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Zu sehen sind die Tuchhallen in Krakau. Bild: Tomasz Lewandowski
Krakau, Tuchhallen, Bild: Tomasz Lewandowski

Unentdecktes Krakau – Die Renaissancestadt

Was hat das Thema von „Unentdecktes Krakau – Die Renaissancestadt“ mit guten Ausstellungen und guten Konzerten gemein? Es sind kulturelle Highlights, die für lange Besucherschlangen sorgen. Erinnern Sie sich an die „Gesichter der Renaissance“? Die Ausstellung, die das Berliner Bode Museum mit dem Metropolitan Museum of Art gemeinsam veranstaltete? Das war eine solche Highlight-Ausstellung in Berlin. Vielleicht haben Sie selber als Busreiseanbieter damals einige der zahllosen Gäste von weit her nach Berlin gefahren?

Eines der Highlights war „Die Dame mit Hermelin“ von Leonardo da Vinci. Das Bild war während der Ausstellung belagert von Besuchern. Die Ausstellung erzählte die Geschichte der Renaissance in Bildern. Wenngleich „Die Dame mit Hermelin“ ursprünglich aus Italien kam, ist das Werk nun in Krakau beheimatet. Das Gemälde ist im Czartoryski-Museum in der ul. Św. Jana zu bewundern. Und es ist nicht verwunderlich, dass dieses Gemälde in Krakau zu finden ist. Denn Krakau bietet seinen Besuchern italienische Renaissance vom Feinsten. Die Geschichte dieser Entwicklung werde ich in diesem Artikel vorstellen und Ihnen dabei für Gruppenreisen sehr interessante Details zu Besichtigungsorten geben. Außerdem können Sie den Artikel Ihren Reisenden als wertvolle Hintergrundgeschichte mit auf den Weg geben – das macht das Reiseerlebnis noch interessanter. Wenn Sie weitere Informationen benötigen: Wir von brylla reisen als Incoming-Agentur für Polen helfen Ihnen gerne.

Die Renaissance in Polen

Die Renaissance war künstlerisch-architektonischer Ausdruck der Befreiung aus dem „Dunkel“ des Mittelalters. Ihre Ausgangspunkte in Italien waren zum Beispiel Florenz, Padua und die Toskana. In kaum einem Land nördlich der Alpen fiel es auf solch fruchtbaren Boden wie in Polen.

Vom frühen 15. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts breitete sich diese Epoche von Florenz europaweit aus. Die griff die Formsprache und das Wissen der römischen Antike auf und hatte ein humanistisches Weltbild. Ihr Wunsch nach Neuem, Lichtem, Hellen und Luftigem in der Architektur gelangte auch nach Polen. Die Renaissance fasste in Polen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts am Hof in Krakau Fuß und breitete sich von dort aus im Süden und Osten Polens aus. Diese Welle verschaffte Städten wie Lublin und besonders Zamość ein überraschend italienisches Flair. Nicht umsonst wird Krakau auch das „Florenz des Nordens“ genannt.

Ganz eng verbunden ist die polnische Renaissance in Krakau mit den beiden letzten Jagiellonen-Königen Sigismund I., genannt Sigismund der Alte, und seinem Sohn Sigismund II. August.

Die letzten Jagiellonen und das Goldene Zeitalter Polens

Sigismund-Kapelle (© Cancre)
Sigismund-Kapelle (© Cancre)

Der 1467 in Krakau geborenen Sigismund I. – zur Unterscheidung von seinem Sohn „der Alte“ genannt – war von 1506 bis 1548 König von Polen. In Personalunion war er außerdem Großfürst von Litauen. Er residierte in der damaligen polnischen Hauptstadt Krakau. Sigismund betrieb eine kluge Grenzsicherungspolitik gegen Moskau und die Osmanen durch ein Freundschaftsbündnis mit dem römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. Wie es damals üblich war, sollte auch dieses Bündnis durch eine passende Ehe bekräftigt werden, zumal Sigismund nach dem Tod seiner ersten Gemahlin Barbara Zapolva aus Siebenbürgen Witwer war. Ausgesucht wurde die Mailänderin Bona Sforza, die Nichte der verstorbenen Kaiserin Bianca Maria Sforza, die Sigismund 1518 heiratete.

