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Polen von Reisebloggern entdeckt

Einige sehr gute Blogs im Internet sind auf Reiseberichte spezialisiert und haben teilweise mehr Leser und Reichweite, als manche Reisebeilage von Zeitungen. Grund genug, dass wir uns einmal angesehen haben, ob man sich in der Bloggerszene auch für Polen interessiert. Die kurze Antwort: Ja, die Blogger entdecken Polen immer mehr. Ich stelle einige Blogs vor und habe mit einer Reisebloggerin gesprochen.Dass Destinationen selbst bloggen, ist kein neues Phänomen. Dass Reiseveranstalter bloggen, kann man hier an meinem Blog sehen. Dass in der Reiseszene das Bloggen einen steigenden Stellenwert bekommt, sieht man zum Beispiel daran, dass die Tourismusmesse ITB in Berlin spezielle Akkreditierungen für Blogger und Netzwerktreffen für dieselben organisiert – sehr erfolgreich übrigens. Ein entscheidendes Kriterium beim Bloggen ist das Netzwerken, offline (wie auf der ITB) und online sowieso; dazu gibt es auch einige spannende Fachartikel (zum Beispiel hier).

Meistens sind Reiseblogger, zumindest wenn man über die typischen Vorzeigeexemplare liest, scheinbar auf exotische Reiseziele abonniert: Dort gibt es Südseebilder oder Berichte aus Gegenden, die man sonst nicht besuchen würde. Polen: Würde man in der Bloggerszene nicht direkt vermuten. Sollte man aber: Ich habe ein wenig recherchiert und einige sehr interessante Blogs gefunden, die sich mit Polen als Reiseziel befassen. Es gibt einerseits Informationsseiten wie Polen.pl, die sich ausschließlich mit Polen und dabei unter anderem mit Reisen nach Polen beschäftigen. Dort kann man zum Beispiel auch Reiseberichte über die Hohe Tatra, Warschau, Hausboottouren oder Lodz und Torun lesen. Auch gibt es verschiedene Blogs von Reiseveranstaltern, etwa meinen Blog. Aber: Um diese Berichte zu finden, muss man sich bereits aktiv für Polen interessieren.

Reiseblogs mit Sehnsuchtsort-Beschreibungen

Aus meiner Sicht noch spannender sind die wirklichen Reiseblogs, die sich mit der ganzen Welt befassen. Sie wecken Sehnsucht nach Reisezielen und machen auch neugierig auf Ziele, die man sonst noch nicht so auf dem Radar hatte. Solche habe ich mir angesehen und möchte sie vorstellen.

Da ist zum einen Anja von TravelonToast, die seit 2012 bloggt und schon viele Ziele bereist hat. 2014 berichtete sie unter dem Titel „Polen: Liebesgrüße von der Ostsee“ von einem Pärchen-Urlaub in Kolberg. Mit schönen Fotos, einem neugierig machenden Bericht und einigen Tipps erreicht sie genau das, was ein Reiseblog im besten Fall erreichen kann: Lust auf Urlaub machen, indem ein bestimmter Ort präsentiert wird.

Im Unterwegs-Reiseblog von Simon findet man einige interessante Trips in den Osten. So war Simon nicht nur an der Ostsee in Misdroy, von wo aus er reich bebildert in moderner Aufmachung berichtet, sondern führte auch Touren durch Polen in die Ukraine oder einfach querfeldein mit dem Auto durch. Wandern in der Tatra war er auch, und berichtet auch hiervon ausführlich.

Krakau hat sich DC Loew im Reiseblog Planetenreiter vorgenommen. Er schreibt ausführlich über die Schönheit der Stadt – das ist das eine. Authentisch ist aber vor allem, dass er auch von seinen Problemen berichtet: Da er ohne große Planung abreiste, stößt er auf das eine oder andere Hindernis zum Beispiel beim Parken des Mietwagens. So werden auch Individualreisenden wichtige Informationen auf nette Art beiläufig vermittelt. DC Loew ist übrigens auch jemand, der wirklich viel herumkommt, aber auch die Regionen rund um seine Heimat nicht außen vor lässt.

