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Wanderdünen bei Leba

Wanderdünen in Polen. Foto: brylla reisenHeute möchte ich Ihnen eine ganz besondere Region an der Ostseeküste vorstellen: Das Land der Slowinzen, den Słowiński-Nationalpark und die berühmte Polnische Sahara. Lassen Sie Ihre Reisenden die große Lonsker Düne bei Leba erleben und den Nationalpark dieser außergewöhnlichen Landschaft zwischen Wüste und Wasser erkunden. Hier gibt es Tipps und Adressen.

Leba (Łeba), Polens nördlichster Seehafen

Slowinski Nationalpark. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Slowinski-Nationalpark

Die Region der berühmten ‚Polnischen Sahara‘ erstreckt sich zwischen Leba (Łeba) und Rowe (Rowy). Um sie zu erkunden, eignet sich Leba mit seiner touristischen Infrastruktur ganz hervorragend als Standort. 
Der knapp 30 Kilometer nördlich von Lauenburg (Lębork) gelegene Ort ist Polens nördlichster Seehafen und noch heute ein Zentrum der Küstenfischerei und Fischverarbeitung. Vor allem aber ist Leba, die Stadt an den Ostseedünen, eines der beliebtesten pommerschen Ostseebäder. Ihre Reisenden erwartet hier Natur pur mit viel Wasser, Wind und Sand.

Als an der Wende zum 20. Jahrhunderts der Urlaub noch Sommerfrische hieß und Leba ans Bahnnetz angeschlossen wurde, kamen die ersten Badegäste. Schnell sprachen sich die Naturschönheiten herum und der immer frische Fisch, für den Leba schnell berühmt wurde. Ein Zeugnis dieser ersten Hochzeit des Fremdenverkehrs in Leba ist bis heute das direkt auf dem Steilufer an der Ostsee gelegene Kurhaus aus dem Jahre 1907, das heute Hotel ist – das Hotel Neptun.

Hotel Neptun in Leba. Foto: brylla reisen
Hotel Neptun

Die Fischereivergangenheit ist noch überall im Ort an den kleinen Fischerhäuschen am Hafen zu erkennen, der noch immer Ortszentrum ist. Hier herrscht Idylle, Kutter laufen ein und aus, Fisch wird angelandet und die Möwen warten auf Abfälle, Fischer machen Klarschiff und flicken ihre Netze wie seit jeher in der Abenddämmerung, es riecht nach Salzwasser.
Für Urlauber werden hier Angeltouren, Spazierfahrten an der Küste lang und Segeltörns angeboten, auch alle erdenklichen Wassersportgeräte vom Surfbrett bis zum Paddelboot können hier gemietet werden. Eingebettet ist Leba von kilometerlangen herrlichen Sandstränden, die zum Wassersport oder zum Baden wie geschaffen sind und zu langen Strandspaziergängen locken.

Mein Tipp: Nirgends bekommt man frischere Flundern als im Fischerhafen von Leba. Besonders lecker ist der Ostsee-Plattfisch frisch gebacken.

Lokalna Organizacja Turystyczna Łeba-Błękitna Kraina
Informacja Turystyczna
ul. 11 Listopada 5A
84-360 Łeba
www.lotleba.pl

Die Slowinzen

Museum der Slowinzen in Kluki. Foto: brylla reisen
Museum der Slowinzen

Der Słowiński-Nationalpark verdankt seinem Namen den Slowinzen, einer kleinen westslawischen ethnischen Minderheit, die im Raum Kluki und Smołdzino mitten im heutigen Nationalpark bis ins 20. Jahrhundert hinein lebte. Selbst nannten sie sich schlicht Kaschuben oder Lebakaschuben. Den Begriff Slowinzen verwendeten sie selbst nicht.

Die Slowinzen waren den östlich von ihnen siedelnden Kaschuben eng verwandt, auch sprachlich. Doch anders als die Kaschuben waren die Slowinzen evangelisch, weshalb sie fast ausnahmslos nach dem II. Weltkrieg vertrieben wurden, sofern sie nicht slowinzisch sprachen. Das Slowinzische aber hörte man damals schon kaum noch. Heute gilt die als besonders archaisch geltende slowinzische Sprache als ausgestorben, auch Slowinzen gibt es nur noch wenige Hundert.

