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Riesengebirge: im Reich des Rübezahl

Kreuzkirche in Jelenia Góra (Hirschberg) Foto: Klaus KlöppelEine der meistgebuchten Reisen bei uns heißt Märchenhaftes Südpolen: Breslau, Krakau, Riesengebirge. Kein Wunder, sind doch die Städte Breslau und Krakau inzwischen zu Touristenmagneten geworden. Auch in meinem privaten Umfeld werden diese beiden Städte immer zuerst genannt, wenn das Gespräch auf die lohnenswertesten Reiseziele in Polen kommt. Beim Riesengebirge ist das anders.

 

Schönheit und Romantik des Riesengebirges werden Reisenden oft erst vor Ort bewusst. Und das, obwohl diese Region Polens so viele Sehenswürdigkeiten bietet wie kaum eine andere in Polen.

Was also liegt näher, als eine der schönsten Mittelgebirgsregionen Europas hier einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: In diesem Artikel stellen wir Ihnen daher ausgewählte Sehenswürdigkeiten im Riesengebirge vor. Zu den aus unserer Sicht interessantesten Sehenswürdigkeiten (zum Beispiel Museen) ergänzen wir auch Adressen und weitere Tipps.

Geographie und Geschichte

Gipfel der Schneekoppe bei Karpacz (Krummhübel). Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Gipfel der Schneekoppe

Das Riesengebirge (tschechisch: Krkonoše, polnisch: Karkonosze) liegt in der Grenzregion zwischen Polen und Tschechien. Bekannt ist vor allem die 1.602 Meter hohe Schneekoppe, die in Tschechien Sněžka und in Polen Śnieżka heißt. Der Schwarzwald ist rund 100 Meter niedriger gelegen, das Riesengebirge ist damit das höchste Gebiet der Mittelgebirgsschwelle – und war vor 1945 das höchste deutsche Mittelgebirge. Seit 1959 steht die Region in Polen unter Naturschutz, auch Tschechien richtete 1963 einen Nationalpark dort ein. Darüber hinaus sind große Teile auch Biosphärenreservat der UNESCO.

Heim des Rübezahl

In Märchen tritt das Riesengebirge vor allem in der Sage zum Rübezahl in Erscheinung. Doch wer ist dieser sagenhafte Rübezahl eigentlich? Der Name – in der Schreibweise Ribicinia – tauchte erstmal als Bezeichnung für einen Berggeist 1565 auf. Das war in einem Gedicht von einem Franz von Koeckritz. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde Rübezahl in der Literatur häufiger  und unter anderem von Johann Paul Praetorius in seinen Sammlungen „Daemonologia Rubinzalii Silesii“ behandelt. In dieser Zeit gab es auch weitere Schreibweisen des guten Geistes, etwa Rübezal, Ribezal oder Riebenzahl.

Auch auf das Aussehen des Rübezahl kann man sich nicht verlassen. Unter anderem erscheint er als Gestalt eines Mönchs in aschgrauer Kutte auf einem Berg stehend, ein heftig geschlagenes Saitenspiel in der Hand. Durch seine Schläge auf das Saitenspiel erbebt die Erde. Gegenüber guten Menschen ist er freundlich, lehrt sie Heilmittel und beschenkt sie; wer ihn aber verspottet, an dem rächt er sich schwer. Wenn man also gut zum Rübezahl ist, kann eigentlich nichts passieren.

Sehenswürdigkeiten

Folgende Orte und Sehenswürdigkeiten des Riesengebirges sollten Sie unserer Meinung nach nicht verpassen:

1) Hirschberg (polnisch Jelenia Gora) ist mit fast 100.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Niederschlesiens und liegt am Rande des Riesengebirges. Als Zentrum der Tuchmacher brachte sie es im 16. Jahrhundert zu großem Reichtum. In den vergangenen Jahren wurde das historische Zentrum aufwendig saniert. Herzstück ist der große rechteckige Marktplatz, Plac Ratuszowy. Er ist umgeben von farbenprächtigen Laubenhäusern mit reich geschmückten Barockgiebeln, die nach dem großen Stadtbrand von 1634 entstanden. Im Zentrum des Marktes steht das 1747-1749 errichtete Rathaus im Stil des Barocks und Klassizismus. Der barocke Neptunbrunnen neben dem Rathaus entstand 1727.

