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Majestätische Schlösser und Burgen Polens: Perfekte Ziele für Gruppenreisen – Teil 2[2024]

Ihre Reisegäste sehnen sich nach Schlössern und Burgen? Sie möchten unbedingt in die Epoche von Rittern und Prinzessinnen entführt werden? Um auf diesen Wunsch einzugehen, müssen Sie sie nicht unbedingt nach Disneyland bringen. Nehmen Sie Ihre Reisegäste mit nach Polen! Diese Erfahrung wird nicht nur authentischer, sondern auch viel schonender für deren Geldbeutel sein.

Ich habe im Vorfeld eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die gute lautet: In Polen gibt es Schlösser und Burgen wie Sand am Meer (das nebenbei bemerkt ebenfalls sehr sehens- und empfehlenswert ist). Die schlechte: In Polen gibt es Schlösser und Burgen wie Sand am Meer! Denn die schiere Anzahl dieser Objekte bewirkt, dass wir uns nur den zwei repräsentativsten unter ihnen ausführlich widmen konnten (siehe Teil 1). Den Rest müssen wir in dem vorliegenden Beitrag im Schnelldurchlauf behandeln. Diese Vorgehensweise wird den Prachtbauten sicherlich nicht ganz gerecht. Andererseits finden sie auf diese Weise überhaupt erst Erwähnung und verschaffen Ihnen als Reiseveranstalter einen ersten, soliden Überblick.

Kultur- und Wissenschaftspalast in Warschau

Unsere Reise beginnen wir, wie bereits in Teil 1, in der Landeshauptstadt Warschau. Zugegebenermaßen ist der darin befindliche Kultur- und Wissenschaftspalast kein echter Palast. Jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Das zweithöchste Gebäude unseres Nachbarlandes wurde in den 1950er Jahren auf Geheiß Josef Stalins als ein Geschenk der Sowjetunion an das kommunistische Polen erbaut. Als solches spaltet der Palast seither die Polinnen und Polen. Während ihn viele als ein Symbol der sowjetischen Fremdherrschaft betrachten und ihn sich folglich wegwünschen, betrachten ihn andere als ein Wahrzeichen der polnischen Hauptstadt. Ihre Reisegäste sollten sich am besten Ihr eigenes Bild von dem monumentalen Bauwerk, das ein Kino, ein Theater, ein Hallenbad, einige Restaurants und vieles mehr beherbergt, machen. Die Aussichtsplattform, die einen unübertrefflichen Ausblick auf die Stadt bietet, ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Mit einem Quäntchen Glück könnten Sie von dort aus bei Robert Lewandowski hereinschauen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der wohl erfolgreichste polnische Fußballer aller Zeiten besitzt nämlich im Nachbarhochhaus ein großzügiges Apartment. Das liegt daran, dass der Kultur- und Wissenschaftspalast im Laufe der Jahre von vielen ansehnlichen Wolkenkratzern umstellt wurde und nun ein Teil der imposanten Warschauer Skyline ist. Ob dies eine gezielte Maßnahme war, ihn aus dem Stadtbild der polnischen Hauptstadt doch noch gewissermaßen verschwinden zu lassen? Die Antwort überlasse ich Ihnen.

Schloss Wilanów

Frankreich und Paris haben Versailles. Polen und Warschau haben Wilanów. Dieses architektonische Juwel zählt zu den schönsten Schlössern des Landes. Im Barockstil erbaut, glänzt es mit einer pompösen Ausstattung und sagenhaften Gartenanlagen. Errichtet wurde es in den Jahren 1677 bis 1679 im Auftrag von Johann III. Sobieski, dem späteren „Retter von Wien“. Nach dessen Tode wurde das Schloss zur Residenz von August dem Starken. Danach wechselte es mehrmals seine Besitzer, blieb aber stets in einflussreichen Händen, die sein Erscheinungsbild um Elemente des Rokoko und des Klassizismus bereichert haben. Neben vielen Exponaten aus der Entstehungszeit, die die Gemächer des Schlosses zieren, stechen jene aus der Etruskersammlung der Magnatenfamilie Potocki hervor. Der Überraschungseffekt wird bei ihren Reisegästen für große Augen sorgen. Aber im Schloss Wilanów werden diese ohnehin zu keinem Zeitpunkt wirklich klein.

Schloss Wilanow

Marienburg

Der Ruf der im Norden des Landes gelegenen Burg eilt ihr voraus und macht sie weit über die Grenzen Polens hinaus bekannt. Und das völlig zurecht. Diese beeindruckende Backsteinpracht sei schließlich die größte der Welt. Aber es ist nicht nur die alleinige Größe, welche die Marienburg zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Ihre Geschichte tut es ihr gleich.