Der Slowinski-Nationalpark

Slowinski Nationalpark. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Boot am See

Der Słowiński-Nationalpark wurde 1967 gegründet und ist mit 327 Quadratkilometern Fläche der drittgrößte Nationalpark Polens. Zu ihm gehört mit dem 7.600 Hektar großen Lebasee (Jezioro Łebsko) auch der größte pommersche See, der zugleich drittgrößter polnischer See ist. Seit 1977 ist der Nationalpark auch UNESCO-Biosphärenreservat.
Geschützt wird hier eine einmalige Küstenlandschaft mit Meer und Küste, Dünen, Strandseen, Mooren, Flüssen, die obendrein als Feuchtbiotope und Vogelreservate gelten. Die Strandseen nämlich sind eine ideale Kinderstube für 270 Vogelarten. Die Attraktion des Parks aber sind die zwischen den Seen und der Küste liegenden flächenmäßig größten Wanderdünen Mitteleuropas, die im Volksmund ‚Polnische Sahara‘ oder ‚größte Sandkiste Polens‘ genannt werden.

Über 40 Meter hoch sind die Wanderdünen auf der Nehrung bei Łeba und bewegen sich Jahr für Jahr zwischen zwei und zehn Metern nach Osten, wodurch Flora und Fauna in einem ständigen Veränderungsprozess begriffen sind. Weit über 1.000 verschiedene Pflanzen- und Flechtenarten finden sich im Nationalpark. Da die verschiedenen Vegetationszonen streng parallel zur Küstenlinie verlaufen, sind die Abstufungen und Übergänge hier auch für den Laien ganz besonders gut zu beobachten.

Slowinski Nationalpark. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Slowinski-Nationalpark

Für Touristen gibt es auf dem Nationalparkgelände zahlreiche Spazier- und Wanderwege von insgesamt 140 km Länge, wie etwa den rund 35 Kilometer langen Küstenwanderweg von Leba zum Ort Rowe (Rowy). Von kleinen Spaziergängen bis hin zu großen Wanderungen ist also alles möglich. Im Park selbst ist neben dem Wandern nur das Radfahren, die Pferdekutsche oder die Fahrt mit dem Elektrokarren erlaubt.

Mein Tipp: Für Autofahrer und Busse bietet der Park mehrere Zugänge, im äußersten Westen bei Rowy, im Osten bei Rąbka/Łeba, im Nordwesten über Smołdzino und bei Czołpino in der Nähe des Leuchtturms. An den Endpunkten all dieser Zufahrten befinden sich große Parkplätze, die auch für Ihre Busse geeignet sind.

Dyrekcja Słowińskiego Parku narodowego
ul. Bohaterów Warszawy
1
76-214 Smołdzino
slowinskipn.pl

Das Museum für Naturkunde

Die Nationalparkverwaltung betreibt in Schmolsin (Smołdzino) ein Naturkundemuseum, das auch gut mit dem Auto oder dem Bus zu erreichen ist. Es informiert sehr detailliert über den überwältigenden Reichtum der Flora und Fauna im Park, aber auch die Umweltsituation. Nach dem Besuch weiß man gleich besser Bescheid über das, was man so wachsen sieht. Ob es Strandhafer ist, Strandroggen, Knabenkraut oder Sonnentau – alles wird erklärt. Und man weiß auch gleich, welche Funktion die Pflanze in ihrer Vegetationszone hat. Auch die einzelnen Vogelarten werden Ihre Mitreisenden besser erkennen können.

Mein Empfehlung: Lassen Sie Ihre Reisenden nicht den Aufstieg auf den 115 Meter hohen Revkol (Rowokół) verpassen, der aus dem umliegenden flachen Land aufragt und einst ein heiliger Ort der Slowinzen war. Man hat nämlich einen großartigen Ausblick vom Aussichtsturm dort oben.

Muzeum Przyrodnicze
ul. Mostnika 1
76-214 Smołdzino
slowinskipn.pl

Das Museumsdorf Kluki

Slowinzen-Museum Kluki. Foto: brylla reisen
Slowinzen-Museum Kluki

Von Smołdzino ist es nicht weit nach Kluki zum Muzeumsdorf Muzeum Wsi Słowińskiej w Klukach, das im Volksmund nur Skansen Słowiński genannt wird. In diesem Freilichtmuseum erfahren Ihre Reisegäste alles über die Kultur der Slowinzen. Ein ganzes Slowinzen-Dorf wurde hier originalgetreu eingerichtet. Der Besucher findet auf einer Fläche von fünf Hektar anderswo abgebrochene und hier wieder aufgebaute Bauernhöfe, Fachwerkhäuser, Fischerkaten und  ihre Wirtschaftsgebäude. Mit allem Hausrat und Werkzeug sind die Häuser ausgestattet, die fast alle aus den slowinzischen Siedlungen Smołdzino und Kluki stammen. Ihre Reiseteilnehmer erkennen dort, wie die Slowinzen lebten, besonders bei dem im Sommer häufigen Veranstaltungen. Auch das schwere Torfstechen wird vorgeführt und Brot wird gebacken.

