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Zu sehen ist ein Seeblick bei Nacht an der Frischen Nehrung, Bild: Alan-Szmyt
Frischen Nehrung, Seeblick bei Nacht, Bild: Alan-Szmyt

Kaschubische Kultur, Ostsee, Wälder – die Wojewodschaft Pommern

In diesem Beitrag stelle ich die Wojewodschaft Pommern (województwo pomorskie) vor. Geprägt wird die Wojewodschaft von kaschubischer Kultur, Ostsee und Wäldern.

Die Wojewodschaft Pommern liegt im nördlichen Polen. Sie grenzt im Osten an Ermland und Masuren, im Süden an Kujawien-Pommern und im Westen an die Wojewodschaft Westpommern. Im Norden markiert die Ostsee die Wojewodschaftsgrenze.

Unbestrittenes Zentrum und eine der Metropolregionen Polens ist die Dreistadt aus Danzig (Gdańsk), Zoppot (Sopot) und Gdingen (Gdynia). Dort wohnen fast 800.000 der 2,2 Millionen Einwohner der Wojewodschaft.

Abgesehen von seinem Zentrum besteht Pommern aus vielen natürlichen Landschaften. Ein Drittel von Pommern machen Wälder aus. Im Norden ist die Wojewodschaft von der Ostseeküste geprägt – beginnend an den gewaltigen Dünen bei Leba (Łeba) und endend an der russischen Grenze auf der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana).

Außerdem liegen in der Wojewodschaft die alten Siedlungsgebiete der Volksstämme der Slowinzen und Kaschuben. Von den Slowinzen sind nur noch Spuren der Kultur und Geschichte zu finden. Aber es gibt bis heute rund eine halbe Million Menschen, die die kaschubische Sprache pflegen. Ihr Hauptsiedlungsgebiet ist die malerische Kaschubische Schweiz mit weiten Wäldern und vielen zwischen den Hügeln eingebetteten Seen.

Heute möchte ich Ihnen fünf weniger bekannte Ziele in der Region vorstellen. Alle liegen außerhalb der Dreistadt.

Burg Marienwerder – der spektakulärste Abort des Mittelalters

In der Weichselregion gibt es für Reisende, die die Marienburg bereits kennen, eine ganze Reihe weiterer kleinerer Ordensburgen. Sie waren auch in das System der Sicherung der Region nach der Landnahme des Deutschen Ordens eingebunden. Sie sollten möglichst nicht mehr als einen Tagesritt voneinander entfernt liegen.

Zu sehen ist der Burgdansker an der Burg Marienwerder, Bild: Piotr_J
Burg Marienwerder, Burgdansker, Bild: Piotr_J

Rund fünf Kilometer östlich der Weichsel im einstigen Westpreußen liegt heute die Kreisstadt Marienwerder (Kwidzyn). Ca. fünf Kilometer von hier erbaute der Deutsche Orden 1233 auf einem von den Prussen befestigten Hügel eine Ordensburg. Wenig später legte der Orden die Stadt mit Handfeste an. Im Jahr 1254 ging die Ordensfeste an das pomesanische Domkapitel über und diente bis 1587 als Bischofsburg.

Ursprünglich bestand die Burg aus vier Flügeln. Erhalten blieben der Nord- und der Westflügel mit drei Türmen. Außerdem hielt sich die in die Burg hineingebaute Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert mit ihrem prächtigen Sternengewölbe bis heute.

Das Burgmuseum ist sehenswert. Das gilt besonders für den Dansker. Dieser Abortturm ist über einen langen Gang mit der Burg verbunden und gilt als größter Dansker Mittelosteuropas. Als stilles Örtchen war der Dansker etwas zugig und im Winter kalt, aber der Ausblick ist spektakulär.

Das Konzentrationslager Stutthof

Erst kürzlich geriet das Konzentrationslager Stutthof (Sztutowo) bei Danzig noch einmal in die Schlagzeilen. Anlass dafür war ein Prozess vor dem Landgericht Hamburg. In diesem wurde ein ehemaliger SS-Wachmann wegen Beihilfe zum Mord und zum versuchten Mord in 5232 Fällen verurteilt.

Stutthof liegt rund 35 Kilometer östlich von Danzig am Beginn der Frischen Nehrung. Das dortige Lager wurde bereits ab Mitte August 1939 vor Beginn des 2. Weltkriegs auf dem damaligen Territorium der Freien Stadt Danzig geplant und errichtet. Somit war Stutthof das erste Konzentrationslager außerhalb der damaligen deutschen Grenzen. Sofort mit Beginn des Überfalls auf Polen wurden vom 1.9.1939 an hier Menschen interniert. Zunächst waren dies politisch unliebsame, propolnische und jüdische Zivilgefangene. Am 1. Oktober 1941 wurde der Status des Lagers in Sonderlager Stutthof Stufe I geändert.