Johanna ist keine Reisebloggerin, taucht aber mit ihrem Liebesbotschaft-Blog trotzdem in meiner Übersicht auf. Das hat einen ganz einfachen Grund: Ihr Bericht über ihren Besuch in Polen ist nicht nur mit fantastisch fotografierten Bildern illustriert, sondern auch humorvoll und absolut authentisch zu lesen. Sonst kümmert sich Johanna eher um Einrichtungen und Mode, wenn es um Artikel in ihrem Blog geht. Lesen Sie einfach einmal ihren Bericht aus Polen über die 5 Dinge, die sie an der polnische Ostseeküste liebt  – Sie wissen was ich meine.

Sonne & Wolken hingegen ist ein klassischer Reiseblog, aber ein richtig toller: Schick gestaltet, toll geschrieben und nett zu lesen. So ein Blog macht Lust auf neue Reiseziele. Und: Jana war in Polen, und zwar an vielen Orten auf einer Rundreise. Davon berichtet sie mit schönen Fotos, präzisen Texten und einer auf den Punkt kommenden „Lern-Liste“ von ihrer Reise. Nicht nur, dass sie in Polen lernte, dass ein zugefrorener See vor grauem Himmel auf Fotos nichts hermacht; sie hat auch gleich die polnischen Mittel gegen solche unschönen Erlebnisse erkannt (gutes Essen, Freundlichkeit…).

Ein anderes gutes Beispiel für einen Reiseblogger, der zum ersten Mal in Polen ist, findet sich beim Picturetraveller Martin. Er berichtet mit reichlich Fotos aus einem heißen Warschauer Sommer und davon, wie er sich von der Stadt faszinieren hat lassen.

Außerdem trifft man online auch auf Maike Grunwald, eine bloggende Reisejournalistin aus Berlin. Sie hat es nicht so weit nach Polen und ist deswegen öfter dort. So berichtete sie beispielsweise ausführlich über den Oberlandkanal in Masuren und zeigt sich begeistert ob des technischen Meisterwerks – bebildert mit tollen Fotos und sehr detaillierten Informationen zum Urlaub und zur Technik. Auch über den Weihnachtsmarkt in Breslau berichtete sie ausführlich, über eine Frauentour nach Krakau, in einer sechsteiligen (!) Serie über Danzig, Heiligkreuz über die EM in Posen sowie über das Seglertreffen in Stettin. Man kann sie getrost als erfahrene Polenreisende vorstellen, aber ihr Reisetageblog führt sie an viele andere Orte – vom Allgäu bis nach Namibia. Ich sprach mit Ihr über ihre Berichte aus Polen.

Frau Grunwald, wie sind Sie auf Polen als Reiseziel für Ihr Blog aufmerksam geworden?
Durch meinen Vater. Er ist ein großer Fan und hat mich vor etwa 15 Jahren zum bestandenen Magisterstudium zu meiner ersten Reise nach Polen eingeladen, in die Kaschubei. Er ist in Pommern geboren, allerdings schon als kleines Kind mit der Mutter geflüchtet. Es gibt also familiäre Wurzeln, doch denke ich, dass seine wie meine Faszination vor allem dem heutigen Reiseland Polen als vielseitiges, spannendes und schönes Urlaubsziel gilt. Von Krakau zum Beispiel hat er so oft geschwärmt, dass ich unbedingt selbst hinreisen musste. Natürlich war ich begeistert und wollte mehr entdecken. Die vielen malerischen, spannenden Städte, die beeindruckenden Küsten-, Seen- und Gebirgslandschaften mit ihrer teils unberührten Natur und auch die Freundlichkeit der Menschen vor Ort haben mich dann immer wieder animiert, noch einmal nach Polen zu fahren. Letztes Jahr war ich in Stettin, in Posen, am Oberlandkanal, zwei Mal in Danzig und am Ostseestrand sowie zwei Mal in Masuren.

