Warschau auf den Spuren von Chopin

Frédéric Chopin (Public Domain)

Frédéric Chopin (Public Domain)

„Warschau auf den Spuren von Chopin“ ist der erste Teil einer neuen kleinen Artikel-Reihe: Es geht um Personen aus Polen, die Geschichte machten. Ich zeige Ihnen, wie Ihre Reisenden auf den Spuren solcher Personen die polnische Geschichte hautnah erfahren können. So können Ihre Busreisenden selbst Warschau ganz neu entdecken und viel über die polnische Geschichte und die Denkweise der Polen erfahren. Im heutigen ersten Artikel geht es um Frédéric Chopin, oder Fryderyk Franciszek Chopin, wie die Polen ihn nennen.

Wer war Chopin?

Chopin in Polen

Als Chopins Geburtsdatum wird meist der 1. März 1810 genannt – auch wenn auf Taufschein und Geburtsurkunde der 22. Februar 1810 vermerkt ist. Fryderyk Franciszek Chopin wurde unweit von Warschau in Żelazowa Wola geboren. Er wurde am 23. April in Brochów getauft. Sein Vater, Nicolas Chopin, war Franzose. Er unterrichtete in Żelazowa Wola die Söhne des Grafen Skarbek. Chopins Mutter Justyna war eine geborene Krzyżanowska. Fryderyk Chopin hatte drei Schwestern: Ludwika, Izabela und Emilia. Ludwika stand ihm besonders nah.

Bereits im September 1810 zog die Familie nach Warschau, wo Chopin seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte. Das große musikalische Talent des kleinen Fryderyk wurde früh gefördert: er wurde von seiner Mutter ins Klavierspiel eingeführt und komponierte bereits im Alter von sieben Jahren seine ersten Polonaisen. Sein erster Klavierlehrer war 1816-1822 der tschechische Pianist Vojtěch Živný.

Im Jahr 1818 entdeckte der österreichische Hofkomponist Adalbert Gyrowetz Chopins außergewöhnliche Begabung. Obwohl Chopin erst 8 Jahre alt war, führte Gyrowetz ihn in die Kreise des Adels ein. Von da an wurde der junge Chopin ein gern gesehener Musiker in den Salons des polnischen Hochadels. Den Sommer verbrachte er oft auf Landsitzen der Familien von Freunden und kam dort besonders mit der polnischen Volksmusik in Kontakt. Diese beeinflusste sein Werk stark. Ab 1822 nahm Chopin Privatunterricht bei Joseph Elsner. Nebenher besuchte er bis 1826 das Königlich-Preußische Lyzeum. Danach studierte er am Konservatorium bei Elsner und begann in größerem Umfang zu komponieren. Im Juli 1829 beendete Chopin sein Studium. Elsner beurteilte ihn als besondere Begabung und musikalisches Genie.

Chopin im Ausland

Chopin reiste mit seinem Freund Tytus Woyciechowski am 2. November 1830 für einen längeren Zeitraum nach Wien. Kaum war er dort angekommen, begann in Warschau der Novemberaufstand gegen die Zarenherrschaft, den Chopin in seiner Revolutionsetüde thematisiert. Sein Vater riet ihm nicht heimzukehren, worauf Chopin im Herbst 1831 weiter nach Paris reiste. Dort komponierte er weiter und fand rasch Zugang zu den Salons. Die von 1837 bis 1847 andauernde Beziehung zur Schriftstellerin George Sand war für Chopin eine zuweilen turbulente aber kreative Zeit.

Der zeitlebens kränkelnde und früh an Tuberkulose erkrankte Chopin sollte nie mehr in seine Heimat zurückkehren. Er starb am 17. Oktober 1849 und wurde auf dem Pariser Friedhof Pére-Lachaise beigesetzt. Sein Herz wurde auf Chopins Wunsch hin von seiner Schwester Ludwika heim nach Warschau gebracht und in der Warschauer Heilig-Kreuz-Kirche in einer Säule eingelassen.

