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Industrietourismus: Eine Zeitreise durch Schlesien

Zeche Guido in Schlesien. Quelle: Archiwum Szlaku Zabytków TechnikiTourismus und Industrie: Passt das zusammen? Kann man in einem ehemaligen Industriegebiet Urlaub machen oder es als Ziel für Tagesausflüge wählen? Ja! 

Das Projekt „Ruhr.2010“ lockte 10,5 Millionen Gäste in das Ruhrgebiet – Die einstige Bergbauregion im Westen Deutschlands. Insgesamt 2,2 Mio. besuchten allein die Zeche Zollverein, die UNESCO-Weltkulturerbe ist. Kann dieses Erfolgsbeispiel auch Schlesien als Vorbild dienen? Schlesien mit seinen Gruben, Werken und der Schwerindustrie als wichtigen Wirtschaftszweigen?

Entscheiden Sie selbst: Wir stellen Ihnen in diesem Beitrag die „Route der Technikdenkmäler“ in Schlesien vor. Nach unserer Einschätzung ein echter touristischer Geheimtipp in Polen.

Etabliert seit 2006 – und dennoch Geheimtipp

Logo Industrieroute. Quelle: Archiwum Szlaku Zabytków Techniki
Logo der Route. Archiwum Szlaku Zabytków Techniki

Die themenorientierte Route entstand 2006. Sie verbindet über Autostraßen Objekte, die mit dem industriellen Erbe der Woiwodschaft Schlesien verknüpft sind.  Gegenwärtig hat die Route 36 Ankerpunkte: Jede Station bietet Industriegeschichte aus dem Bergbau- und Hüttenwesen, der Energiewirtschaft, dem Eisenbahnverkehr, dem Fernmeldewesen, der Wasseraufbereitung oder der Lebensmittelindustrie. Es gibt Museen, Freilichtmuseen, öffentliche Einrichtungen, bewohnte Arbeiterwohnsiedlungen und noch in Betrieb befindliche Fabriken zu erleben. Geschichte zum Anfassen mit unmittelbarem Kontakt zu den dort teilweise immer noch verwendeten Maschinen und Anlagen.

Sehenswert sind ausnahmslos alle Routenpunkte. Fünf dieser Stationen möchten wir Ihnen jedoch detaillierter präsentieren. Damit treffen wir eine subjektive Auswahl der aus unserer Sicht für die meisten Besucher faszinierenden und gut erreichbaren Ziele. Die Sehenswürdigkeiten lassen sich problemlos in die Reiseprogramme der Rundreisen durch den Süden Polens einbauen.

1) Stollen der Schwarzen Forelle in der Stadt Tarnowskie Góry

Im Repecki-Park befindet sich ein 600 Meter langer Stollen, der der Entwässerung des unterirdischen Teils von Tarnowskie Góry dient. Er erstreckt sich zwischen den Schächten „Ewa“ und „Sylwester“. Den Stollen der Schwarzen Forelle besichtigt man nach der Einfahrt auf Booten. Der Bootsführer fährt die Besucher vom Stollen zu Stollen und berichtet im Schein der Karbidlampen von der Arbeit der Bergleute. Der Stollen verdankt seinen Namen den hier einst lebenden Forellen, die im unterirdischen Dunkel schwarz aussahen. Die Breite des Stollengangs schwankt zwischen 0,7 und 1 Meter. Das Objekt steht auf der prestigeträchtigen Liste der Geschichtsdenkmäler.

Öffnungszeiten:
Von November bis März an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 11.00 – 15.00 Uhr; im April, Mai, September und Oktober an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 10.00 – 16.00 Uhr; von Juni bis August täglich von 10.00 – 17.00 Uhr. Um rechtzeitige Anmeldung von Gruppen wird gebeten.

 

Preise:
Gruppenpreise: Bei Gruppen ab 21 Personen 22,00 PLN/Person (ca. 5,50 EUR)

 

Weiterführende Informationen: www.kopalniasrebra.pl

2) Tyskie Browarium (Brauerei in Tychy)

Brauerei (Archiwum Szlaku Zabytków Techniki)
Brauerei (Archiwum Szlaku Zabytków Techniki)

Das 2004 eröffnete „Tyskie Browarium“ ist ein großangelegtes Ausflugszentrum. Es bietet unter anderem ein 3D-Kino, die landesweit größte der Brauereikunst gewidmete Ausstellung, multimediale Attraktionen und eine Bierstube. Neben dem Museum können die heutige Brauerei mit den historischen Objekten der Fürstenbrauerei in Tychy, das Sudhaus von 1915, das Direktionsgebäude von 1905, die Böttcherei, die Teerbrennerei vom Ende des 19. Jahrhunderts und die heutige Bierabfüllanlage besichtigt werden. Die Brauerei ist nicht nur architektonisch sehenswert, sondern auch als gut funktionierender Produktionsbetrieb ein echtes Highlight. Insbesondere der Brauereipark und die Bierabfüllanlage mit ihren Hunderten über Transportbänder rasenden Bierflaschen beeindrucken die Besucher immer wieder.

Öffnungszeiten:
Täglich von 10.00 – 20.00 Uhr, die Führung gibt es auch auf Deutsch, sie dauert ca. 2,5 Std.