Im 13. Jahrhundert zur Christianisierung der heidnischen Pruzzen erbaut, wuchs die Burg – ein Paradebeispiel der gotischen Architektur – mit jedem Jahrzehnt parallel zum Einfluss und Reichtum des Deutschen Ordens

Infolge des Dreizehnjährigen Krieges in den Jahren 1454-1466, der zwischen dem Ordensstaat und dem Königreich Polen tobte, kam die Burg an die polnische Krone. Diesen Umstand verdanken die Polen jedoch keinen Kanonen, welche die mächtigen Mauern der Anlage zum Einsturz gebracht hätten, sondern unbezahlten Rechnungen. Genauer gesagt den in der Burg stationierten Söldnern, die für ihre Dienste unverschämterweise bezahlt werden wollten. Hundert Jahre zuvor hätten sie sich bestimmt mit dem Seelenheil zufrieden gegeben.

Fortan stand die imposante Burganlage Modell für einige polnisch-litauische Nachbauten. Nur die wenigsten von ihnen glänzten allerdings mit einer Fußbodenheizung und einer echten Toilette, wie das Original. Und wer der Meinung sei, eine Toilette in einer Burg aus dem 13. Jahrhundert wäre nichts Besonderes, dem sei gesagt, dass der viel später erbaute Versailles keine Einzige davon besaß.

Die Marienburg ist ein wahrer Touristenmagnet. Aber das ist im Falle einer UNESCO-Welterbe-Sehenswürdigkeit kein bisschen überraschend.

Marienburg

Branicki-Schloss in Białystok

Spätestens seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert bis zum Ende des 18., genauer gesagt bis zu seinen Teilungen durch die Nachbarn, war Polen eine Adelsrepublik. Dem Land stand zwar offiziell ein gekröntes Haupt vor, aber es war der Großadel, die sogenannten Magnaten, welche die Fäden im Hintergrund zogen und die Geschicke des Riesenreiches lenkten. Letzteres gestaltete sich mehr schlecht als recht, hatte aber auch eine schöne Seite. Eine der schönsten kann in Białystok im Nordosten Polens bewundert werden.

Die Rede ist vom Schloss der Familie Branicki, eines der mächtigsten Adelsgeschlechter des Landes. Im 18. Jahrhundert im Barockstil erbaut, diente es ursprünglich als dessen repräsentative Sommerresidenz. Und das zurecht. Die pompöse Architektur, die sich unter anderem in den allgegenwärtigen Verzierungen und Skulpturen manifestiert, hat im Zusammenspiel mit den atemberaubenden Gartenanlagen, die mit Fontänen und einzigartiger Flora aufwarten, schon viele gewichtige Besucher beeindruckt. Sie können dafür sorgen, dass ihre Reisegäste schon bald dazu gehören.

Branicki-Schloss

Krzyżtopór [ksischtopur]

Die Ruinen des Schlosses Krzyżtopór in der Woiwodschaft Heiligkreuz in Zentralpolen, gehören zu den bekanntesten und faszinierendsten des Landes.

Im 17. Jahrhundert durch den Magnaten Krzysztof Ossoliński erbaut – dessen Familie die Stadt Breslau eine umfangreiche und berühmte Bibliothek verdankt – zeichnet sich das Schloss durch eine einzigartige Architektur und Bauform aus. Es ähnelt nämlich dem Buchstaben „E“, was sehr selten anzutreffen ist. Bis zu seiner Zerstörung während des polnisch-schwedischen Thronkrieges Mitte des 17. Jahrhunderts, dessen Zerstörungswut und verheerende Folgen mit jenen des Dreißigjährigen Krieges zu vergleichen sind, rühmte sich Krzyżtopór eine der größten Schlossanlagen des Kontinents zu sein. Doch nicht nur die überdimensionale Größe machte sie zu einem Anblick der Superlative. Auch die Ausstattung und die Inneneinrichtung trugen ihren Teil dazu bei. Es genügt wohl zu erwähnen, dass die Decke des riesigen Speisesaals angeblich ein Aquarium beherbergte, in dem exotische Fische und andere ausgefallene Meeresbewohner zu bestaunen waren. Leider ist es nicht überliefert, ob die gläserne Decke einer Speisekarte glich, aus der sich die Gäste ihre nächste Mahlzeit zusammensuchen konnten. Sie sollten dieser Frage mit Ihren Reisegästen am besten vor Ort nachgehen.

Route der Adlerhorste

Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich der spektakuläre, insgesamt 163 Kilometer lange Wanderweg, der über eine ganze Reihe von Burgen und Festungen führt. Im 14. und 15. Jahrhundert erbaut, sicherten die Wehranlagen einstmals die westliche Grenze Polens und wehrten ungebetene Gäste ab. Heute sind sie eher darum bemüht möglichst viele Besucher anzuziehen. Gerade mal genug um eine entsprechende Infrastruktur aufzufahren, aber bei Weitem nicht so viele, dass man die Burgen und die umliegende Landschaft nicht in aller Ruhe in sich aufnehmen könnte. Und die besagte Landschaft hat es in sich. Unter vielen Highlights ist an dieser Stelle die Krakau-Tschenstochauer Jura, ein Mittelgebirge in Südpolen vornehmlich hervorzuheben, das mit einzigartigen Kalkfelsen, Tropfsteinhöhlen, malerischen Tälern sowie der größten Sandwüste Mitteleuropas aufwartet.