Bedeutung Chopins für Polen

Chopin ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit. Die polnische Volksmusik hat sein Werk stark beeinflusst. Anklänge davon sind vor allem in seinen Mazurken und Polonaisen zu finden. Zugleich war Chopin auch der große musikalische Vertreter der polnischen Romantik. Thematisch befasste sich diese mit den polnischen Aufständen und der Sehnsucht nach einem freien Polen. Vor allem in seinen Nocturnes und Walzern finden sich Chopins Sehnsucht und sein glühender Patriotismus wieder. Er galt im Pariser Exil als „der“ Botschafter Polens.

Chopins Geburtshaus (®Wojsyl)

Chopins Geburtshaus (®Wojsyl)

Auf den Spuren Chopins durch Warschau

Das Leben Chopins grenzt sich in Polen räumlich auf Warschau und Umgebung ein. Daher ist es für Sie als Busunternehmer gut möglich, einen Warschau-Aufenthalt unter das Thema „Chopin“ zu stellen. Hier ein paar Besichtigungs-Vorschläge:

Chopins Geburtshaus und die Taufkirche

Chopins Geburtshaus in Żelazowas Wola liegt rund 55 km westlich von Warschau. Es gehörte zum Anwesen der Familie Skarbek, bei der Fryderyks Vater als Hauslehrer arbeitete. Das seit 1930 von einem Park umgebene Landhaus ist kürzlich saniert und um ein Touristenzentrum mit Restaurant, Café und Buchladen ergänz worden. Das im Stil des frühen 19. Jahrhunderts eingerichtete Innere dient als Museum dem Andenken Chopins und als Konzertort.

Chopins nur elf Kilometer entfernte Taufkirche in Brochów lohnt einen Abstecher. Die Renaissance-Wehrkirche an der Bzura ist durch eine Wehrmauer mit Eckbastionen befestigt. Sie war wichtig für die Familiengeschichte der Chopins. Dort heirateten Chopins Eltern sowie seine älteste Schwester Ludwika.

Das Chopin-Museum

Ideal zur Einstimmung in Warschau eignet sich ein Besuch des Chopin-Museums im Ostrogski-Palast in der ul. Okólnik. Der Palast wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet. Das hochmoderne, multimediale biographische Museum informiert über Leben und Werk Chopins. Es beherbergt in einer stimmigen Atmosphäre Exponate zum Leben des großen Komponisten: Handschriften, Briefe, Chopins Pleyel-Flügel und anderes.

Spaziergang durch Chopins Warschau

Chopin verbrachte nur die ersten 20 Jahre seines kurzen Lebens in Warschau. Er verdankt dieser Zeit seine hervorragende musikalische Ausbildung und die Prägung durch die polnische Volksmusik. Fast in der gesamten Innenstadt wandelt man auf Schritt und Tritt auf den Spuren Chopins. Hier trat er in den Salons des Warschauer Hochadels auf und war dadurch stets in der Presse präsent.

Ein großer Teil des Lebens des jungen Chopins spielte sich rund um die ul. Krakowskie Przedmieście und die ul. Miodowa herum ab. Hier traf er sich mit Freunden, ging zur Schule und studierte Musik.

Kindheit

In Warschau wohnte der kleine Fryderyk Chopin mit seinen Eltern zunächst im rechten Seitenflügel des Sächsischen Palais. In diesem Gebäude war bis 1817 auch das Warschauer Lyzeum untergebracht, an dem sein Vater unterrichtete. Nebenher betrieben seine Eltern dort eine Knabenpension. Hier unternahm der kleine Fryderyk seine ersten Versuche in der Welt der Musik.

Im heutigen Präsidentenpalast, dem damaligen Palais Radziwiłł an der ul. Krakowskie Przedmieście gab Fryderyk Chopin am 24. Februar 1818 sein erstes Klavierkonzert. Er sorgte im Alter von 8 Jahren für Beifallsstürme. Fortan wurde er oft zu weiteren Auftritten in die Warschauer Adelspaläste eingeladen.