 

Preise:

12 PLN/Person (ca. 3 EUR)

 

Weiterführende Informationen: www.tyskiebrowarium.pl

3) Rundfunksender Gliwice

Sendeturm Gliwice (Archiwum Szlaku Zabytków Techniki)
Sendeturm (Archiwum Szlaku Zabytków Techniki)

Der Antennenturm des Rundfunksenders ist Teil der Mitte der Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts erbauten Rundfunkanlage. Der Rundfunksender Gliwice wird am häufigsten mit dem in der Geschichtsschreibung über den 2. Weltkrieg als „Gleiwitzer Provokation“ (Überfall auf den Sender Gleiwitz) genannten Vorfall in Verbindung gebracht. Der Sender ist aber auch rundfunktechnisch ein sehr interessantes historisches Objekt. Im Sender sind zahlreiche originale Geräte erhalten. Am wertvollsten ist der Sendeturm, der gegenwärtig zu weltweit höchsten Holzbauten zählt. Den aus großer Entfernung sichtbaren Turm beleuchten nachts acht mächtige Scheinwerfer.

Öffnungszeiten:
9.00 – 16.00 Uhr von Dienstag bis Samstag. Nur im Juli und August zusätzlich 10.00 – 16.00 Uhr am Sonntag.

 

Preise:

Die Besichtigung ist kostenlos.

 

Weiterführende Informationen: www.muzeum.gliwice.pl/gliwicka-radiostacja/

4) Steinkohlegrube „Guido” in Zabrze

Zeche Guido in Schlesien. Quelle: Archiwum Szlaku Zabytków Techniki
Grube Guido (Archiwum Szlaku Zabytków Techniki)

Die 1855 entstandene Steinkohlegrube „Guido” ist ein europäisches Unikat. Nach ihrer Schließung fungierte sie als Entwässerungsknoten und als Versuchsgrube. Mit dem Aufzug kann man auf eine 170 m und eine 320 m tiefe Ebene fahren. Auf der letzteren liegt die europaweit tiefstgelegene touristische Route in einem Kohlebergwerk – inklusive einer eigenen Poststelle. Besonders spannend ist es, die dort angebotenen Kunstangebote zu genießen, unter anderem die Konzertreihe „Musik unter Tage“ („Muzyka na poziomie”) und Theateraufführungen im Rahmen des Projekts „Theater unter Tage“ („Teatr na poziomie”).

Öffnungszeiten:
Dienstag 9:00 – 14:00 Uhr, Mittwoch-Freitag 9:00 – 14.30 Uhr, Samstag-Sonntag: 12:00 – 16:00 Uhr
Gruppen müssen telefonisch angemeldet werden.

 

Preise:
– für die Ebene 170 m: 21 PLN/Person (ca. 5,25 EUR)
– für die Ebene 320 m: 26 PLN/Person (ca. 6,50 EUR)

 

Weiterführende Informationen: www.kopalniaguido.pl/

5) Brauereimuseum „Żywiec”

Die 1856 entstandene Erzherzogliche Brauerei und ihre aus dem 19. Jahrhundert stammende historische Bebauung sind eines der Wahrzeichen von Żywiec. Das zugehörige Brauereimuseum ist eines der modernsten in Polen. Die Besichtigung führt durch 18 Räume, wo man die Bierherstellung und die 155jährige Geschichte der Brauerei kennenlernen kann. In der rekonstruierten galizischen Gasse, im Kolonialgeschäft und in der galizischen Schenke fühlt man sich wie in einer Stadt aus dem 19. Jahrhundert.  Am Museum gibt es einen beliebten Souvenirladen.

Die Etiketten-Ausstellung wird nicht nur Bierliebhaber interessieren. Die alten Warenschilder enthalten Handelsinformationen zur Geschichte der Brauerei, zu Vorlieben der Biergenießer und über das einstige Gefühl für Ästhetik und Design. Das für das Bier aus Żywiec typische Etikett mit dem tanzenden Paar in Krakauer Trachten ist übrigens ein Marketing-Trick. In den 50er Jahren wurde das Bier in die Vereinigten Staaten exportiert. Der amerikanische Vertreiber war der Meinung, dass Polen in den USA hauptsächlich mit Krakau in Verbindung gebracht wird, daher ist auf dem Etikett das tanzende Paar in Krakauer Volkstrachten zu sehen. Einige Jahre später wurde das Etikett mit drei Tannen bereichert – sie sind das Wahrzeichen des bewaldeten Gebirges – der Żywiec-Beskiden.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10.00 – 18.00 Uhr

 

Preise:
Gruppenpreise ab 15 Personen: 22 PLN/Person (ca. 5,50 EUR)

 

Weiterführende Informationen: www.muzeumbrowaru.pl

 

Möchten Sie mit Ihrem Verein, Ihrer Schule oder mit Ihrem Unternehmen eine Rundreise durch Schlesien organisieren und Objekte der Route der Technikdenkmäler besichtigen? Kontaktieren Sie uns. Wir beraten Sie gerne.

Unsere weiteren Angebote in Schlesien:

Überraschendes Schlesien: Lebendige Städte, herrliche Natur,  Märchenhaftes Südpolen: Breslau, Krakau, RiesengebirgeDie Sonne Schlesiens: Breslau

 

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