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Breslau – Die Kulturhauptstadt 2016 (Teil 1)

Breslau Jahrhunderthalle
Jahrhunderthalle (Foto: Wikimedia, Jar.ciurius)

Das kommende Jahr wird zu einem ganz besonderen Jahr in der Kulturgeschichte von Breslau (Wrocław), denn dann wird die niederschlesische Metropole „Europäische Kulturhauptstadt 2016“ sein. Für Busreisen ist Breslau ohnehin ein ideales Ziel: Nicht zu weit entfernt und über die Autobahn bequem zu erreichen. Da wird so mancher Busreisanbieter schon über Busreiseangebote zum Kulturhauptstadtangebot nachgedacht haben.

Nur ist das Programm so umfangreich, dass die Auswahl schwer fällt. Ich empfehlen daher ein zielgruppengenaues Reiseprogramm für einen gemeinsamen Interessenschwerpunkt der Reisenden. Das Programm gibt dafür viel her, ist es doch in die acht Schwerpunkte Film, Architektur, Musik, Literatur, visuelle Künste, Theater, Performance und Oper unterteilt. Ich stelle Ihnen in meinem Zweiteiler zum Kulturhauptstadtjahr in der ersten Folge Reiseideen für Architekturinteressierte und Filminteressierte vor. Der zweite Teil des Beitrags „Breslau – Die Kulturhauptstadt 2016“ wird sich dann mit Reiseideen für Musik- und Literaturinteressierte befassen.

Breslau für Architekturinteressierte

Besonders wer sich für die Architektur der klassischen Moderne interessiert, wird Breslau besonders im Kulturhauptstadtjahr als ein wahres Architektur-Mekka erleben. Er kann, und die Bauten von solch großen und in Deutschland sehr bekannten Architekten wie Hans Scharoun, Erich Mendelsohn, Hans Poelzig und Max Berg sehen.

Zentrum des Interesses wird die von Erich Berg entworfene Jahrhunderthalle sein, dieser kühne Entwurf und Stahlbetonbau, der Breslau den Sprung in die architektonische Moderne brachte.

Die Halle, die seit 2006 zum UNESCO-Welterbe gehört, sollte bewusst den Aufbruch in eine neue Zeit darstellen – eine Zeit,, in der solche Bauten als „Kathedralen der Demokratie“ gefeiert werden sollten, wie Berg selbst es sagte. Visionär sah er Beton als den Baustoff für die Massengesellschaft voraus. Die Halle ist idealer Ausgangspunkt für einen Architekturausflug nach Breslau. Dort gibt es Parkplätze – und das Gros der innerstädtischen Architekturdenkmäler können Ihre Reisenden bei einem Rundgang zu Fuß erkunden.

Vom Scheitniger Park (Park Szczytnicki) geht es in wenigen Minuten zur WuWa genannten Werkbundsiedlung. Deren Bauten sind frisch renoviert und teils auf den Originalzustand zurückgebaut. Die zumeist privaten Eigentümer erhielten dafür bis zu 70-prozentige Zuschüsse der Stadt.

Unter Bergs Nachfolger im Amt des Breslauer Stadtbaurats, Fritz Behrendt, planten Hans Scharoun und andere Architekten diese Siedlung im Bauhausstil für die weniger begüterten Breslauer.

Absolutes Highlight der 1929 in nur wenigen Monaten entstandenen Siedlung ist das von Hans Scharoun entworfene Ledigenheim mit den charakteristischen Lichtbändern und den lichtdurchfluteten Gemeinschaftssälen. Im schneeweißen Ledigenheim ist heute das Park-Hotel untergebracht. Das Hotel gehört zum Komplex des Zentrums für Schulungen der staatlichen Arbeitsinspektion. Wenn keine Schulungen anstehen, ist das Haus ein normales Hotel mit 48 Zimmern, die angemietet werden können. Für eine nicht zu große Gruppe mit Architekturinteresse ist der Scharoun-Bau sicher eine interessante Alternative.

Eine neue Werkbundsiedlung „Nowe Żerniki“ will die Stadt Breslau nach den heutigen Vorstellungen von Wohn- und Arbeitsräumen erbauen lassen, um auch heute in Zeiten des demographischen Wandels wieder wie zu Zeiten von Berg, Scharoun und Mendelsohn ein Zentrum der architektonischen Avantgarde zu sein. Das Kulturhauptstadtjahr dient zur Auswahl und breiten Diskussion der Masterpläne von bisher 44 Architekturbüros.