Mein Tipp: Lassen Sie Ihre Reisenden die harten Lebensbedingungen der Slowinzen kennenlernen und vereinbaren Sie eine Vorführung von  Pferden mit Holzschuhen. Ja, Holzschuhe! Die Pferde brauchten diese Holzschuhe um die Auftrittsfläche im Moor zu vergrößern und nicht zu versinken.

Muzeum Wsi Słowińskiej w Klukach
Kluki 27
76-214 Smołdzino
www.muzeumkluki.pl

Rowy – Fischerort und Künstlerkolonie

Der kleine Fischerort Rowe (Rowy) liegt am westlichen Rand des Lebasees. Von hier aus können Ihre Reisenden den westlichen Rand des Parks erkunden. Man wähnt sich hier auf der Kurischen Nehrung, so ähnlich ist hier die Landschaft mit den Sandgebirgen und den Fischerdörfern mit malerischen Fischerkaten. Malerisches, Pittoreskes und das ganz besondere Lichtspiel mit den rasch wechselnden dramatischen Himmelsgemälden über den Dünen wurde auch von Künstlern bald entdeckt. So wurde Rowe nach Nidden zur zweiten Künstlerkolonie, die für viele Maler eine ‚Sandakademie‘ war. Die bedeutendsten Künstler waren die Brücke-Maler Max Pechstein und Karl Schmidt-Rotluff, die beide auch in Nidden malten. Max Pechstein lebte sogar zwischen 1921 und 1945 in Leba, denn das war der Heimatort seiner Frau. Um sein Haus entstand damals die kleine Künstlerkolonie. Hier traf man George Grosz, Willy Jaeckel, Ivo Hauptmann und Karl Schmitt-Rotluff. Davon ist nichts geblieben. Doch das grandiose Lichtspiel gibt es immer noch. Dazu ist Rowe Ausgangspunkt wunderbarer Rad- und Wanderwege.

Die größte Sandkiste Polens

Slowinski Nationalpark. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Sandkiste Polens

Absolutes Highlight des Nationalparks aber ist die polnische Sahara, besonders die 42 Meter hohe Lonsker Düne (Ląska Góra), die sieben Kilometer von Leba entfernt liegt. Dorthin geht man von Leba aus zu Fuß, immer am Strand entlang. Vom Parkplatz Rąbka aus kommt man zu Fuß, mit dem Rad oder der Pferdekutsche direkt zum Fuß der Düne. Die Elektrokarren fahren nur bis zu V2-Abschussrampe, die von Leba aus auch von Schiffen angelaufen wird. Von hier aus wurden im II. Weltkrieg V1 und V2-Raketen Richtung England abgefeuert. Einige Reste der Rampenanlage sind noch vorhanden. Es gibt auch ein kleines Museum, in dem man neben alten Ansichten von Leba auch sowjetische Raketen findet.

Weiter geht es Richtung Düne, und urplötzlich endet der Wald, der Urlauber steht vor einer Wand aus Sand, die steil aufragt. Der Aufstieg im losen Land ist anstrengend, aber für das, was Ihre Reisenden oben sehen, lohnt jede Mühe: Ein außerirdisch schönes Panorama unter atemberaubenden Lichtwechseln des Himmels. Zur rechten Hand der türkis schimmernde Lebasee, linker Hand die tiefblaue Ostsee und dazwischen nichts als Sandformationen, bizarre Steilhänge und Abbrüche, sanfte Kuppen und verschwiegene Mulden, mal mit weichem, fliegenden Sand, mal mit festen Rippen und immer wieder wehende Sandschleier. Und wer mag: Bergab geht es mit ein paar Schritten Anlauf und dann auf den Hacken bergab surfend.

Mein Tipp: Bitten Sie Ihre Gäste bei aller Begeisterung für die Dünen doch bitte zu berücksichtigen, dass es sich hier um einen Nationalpark und somit einen Schutzraum der Natur handelt, auf dem man sich nur auf den ausgezeichneten Wegen bewegen sollte.

Für alle Heimatforscher, die sich für die Region rund um Leba interessieren empfehle ich den Besuch der Internetseite von Mariusz Baar www.reiseleiter-leba.eu. Wenn Sie eine Reise für Ihre Gruppe in dieser einzigartige Gegend planen, sind wir jederzeit für Sie da.

Fotonachweis: brylla reisen und Polnisches Fremdenverkehrsamt

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