Sigismund I. und Bona Sforza

Bona Sforza schenkte Sigismund nicht nur den ersehnten Thronfolger, den späteren König Sigismund II. August, sondern fünf weitere Kinder. Die Mailänderin brachte auch die Renaissance mit an den Königshof in Krakau, die der weltoffene König in Italien bewundern gelernt hatte. Durch Bona Sforza verbreiteten sich in Polen die Ideen der Renaissance. Wissenschaft und Kultur blühten auf. So ist Königin Bona bis heute unvergessen, als erbitterte Gegnerin der Reformation war sie auch von der Kirche gut gelitten und gilt als „Mutter der Renaissance und des Glaubens“. Sohn Sigismund II. August wurde später der letzte männliche Jagiellone auf dem Thron Polens. Die Regierungszeit dieser Familie ließ Polen nicht nur zu seiner größten Ausdehnung zwischen Ostsee und Schwarzem Meer heranwachsen, sie gilt vor allem als „Goldenes Zeitalter“ der polnischen Kultur.

Königin Bona spielte eine bemerkenswert eigenständige Rolle am Hof, hatte großen Einfluss und bestimmte die Kulturpolitik. Auf ihre Veranlassung wurden Schlösser, Schulen und Krankenhäuser und ein Renaissancegarten gebaut. Nach dem Tod Sigismunds im Jahr 1548 zog sie nach Warschau um und kehrte 1556 nach Italien zurück. Dort wurde sie 1557 von ihrem Vertrauten Pappacoda vergiftet. Sein Auftraggeber soll der spanische König Philipp gewesen sein. Bona wurde in Bari in der Basilika di San Nicola begraben.

Sigismund II. August

Der 1529 geborene Sigismund August wurde 1529 noch zu Lebzeiten seines Vaters vom Sejm nach dem Vivente Rege zum Großfürsten von Litauen und König von Polen gewählt. Ab 1544 übernahm er mehr und mehr die Amtsgeschäfte von seinem Vater Sigismund I. dem Alten, der 1548 starb. Danach übernahm Sigismund II. August die Alleinherrschaft. Er war der letzte erbliche Jagiellonenkönig, mit dem trotz dreier Ehen kinderlosen König starb die Linie im Mannesstamm aus. 1569 beschloss das von Sigismund II. einberufene Parlament Sejm die Lubliner Union, die aus der Personalunion Polen-Litauen eine Realunion machte. Dieser Staat wurde Rzeczpospolita genannt und führte das Wahlkönigtum ein. Bis zu seinem Tod 1572 allerdings blieb Sigismund II. August Regent der neuen Union.

In dieser goldenen, gerade einmal zwei Generationen dauernden Epoche hat sich Polen gravierend gewandelt. Bis heute sind aus dieser Zeit eindrucksvolle Kunstwerke zurückgeblieben. Die bedeutendsten Krakauer Renaissancewerke und Bauten dieser Zeit sind:

ul. Kanonicza (© Taxiarchos228)
ul. Kanonicza (© Taxiarchos228)

• Sigismundskapelle an der Wawel-Kathedrale
• Grabmal von Anna Jegiellonica der polnischen Königin und Ehefrau des späteren Wahlkönigs Stafan Bathory in der Sigismund-Kapelle
• Zahlreiche weitere Kapellen an der Wawel-Kathedrale
• Arkadengänge des Schlosshofs der Wawel-Burg
• Die Tuchhallen (Sukiennice) am Hauptmarkt
• Renaissancehäuser an der ul. Kanonicza
• Frisch restaurierter Renaissancegarten oberhalb der Ostmauer, den Bona Sforza anlegen ließ