Gibt es nach Ihrer Wahrnehmung Unterschiede beim Bereisen, beim Echo der Leser oder in anderen Punkten im Vergleich zu anderen Reisezielen?
Auf jeden Fall. Polen ist unser Nachbarland, uns verbindet eine lange, komplizierte und traumatische Geschichte, auch gemeinsame Kultur. Viele Polen leben in Deutschland und in Danzig eröffnen angesagte Cafés mit deutschen Namen wie „Knödel“. Dennoch ist Polen als Reiseziel immer noch relativ exotisch. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Berliner noch nie in Polen waren, obwohl es doch so nah und auch wirklich attraktiv ist. Die schwierige historische Beziehung und auch die jüngeren politischen Entwicklungen sind vielleicht eine Erklärung für eine gewisse Scheu und auch für manche der emotionalen, teils unangemessenen Leserkommentare, die ich zum Glück noch nie auf meinem Blog, wohl aber unter Presseartikeln gelesen habe. Hinzu kommen alte Vorurteile, dass die Ferienunterkünfte dem deutschen Ordnungsempfinden nicht genügen, man sich nicht verständigen könne und als Deutscher in Polen nicht gern gesehen sei. Dass diese Vorurteile nicht stimmen, merkt man natürlich erst, wenn man dort war.
Gleichzeitig gibt es großes Interesse an Reisen nach Polen: Es hat sich herumgesprochen, dass die polnische Ostseeküste, Krakau und Masuren schön sind, man dort Englisch oder sogar Deutsch spricht und erstklassige Unterkünfte bekommen kann. Breslau (Wrocław) als Europäische Kulturhauptstadt 2016 und die große Aufmerksamkeit, die Polen als Trend-Reiseland insgesamt in Presse und Fernsehen erhalten hat, verstärken diese Neugier. Meine Blogartikel über Ziele in Polen werden viel geklickt, immer wieder werde ich nach Tipps gefragt, das Interesse an Reisereportagen ist groß. Polen ist kein etabliertes Reiseziel wie Italien oder Spanien, und gerade das macht es für viele besonders spannend.

Was das Bereisen angeht: Die Infrastruktur hat sich zur und seit der Fußball-EM noch weiter verbessert, es sind viele neue erstklassige Hotels und Restaurants hinzugekommen, auch vegane oder mit Michelin-Stern. Englisch- und Deutschkenntnisse sind beim Hotelpersonal und auch allgemein verbreiteter. Und wenn es beim Fragen nach dem Weg doch mal zu Verständigungsproblemen kommt, ruft die Passantin über Handy schnell eine Freundin an, die der Touristin übersetzen kann, auch das ist mir schon passiert. Noch ein Tipp für Frauen: Nicht erschrecken, wenn Ihnen ein Herr die Hand küsst, er ist kein Wahnsinniger, nur etwas altmodisch. Diese Begrüßungsform wird in Polen gerade bei der älteren Generation manchmal noch gepflegt.

Vielen Dank, Frau Grunwald!

Den Blog von Maike Grunwald findet man unter reisetage.blogspot.de

Die Ostsee, die Städte und die Tatra…

Auffällig ist, zumindest nach meiner Recherche, dass die schon etablierten Tourismusziele in Polen auch bei den Bloggern deutlich stärker vertreten sind. Die Ostsee führt also mit weitem Abstand; die Städte Danzig, Warschau, Krakau und Posen sowie Ziele in der Tatra folgen. Viele andere Orte tauchen aber auch bei den Bloggern auf, die vermutlich noch nie von einer Tageszeitungsredaktion vorgestellt wurden. So kann es also passieren, dass auch eher unbekanntere Orte plötzlich Nachfrage bekommen, weil eine Bloggerin oder ein Blogger dort war – und es schön war.

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