An der Nordostseite des Marktes erhebt sich der achteckige Turm der Pfarrkirche St. Erasmus und Pankratius (Kościól Św. Erazma i Pankracego). Sie wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert errichtet und gilt als ältestes Gebäude der Stadt. Sehenswert ist insbesondere ihr barocker Hochaltar mit 14 geschnitzten Figuren des aus Norwegen stammenden Bildhauers Thomas Weisfeldt.

Eine Fußgängerzone führt vom Markt zur Garnisonskirche „Zum Heiligen Kreuz“ (Kościół  Podwyższenia Św. Krzyża), dem bekanntesten Gotteshaus in Hirschberg. Sie wurde in den Jahren 1709-1718 als eine von sechs Gnadenkirchen in Schlesien erbaut und bietet mehr als 4.000 Besuchern Platz. Ein besonderes Augenmerk verdienen die von Felix Anton Scheffler gemalten Fresken im Kirchenschiff. Die Orgel des Berliner Meisters Johann Michael Röder zählt zu den größten in Schlesien und ist für ihren hervorragenden Klang bekannt.

In der Straße Ul. Matejki öffnete 1914 das Riesengebirgsmuseum (Muzeum Karkonoskie) seine Pforten. Es verfügt über eine der größten europäischen Glassammlungen mit 8.000 Exponaten, vor allem aus der Region. Außerdem werden Gebrauchsgegenstände aus dem 19. Jahrhundert sowie Werke einheimischer Künstler ausgestellt.

Anschrift: Muzeum Karkonoskie, ul. Jana Matejki 28, 58-500 Jelenia Góra, Telefon: +48 75 75 234 65, 75 64 550 73, www.muzeumkarkonoskie.pl / Öffnungszeiten: Di.-Fr. 9.00-16.00, Sa.-So. bis 17.00 Uhr

2) Bad Warmbrunn (polnisch Cieplice) ist seit 1975 ein Stadtteil von Hirschberg und gilt als ältester Kurort in Polen. Das spätbarocke Schloss der Grafen von Schaffgotsch am Platz pl. Piastowski entstand 1784-1788. Es dient heute als Außenstelle der Technischen Hochschule in Wrocław (Breslau). Das Schloss grenzt an den Kurpark im englischen Stil mit Kurhaus, Kurtheater und Trinkhalle. Daran schließt sich der 1906 angelegte Norwegische Park an.

Für Naturliebhaber ist das naturkundliche Museum mit Vogel-, Käfer- und Schmetterlingssammlungen aus dem Besitz des Grafen von Schaffgotsch zu empfehlen.

Anschrift: Muzeum Przyrodnicze, ul. Cieplicka 11A, 58-560 Jelenia Góra, Telefon: +48 75 75 515 06, www.muzeum-cieplice.pl, Öffnungszeiten: Di.-So. 9.00-16.00 Uhr, im Zeitraum vom 01.05-30.09. Di.-Fr. 9.00-18.00 Uhr, Sa.-So. 9.00-17.00 Uhr

Das erste Kurhaus in der Straße ul. Kościelna wurde von Zisterziensern 1546 erbaut und in der Zeit zwischen 1691 und 1693 barock umgestaltet. Heute befinden sich dort Teile der Kurverwaltung. Das benachbarte Kloster entstand 1711. Das zweigeschossige Gebäude ist von einem Kreuzgang umgeben.

Carl- und Gerhart-Hauptmann-Haus in Szklarska Poręba (Schreiberhau) Foto: Zygmunt Trylański
Carl- und Gerhart-Hauptmann-Haus (c) Z. Trylański

3) Agnetendorf (polnisch Jagniątków), ein ehemaliges Bergdorf, ist heute ein Teil von Hirschberg (polnisch Jelenia Góra). Im Ort ließ der Schriftsteller und Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann für sich und seine zweite Frau Margareta das Haus Wiesenstein bauen. Die Jugendstilvilla entstand bis 1901 nach Plänen des Berliner Architekten Hans Griesebach, die so genannte Paradieshalle wurde durch den schlesischen Maler Johannes Maximilian Avenarius mit Szenen aus Hauptmanns Dramen ausgemalt.

Mit einem Schutzbrief der Roten Armee und der neuen polnischen Verwaltung ausgestattet, konnte der greise Dichter nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in seinem Haus bleiben und starb dort am 6. Juni 1946. Am 1. August 2001, genau 100 Jahre nach dem Erstbezug, wurde in der Villa das neue Gerhart-Hauptmann-Museum eröffnet, das unter anderem Gegenstände aus seinem persönlichen Besitz zeigt.