Die Renaissance-Highlights in Krakau

Die Sigismundkapelle auf dem Wawel und der Architekt Bartolomeo Berecci

Die Sigismund-Kapelle war als „Königs-Kapelle“ als Grablege der Jagiellonen-Dynastie geplant. Sie ist eine der neunzehn Kapellen, von denen die Krakauer Kathedrale umgeben ist. Den Entschluss zum Bau eines Mausoleums fasste Sigismund I. der Alte nach dem Tod seiner ersten Gemahlin Anna Zapovla. Mit dem Bau beauftragte er 1517 den florentinischen Architekten Bartolommeo Berecci (1480–1537), der mit dem Kapellenbau 1519 begann, nachdem die gotische Kasimir-Kapelle abgebrochen war. Der Rohbau und Kuppel waren 1526 fertig. Eingeweiht wurde die Kapelle 1533. Sie gilt als erstes völlig eigenständiges Renaissance-Bauwerk in Polen, das sich künstlerisch nicht an italienischen oder antiken Vorbildern orientierte und ist eines der schönsten Renaissance-Bauwerke in Polen. Hier einige Details: Der Bau hat einen quadratischen Grundriss und eine elliptische Kuppel, die auf einem achteckigen Tambour steht, der mit runden Fenstern versehen ist. Die Kuppel ist von schuppenartig gefertigten vergoldeten Kupferblechplatten bedeckt. Der einzige Zugang zur Kapelle liegt innerhalb der Kathedrale, ist als vergitterter Bogen gestaltet und mit den Wappen Polens, Litauens und der Familie Sforza verziert. Er stammt aus der Werkstatt von Hans Vischer. Dem Eingang gegenüber vor der Thronsitzbank findet sich die Grableger der Königin Anna Jagiellonica, rechts davon die Monumente für Sigismund I. und Sigismund II. August. Gegenüber liegt der Flügelaltar, der 1531–1538 nach einem Entwurf von Hans Dürer von Nürnberger Handwerkern gefertigt wurde. Die silbernen Flachreliefs der Innenseite wurden von Peter Flötner entworfen und 1538 von Melchior Baier hergestellt. Alle Wandnischen zieren Heiligenstatuen.

Wawel-Arkadengänge (© Leif Arne Storset)
Wawel-Arkadengänge (© Leif Arne Storset)

Zwei große Renaissance-Architekten und Künstler waren mit den Arbeiten befasst. Das Grabmal von König Sigismund I. des Alten stammt von Bartolomeo Berrecci. Das Grabmal des Sigismund II. August hat Santi Gucci entworfen. Um ersteren ranken sich einige Geschichten. Der spätere Bildhauer und Architekt wurde 1480 geboren. 1516 kam er auf eine von Bischof Jan Laski übermittelte Einladung nach Krakau. Er sollte dort in der Leitung des Wawel-Umbaus dem verstorbenen Francesco Fiorentino nachfolgen. Er übernahm auch die Werkstatt des Verstorbenen mit allen dort angestellten Künstlern. Um den Tod Bereccis ranken sich viele Legenden. War es eine Infektion nach einem kleinen Unfall bei der Arbeit am Grab von Piotr Tomiski? War es ein Mord von mißgünstigen italienischen Kollegen, die den Konkurrenten aus dem Weg räumten? Oder war es doch eine “Vendetta”, eine Blutrachetat ganz ohne Zeugen in den regennassen, menschenleeren Straßen am Hauptmarkt der Stadt im Jahr 1537? Seine letzte Ruhe fand Berecci in der Corpus Christi-Kirche (Kośćiół Bożego Ciała) in Kazimierz.

