher, welche Untertageabenteuer für Ihre Busreisenden geeignet sind? Wenden Sie sich bitte mit Ihren Fragen an unser brylla-Team, wir beraten Sie gern und finden mit Ihnen das für Ihre Zielgruppe passende Besichtigungsprogramm.

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