Zum ersten Mal werden im Breslauer Architekturmuseum an der ul. Bernardynska in der von März bis Juni 2016 geöffneten Ausstellung „Die Werkbundsiedlung. Der Weg in die Moderne“ (Osiedla Werkbundu. Droga ku nowoczesności) alle sechs europäischen Werkbundsiedlungen als Zeugen der städtischen Architektur-Revolution auf europäischer Ebene präsentiert. Dazu gehören also auch die WuWa-Siedlungen in Brünn, Prag, Stuttgart, Wien und Zürich. Revolutionäre Ideen, einzigartige Strukturen, neuartige Innenräume und funktionale Küchen, neue Farb- und Designideen werden erkennbar.

Auch sonst ist das Breslauer Architekturmuseum mit seinen Dauerausstellungen zur Architekturgeschichte der Stadt für Architekturinteressierte immer einen Besuch wert, besonders aber die Ausstellung zum Breslauer Modernismus. Während des Kulturhauptstadtjahrs werden dort noch fünf weitere Sonderausstellungen gezeigt.

Breslau Warenhaus Wertheim
Breslau Warenhaus Wertheim. Foto: Wikimedia, Kornisz13)

Auf Spaziergängen zwischen Dom und Oper können Ihre Reisenden weitere Bauten weltbekannter Architekten entdecken. Das nach Plänen von Erich Mendelsohn 1928 erbaute Kaufhaus Petersdorff an der ul. Szweska mit seiner Travertinfassaden und der geschwungenen Fensterfront ist noch heute ein Geschäfts- und Bürohaus. Das von Hans Poelzig bereits 1911 errichtete Geschäftshaus an der ul. Ofiar Oświęcimskich mit den großen Fensterflächen oder das im Krieg zerstörte, wieder aufgebaute und nun frisch restaurierte im Jahr 1930 nach Plänen von Hermann Dernburg erbaute einstige Kaufhaus Wertheim an der ul. Świdnicka sind weitere sehenswerte Bauten.

Breslau für Filminteressierte

Film wird von uns im Zusammenhang mit Polen fast immer mit Lodz verbunden. Doch auch Breslau hat zum Thema Film Einiges zu bieten, ganz besonders im Kulturhauptstadtjahr. Auch hat Breslau längst seine ganz besonderen Filmfestivals. Dazu sind viele der großen polnischen Filme, die man gern mit Lodz in Verbindung gebracht hat, im 1954 gegründeten Wroclaw Feature Film Studio gedreht worden. Unter diesen Filmen sind Andrzej Wajdas „Asche und Diamant“, Roman Polanskis „Das Messer im Wasser“, Krzysztof Kieslowskis „Die Narbe“oder „Die allein stehende Frau“ von Agnieszka Holland.

Zwei große Projekte sind im Bereich Film während des Kulturhauptstadtjahrs vorgesehen. Das größte polnische Filmfestival „T-Mobile Nowe Horyzonty“, das 2016 vom 23. Juli bis zum 22. August stattfindet, ist besonders anziehend für Zuschauer, die den besonderen und künstlerischen Film schätzen. Geplant sind 2016 einige spannende Projekte, wie die Einladung an berühmte europäische Filmregisseure, in Wroclaw Opern als interdisziplinäre Shows zu inszenieren. Rund 300 Filme werden 2016 teils auf dem Pleinair-Schauplatz auf Breslaus Rynek oder im Kino Nowy Horyzonty in neun Sälen gezeigt. Rund um das Festival können zahlreiche Konzerte alternativer Musiker besucht werden. Treffpunkt der Filmliebhaber ist der Strand mit den Liegestühlen auf dem pl. Solny.

Breslau Kino Nowe Horyzonty © Polnisches Fremdenverkehrsamt
Breslau Kino Nowe Horyzonty © Polnisches Fremdenverkehrsamt

Europas größtes Filmkunstkino, das Kino Nowe Horyzonty an der ul. Kazimierza Wielkiego ist für Filminteressierte immer ein lohnendes Ziel und das dortige Bistro ein Treffpunkt für Liebhaber außergewöhnlicher Filme. Im Nowe Horyzonty werden auch immer wieder neue polnische Filme mit englischen Untertiteln gezeigt. Und geben Sie Ihren Reisenden diesen Tipp: Wer Filmschaffende, Cineasten und auch einmal einen Schauspieler treffen will, schaut einmal bei der abendlichen Live-Musik am „Arsenal“ an der Ecke ul. Antoniego Cieszyńskiego und ul. Kazimierza Wielkiego an der Oder vorbei.

Zweites Projekt und filmisches Highlight des Kulturhauptstadtjahres ist die Verleihung des Europäischen Filmpreises am 10. Dezember 2016. Neben der Gala der Preisverleihung wird es zahlreiche offene Konzerte, Vorführungen der nominierten Filme und die Anwesenheit der Preisträger vergangener Festivals geben.

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Und nun: Lesen Sie auch Teil 2 meines Artikels zum Kulturhauptstadt-Jahr in Breslau.

Fotonachweise: Wikimedia Commons (Kornisz13, Jar.ciurius), Polnisches Fremdenverkehrsamt

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