Der Wawel und Francesco Florentino

Auf dem Wawel begann die Renaissance in Polen. Dort gilt das Grabmal von König Jan Olbracht als erstes Hochrenaissancewerk, das von Francesco Florentino geschaffen wurde, dem ersten großen Renaissance-Künstler, Architekten und Hofbaumeister in Krakau. Das ursprüngliche Königsschloss war Ende des 15. Jahrhunderts zu großen Teilen abgebrannt. Die Schuld dafür wird König Jan Olbracht zugeschrieben. Der Bruder und Vorgänger von Sigismund I. liebte alchemistische Experimente und ein solches soll das Feuer ausgelöst haben. Zu Zeiten Sigismunds I. erfuhr das Königsschloß auf dem Wawel-Hügel in Krakau umfassende Ausbaumaßnahmen. Gewünscht vom Herrscher war die Übernahme von Renaissanceformen, dazu eine für die Zeit innovative Architektur. Die dadurch entstandenen Kunst- und Bauwerke auf dem Wawelhügel gelten in ihrer geschlossenen Gesamtheit und ihres guten Erhaltungszustandes wegen als ein Referenzbau für die Renaissance-Architektur in Mitteleuropa. Mit dem Auf- und Ausbau beauftragt wurde 1507 Francesco Florentino. Nach dessen frühem Tod übernahm Bartolomeo Berecci, die Fortführung. Der polnische Architekt Benedykt Sandomierski vollendete den Umbau des Wawelschlosses 1537, nachdem Berecci ermordet worden war. Weitere Renaissancebauten befanden sich westlich des Schlosses. Bona Sforza ließ auch einen Renaissancegarten oberhalb der Ostmauer anlegen, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts rekonstruiert wurde.
Die Renaissanceblüte des Wawelschlosses endete mit dem großen Brand Ende des 16. Jahrhunderts. Weitsichtig hatte man im Dachgeschoss für den Brandfall Löschwasser bevorratet. Doch es war Winter, als der Brand ausbrach und das Wasser war gefroren. Danach verlegte der Wahlkönig Sigismund Wasa (Sohn der Schwester des polnischen Königs Sigismund II. August) im Jahr 1596 seine Residenz vom Wawel in das Schloss der Fürsten von Masowien in Warschau, das zum Warschauer Königsschloss wurde.

Die Tuchhallen am Hauptmarkt und ihr Architekt Santi Gucci

Tuchhallen und Altstadt Krakau
Tuchhallen und Altstadt Krakau

Neben dem Wawel sind die Tuchhallen (Sukiennice) am Hauptmarkt die meistfotografierte Sehenswürdigkeit Krakaus. Diese Perle der Renaissance-Architektur gilt als ältestes Krakauer „Einkaufszentrum“ und unterstreicht die Bedeutung der Renaissance in Polens alter Hauptstadt. Die Anfänge liegen im 13. Jahrhundert. Alles begann mit zwei Ladenreihen. Die überdachten Tuchhallen wurden im 14. Jahrhundert erbaut. Von ihnen blieben die Eingangsportale an den Stirnseiten mit den Spitzbogen. Im Jahr 1555 brannte der gotische Bau ab. Mit der Planung des Wiederaufbaus wurde der Italiener Santi Gucci beauftragt. Er ließ einen 18 x 100 m großen Renaissancebau mit einem Tonnengewölbe und den typischen Arkaden errichten. Die Loggien entstanden nach Plänen von Giovanni Maria Padovano.

Änderungen im Aussehen der Tuchhallen brachte 1875–1878 der Umbau des Architekten Tomasz Pryliński. Er ließ an den Längsseiten neogotische Arkaden mit von Jan Matejko entworfenen Säulenkapitellen anbringen. Auch wurden im Obergeschoss Ausstellungsräume eingebaut, die heute die Galerie der polnischen Malerei des 19. Jahrhunderts beherbergen.
Der Renaissance-Baumeister und Künstler Santi Gucci wurde um 1530 geboren und kam um 1550 wahrscheinlich aus Florenz nach Polen. Dort wurde er Hofbaumeister des letzten Jagiellonenkönigs Sigismund II. August. Er baute eine große Zahl von Adelspalästen sowie die Grabplatte für Königin Anna Jagiellonica in der Wawel-Kathedrale, dazu Chorgestühl und Grabmal des polnischen Wahlkönigs Stephan Báthory. Hoch geschätzt wurde er in den Adelsstand erhoben und starb um 1600.

Sie haben in diesem Artikel viele historische Geschichten erfahren. Solche Geschichten werden nach meiner Erfahrung von Busreisenden gern gehört. Außerdem sind ideal für die Vorbereitung einer Renaissance-Reise nach Polen. Wir von brylla reisen helfen Ihnen gern bei der Zusammenstellung.

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