Anschrift: „Dom Gerharta Hauptmanna“, ul. Michałowicka 32, 58-570 Jelenia Góra, Telefon: +48 75- 755 32 86, www.muzeum-dgh.pl, Öffnungszeiten: Di.-So. von 9.00-17.00 Uhr, im Zeitraum vom 1.10.-30.04. von 9.00-16.00 Uhr. Deutschsprachige Führung im Museum möglich.

4) Kynast (poln. Chojnik) ist die bekannteste Ruine Niederschlesiens. Sie thront auf einem Granitfelsen hoch über Hermsdorf (polnisch Sobieszów). Das Dorf wurde nach Hirschberg eingemeindet. Die Burg wurde 1353-1364 für den Schweidnitzer Fürsten Bolko II. erbaut und später als Festung ausgebaut. Sie galt als uneinnehmbar und wurde während des 30-jährigen Krieges vergeblich von schwedischen Truppen belagert. 1675 brannte die Burg allerdings nach einem Blitzeinschlag aus und wurde nie wieder aufgebaut.

5) Landeshut (polnisch Kamienna Góra) ist eine Kreisstadt mit 32.000 Einwohnern östlich des Riesengebirges. Den viereckigen Platz pl. Wolności, den ehemaligen Marktplatz, säumen Laubenhäuser im Stil der Renaissance und des Barocks. Das dortige Regionalmuseum widmet sich besonders der Geschichte der einheimischen Leineweberei.

Anschrift: Muzeum Tkactwa w Kamiennej Górze, pl. Wolności 11, 58-400 Kamienna Góra, Telefon: +48 75 744 22 75
www.muzeumtkactwa.pl, Öffnungszeiten: Mo.-Fr. von 08.30-15.30 Uhr, Sa-So. von 09.40-15.00 Uhr.

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul (Kościół Św. Piotra i Pawła) entstand ab 1249 und wurde Ende des 16. Jahrhunderts im Renaissancestil umgebaut. Die 1709-1717 gebaute Dreifaltigkeitskirche (Kościół Matki Boskiej Różańcowej) entstand als eine der sechs schlesischen Gnadenkirchen auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes.

Felsformation im Riesengebirge bei Karpacz (Krummhübel)
Felsformation im Riesengebirge

6) Krummhübel (polnisch Karpacz) liegt am Fuße der 1603 Meter hohen Schneekoppe (polnisch Śnieżka), dem Wahrzeichen des Riesengebirges. Krummhübel ist der größte Ferienort der Region mit mehr als 10.000 Betten für Touristen. Das größte Skigebiet liegt an der 1375 Meter hohen Kleinen Koppe (polnisch Mała Kopa). Dort gibt es mehrere Abfahrten mit einer Gesamtlänge von gut 7 Kilometern. Die Kleine Koppe ist bequem per Sessellift zu erreichen. Von dort ist es noch etwa eine halbe Stunde Fußweg bis auf die Schneekoppe. Auf deren Spitze entstand 1681 die kleine Laurentius-Kapelle, neben der sich heute eine moderne Wetterwarte befindet.

Größte touristische Attraktion ist die Kirche Wang im oberen Ortsteil von Krummhübel, dem früheren Brückenberg. Die Geschichte der Kirche Wang können Sie in meinem Blogartikel nachlesen. Eine weitere Attraktion von Krummhübel ist das Spielzeugmuseum. Es verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Puppen, Marionetten und Plüschtieren, die vom Gründer des Pantomimentheaters in Wrocław (Breslau), Henryk Tomaszewski, gestiftet wurde.

Anschrift: Miejskie Muzeum Zabawek, ul. Kolejowa 3, 58-540 Karpacz, Telefon: +48 75 76 18 523, www.muzeumzabawek.pl, Öffnungszeiten Di.-Fr. von 10.00-16.00 Uhr, Sa. und So. 10.00-17.30 Uhr.

7) Schmiedeberg (polnisch Kowary) ist eine alte Bergbau- und Textilstadt am östlichen Rand des Riesengebirges mit rund 12.000 Einwohnern. Am Bau des klassizistischen Rathauses war der bekannte Architekt Carl Gotthard Langhans beteiligt. Hauptattraktion ist das ehemalige Bergwerk am oberen Ortsrand. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten hier die Sowjets einige Jahre lang Uran ab. Im Jahr 2000 wurde ein Schaubergwerk eröffnet, ein Jahr später ein modernes Radon-Inhalatorium. Das Edelgas Radon soll die Aktivierung der Zellen und eine Regeneration des gesamten Organismus bewirken.