Aber zurück zu den Burgen, die diese Umgebung besonders prägen. Ihre stolze Anzahl, die sich auf 14 königliche und 18 private Burgen, sowie 4 Festungen beläuft, wird durch ihre häufig einzigartige Lage garniert. Die Bezeichnung „Adlerhorste“ kommt nämlich nicht von ungefähr. Die meisten dieser Objekte wurden auf bis zu 30 Meter hohen Felsen erbaut, sodass sie in der Tat den Horsten dieser majestätischen und andächtigen Vögel ähneln. Während die meisten von ihnen als Ruinen romantische Stimmung verbreiten, wurden einige zu Hotels und Restaurants umfunktioniert und bieten den Wanderern viel modernen Komfort und altertümlichen Charme.

Burg Niedzica

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. So ist es auch in diesem Fall. Zum Ausklang unserer Rundreise habe ich einen besonderen Leckerbissen für die Geschichtsinteressierten und all jene, die es noch werden wollen. Und davon wird es einige geben, sobald sie die Burg Niedzica erblickt und ihre Geschichte gehört haben.

Im Süden Polens in der Woiwodschaft Kleinpolen, verbirgt sich nämlich ein Schloss, das es wahrlich in sich hat – nicht nur optisch. Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet, thront es majestätisch über den Czorsztyn-Stausee. Im Hintergrund erstreckt sich ein Bergpanorama, welches lange in Erinnerung bleibt. Die Hohe Tatra lässt grüßen. Im Inneren wartet die Burg nicht nur mit einer bestens erhaltenen Mittelalterarchitektur auf, sondern vor allem mit einer Legende – einem Inkaschatz, der hier von dem Nachfahren der Burgbesitzer und dem Weltenbummler Sebastian Berzeviczy gebracht und versteckt worden sein soll.  Berzeviczy lebte lange in Südamerika und ehelichte dort die Tochter eines Inkaadeligen. Die Tochter, die wiederum aus dieser Beziehung hervorging, wurde zur Frau eines der Söhne des letzten Inkakönigs Tupac Amaru. Nach einem misslungenen Aufstand gegen die Spanier im Jahre 1781 geriet sie dadurch in Gefahr, da die spanischen Sieger die gesamte Familie des Königs, der den Aufstand anführte, töteten. Um seine Tochter und deren Sohn zu schützen, flüchtete Berzeviczy nach Niedzica und brachte seine Lieben in der Burg unter. Im Schlepptau sollten sich die legendären Tränen der Sonne befunden haben, ein sagenhafter Schatz, dessen Teile angeblich im Titicaca-See und in der Vigo-Bucht klammheimlich versteckt wurden. Der größte Teil des Schatzes sollte jedoch die kleine Familie nach Polen begleitet haben, wo er in der Burg Niedzica deponiert wurde. Einen Hinweis darauf liefert eine Bleitube, die man 1946 aus der Burgtreppe hervorgeholt hat. Eine Handvoll verknoteter Fäden wurde entdeckt. Es handelte sich um ein Khipu – eine Inkaschrift. Auf drei Goldplatten, die mit den Bändern verflochten waren, standen drei Inschriften: „Vigo“, „Titicaca“ und „Dunajecz“ – der alte Name der Burg Niedzica. Der Mann, dem die Entdeckung gelang, stellte sich als Andrzej Benesz heraus, ein Nachfahre von Tupac Amaru. Die Hinweise auf den Verbleib der Knotenschrift habe er in Krakau, in der Heiligkreuzkirche gefunden. Geführt dorthin habe ihn wiederum seine Adoptionsurkunde (er wurde als Kleinkind von einer polnischen Familie aufgenommen), in der der Rat der Inka-Emissäre geheime Botschaften und Hinweise hinterlassen habe. Die genaue Bedeutung dieser Botschaften konnte weder vor Ort noch im Rest des Landes entziffert werden. Benesz plante folglich eine Reise nach Südamerika, wo er sich Hilfe bei der Entschlüsselung versprach. Doch dazu kam es nicht. 1976 starb er bei einem Autounfall. Die aus der Treppe hervorgeholten Fäden fielen hingegen einem Brand zu Opfer. Die Suche nach dem legendären Inkaschatz fand somit ein jähes Ende.

Auch unser Schnelldurchlauf durch polnische Schlösser und Burgen für Geschichtsinteressierte, neigt sich dem Ende zu. Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag Ihr Interesse wecken – nicht nur für die Inkas. Sollten Sie Fragen oder Anmerkungen haben, so zögern Sie bitte nicht mich und mein Team zu kontaktieren. Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

Burg Niedzica
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