Jugend

Kazimierz-Palast (Public Domain)

Kazimierz-Palast (Public Domain)

Der Kazimierz-Palast an der ul. Krakowskie Przedmieście beherbergte seit 1817 das Warschauer Lyzeum, dessen Schüler der junge Chopin war. Er trat dort mit 13 Jahren ein, zuvor erhielt er Hausunterricht. In der Parkanlage hegten und pflegten Schüler des Warschauer Lyzeums Beete und Pflanzen. Die Schlüssel zum Garten hatten die Lehrer des Lyzeums, zu denen auch Chopins Vater gehörte. Die Chopins wohnten seit 1817 in einer der einstigen Rektorenwohnungen, die im Seitenflügel des Kazimierz-Palastes untergebracht waren.

Chopin nahm nach dem Schulabschluss ein Musikstudium am Warschauer Konservatorium auf, das sich zu seiner Zeit am pl. Zamkowy, dem Schlossplatz, befand. Dort studierte er bei Prof. Elsner.

Nicht weit entfernt, ebenfalls an der ul. Krakowskie Przedmieście, befindet sich der Czapski (Krasiński)-Palast. In die Wohnung im Seitenflügel des Palastes zog die Familie Chopin nach dem Tod der jüngsten, erst vierzehn Jahre alten, Tochter Emilia im Jahr 1827. Dies war Chopins letzte Wohnung in Warschau, in der er auch seine beiden einzigen Konzerte komponierte.

Chopin verließ seine Heimat am 2. November 1830. Seine Reise begann in der Nähe des Wessel-Palastes (Pałac Wesslów) an der ul.Krakowskie Przedmieście. Vom dortigen Postamt aus startete die Kutsche. Zu Chopins Verabschiedung bereiteten ihm Freunde und Professor Elsner einen bewegenden Abschied zu dem sie eigens die Kantate „Geboren in polnischer Heimat“ komponiert hatten. Sogar der „Kurier Warszawski“ berichtete seinerzeit darüber. Damit endete Chopins Warschauer Leben.

Chopins Musik genießen

Es gibt in Warschau das ganze Jahr über eine so große Zahl von Konzerten mit der Musik Chopins, dass eine vollständige Auflistung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Eine detaillierte Zusammenstellung in deutscher Sprache finden Sie beim Warschauer Tourismusbüro. Hier nur die wichtigsten ständigen Konzerte an den schönsten Aufführungsorten:

Żelazowa Wola

Schon seit 1954 finden im Geburtshaus von Chopin sonntags von Mai bis Ende September Chopin-Konzerte statt. Im Juli und August werden zusätzlich samstags Chopin-Solistenkonzerte als „Bühne der Jungen“ veranstaltet. Dadurch soll die begabtesten polnischen Jugendlichen gefördert werden.

Łazienki-Park

Chopin Statue (Public Domain)

Chopin Statue (Public Domain)

Seit fast 60 Jahren finden im Łazienki-Park vor dem Chopin-Denkmal Konzerte statt: von Mitte Mai bis Ende September sonntags jeweils um 12 Uhr und um 16 Uhr. Alles über die auftretenden Künstler und die zur Aufführung kommenden Werke finden Sie im Programm.

Alte Galerie ZAPF

Nahe der ul. Krakowskie Przedmieście am Plac Zamkowy finden nahe beim Königsschloss in der Alten Galerie des Bundes der Polnischen Künstler-Fotografen täglich um 18 Uhr Konzerte unter dem Motto „Time for Chopin“ statt.

Sie sehen: es gibt in Warschau auf den Spuren Chopins viel zu entdecken, auch was Polens Geschichte betrifft. Das Team von brylla reisen und ich helfen Ihnen gern, die für Ihre Busreisenden ideale Route zusammenzustellen.

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