8) Zillertaler Erdmannsdorf (polnisch Mysłakowice) ist eine kleine Gemeinde zwischen Schmiedeberg und Hirschberg. König Friedrich Wilhelm III. ließt sich dort von dem bekannten Berliner Baumeister Karl Friedrich Schinkel, der auch in unserem Firmensitz in Kolobrzeg (Kolberg) ein Rathaus gestaltete, ein neogotisches Schloss errichten. Von Schinkel stammt auch der Entwurf für die von 1837-1840 gebaute evangelische Kirche. Mehr als 400 protestantische Tiroler Bauern, die als Glaubensflüchtlinge in ihrer Heimat verfolgt wurden, siedelten sich 1837 in dem Ort an. Sie brachten ihre Kultur mit und bauten die Wohnhäuser in dem ihnen eigenen Stil. Viele Tirolerhäuser blieben bis heute erhalten. Im Tiroler Haus (polnisch Dom Tyrolski), einem sanierten Gebäude an der ul. Staromiejski 14, entstand ein traditionelles Restaurant mit österreichischer Küche. Dort gibt es auch eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Zillertaler Glaubensflüchtlinge.

9) Schreiberhau (polnisch Szklarska Poręba) ist mit mehr als 8.000 Gästebetten das andere der beiden großen Ferienzentren im Riesengebirge. Am 1.362 Meter hohen Berg Reifträger (polnisch Szrenica) entstand das größte Skizentrum der Sudeten. Im Ortsteil Jakobstal (polnisch Jakuszycze) an der polnisch-tschechischen Grenze findet jedes Jahr Anfang März eine der größten polnischen Skilanglauf-Veranstaltungen, der Piastenlauf, statt. Im Sommer stehen sportlich Aktiven insgesamt rund 300 Kilometer Radwege zur Verfügung.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Schreiberhau bekannt als das „schlesische Worpswede“. Die Geschichte der Künstlerkolonie begann mit den Gebrüdern Gerhart und Carl Hauptmann, die hier 1890 ein Bauernhaus erwarben. Carl Hauptmann, Autor des Rübezahlbuchs, lebte dort bis zu seinem Tod im Jahre 1921. Zahlreiche andere Künstler folgten oder kamen zu Besuch. Die Zeit der Künstlerkolonie fand mit dem Nationalsozialismus ein Ende. Im Haus der Gebrüder Hauptmann entstand 1994 ein Museum, das den beiden Schriftstellern gewidmet ist, aber auch Glaserzeugnisse aus dem Ort sowie zeitgenössische Kunst ausstellt.

Anschrift: Dom Carla i Gerharta Hauptmannów – Muzeum Karkonoskie, ul. 11 Listopada 23, 58-580 Szklarska Poręba, Telefon: +48 75 717 26 11, www.domhauptmannow.pl, Öffnungszeiten: täglich außer Mo. 9.00-15.30 Uhr, im Zeitraum 01.05.-30.09 täglich außer Mo. 9.00-16.30 Uhr.

10) Bad Flinsberg (polnisch: Świeradów Zdrój) ist der touristische Hauptort des Isergebirges (Góry Izerskie), das sich nach Westen an das Riesengebirge anschließt. Schon 1795 wurde dort das erste Kurhaus gebaut. Viele Pensionen entstanden im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als der Kurbetrieb seine erste Blütezeit erlebte. 1899 entstand das Kurhaus mit einer 80 Meter langen Kurwandelhalle aus Lärchenholz. Hier finden auch heute noch Kurkonzerte statt. Der Kurpark mit seinen hübschen Rhododendronsträuchern liegt gleich daneben.

Weitere Informationen

Weitere Informationen über die interessanten Reiseziele im Süden von Polen finden Sie in diesen Blogartikeln:

Benötigen Sie Unterstützung bei der Reiseorganisation oder planen Sie eine Gruppenreise, kontaktieren Sie uns einfach. Wir bieten Ihnen natürlich auch einige erprobte Reiseprogramme für Gruppen im Riesengebirge an.

Bilder: Kreuzkirche in Jelenia Góra (Hirschberg), Foto: Klaus Klöppel / Carl- und Gerhart-Hauptmann-Haus in Szklarska Poręba (Schreiberhau), Foto: Zygmunt Trylański, Felsformation im Riesengebirge bei Karpacz (Krummhübel), Gipfel der Schneekoppe bei Karpacz (Krummhübel). Wir bedanken uns für die inhaltliche Unterstützung beim Polnischen Fremdenverkehrsamt.

 

 

 

 

 

 

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