Schon am ersten Kriegstag wurden die ersten 1.500 Danziger verhaftet und nach Stutthof verbracht. Am 2. September folgten die ersten 150 Danziger Juden. Anschließend Polen aus der Region und später Polen aus dem ganzen Ostseeraum und aus Warschau.

In den Jahren ab 1942 wurden Sowjetbürger, Norweger, Franzosen, Holländer, Belgier, Tschechen, Litauer, Letten, Dänen sowie Sinti und Roma nach Stutthof verschleppt. Zum Lager gehörten zahlreiche Nebenlager, die über ganz Ost- und Westpreußen verteilt waren.

Stutthof wies eine sehr hohe Sterblichkeitsrate auf. Diese war zuvorderst die Folge von katastrophalen hygienischen Zuständen, überfüllten Baracken und der völlig unzureichenden Ernährung. Bereits im Winter 1942/43 kam es zu einer großen Typhus-Epidemie. Sie wurde von weiteren Epidemien gefolgt. Die Erkrankten wurden nur soweit versorgt, wie das zur Verhinderung der Ausbreitung der Epidemien über die Lagergrenzen hinaus unabdingbar war.

Im Frühjahr 1944 wurde eine Gaskammer errichtet. In dieser wurden ab dem Sommer Menschen vergast. Da diese Gaskammer klein war, wurden immer öfter Häftlinge zudem in extra abgedichteten Kleinbahnwaggons vergast.

Anfang 1945 waren noch 47.000 Häftlinge im Lager. Von diesen waren 35.000 Juden. Am 25. Januar 1945 wurde die Evakuierung des Lagers angeordnet. Mindestens 10.000 Lagerinsassen mussten sich auf einen Todesmarsch durch die kaschubische Schweiz Richtung Lauenburg begeben. Von diesen überlebte weniger als die Hälfte. Eine zweite Häftlingsgruppe aus Stutthof und den meisten Außenlagern wurde bei 20 Grad Frost in dünner Häftlingskleidung Mitte Januar 1945 Richtung Königsberg in Marsch gesetzt. Von Königsberg aus wurden die Häftlinge nach Palmnicken an der Samlandküste geschickt. Ihren Weg säumte eine Blutspur. In Palmnicken wurden die in der weiten Mehrzahl weiblichen jüdischen Häftlinge ins Bernsteinwerk an der Ostsee getrieben. Von dort aus wurden sie am 31. Januar unter Maschinengewehrfeuer in die Ostsee gehetzt, andere im Hof der Bernsteinfabrik erschossen. Nicht viel mehr als ein Dutzend überlebte.

Das Lager Stutthof blieb noch bis zum 9. Mai 1945 in deutscher Hand, obwohl es seit April von den Landverbindungen abgeschnitten war. Etwa 110.000-120.000 Häftlinge waren seit 1939 im Lager gefangen. Davon starben 65.000 bis 80.000. Von den über 50.000 Juden, die nach Stutthof deportiert wurden, hat kaum jemand überlebt.

Frische Nehrung: An der Bernsteinküste

Die Frische Nehrung (Mierzeja Wiślana) wird in Polen häufig als Bernsteinküste bezeichnet. Die Deutschen hingegen verstehen unter der Bernsteinküste eher die Samlandküste im heute russischen Teil des einstigen Ostpreußens.

Zu sehen ist ein Seeblick bei Tag an der Frischen Nehrung, Bild: Polimerek
Frischen Nehrung, Seeblick bei Tag, Bild: Polimerek

Die Frische Nehrung ist jedenfalls eine der beliebtesten Erholungsregionen an der polnischen Ostseeküste. Und dies auch wenn das Wasser hier nicht so warm wird, wie an den westlichen Küstenregionen. Dafür zieht eine frische Brise immer mehr Kitesurfer an die weiten Strände.

Und natürlich können Ihre Reisenden in Urlaubsorten wie Kahlberg (Krynica Morska), Bodenwinkel (Kąty Rybackie) oder Steegen (Stegna) durchaus mit Erfolg auf Bernsteinsuche gehen. In Pasewalk (Jantar) findet sogar alljährlich eine Weltmeisterschaft im Bernsteinsammeln statt. Dort herrscht in der sehr sonnenreichen Sommersaison fröhliches Urlaubstreiben mit vielen Veranstaltungen auf den Promenaden und an den Stränden.

Wichtigster Badeort auf der Frischen Nehrung ist Kahlberg. Bei Kahlberg handelt es sich um Polens kleinste Stadt.

Viele Urlaubsunterkünfte finden sich auf dem bewaldeten Dünenzug, der über die ganze Nehrung verläuft. Unten am Haff findet sich rund um den kleinen Hafen das Unterhaltungstreiben mit vielen Läden, Cafés und Restaurants. Dort im Hafen befindet sich auch der Anleger für die linienmäßig verkehrenden Ausflugsschiffe. So können Sie ihren Reisenden die Möglichkeit bieten, die Gegend zu erkunden. Sie können z.B. einen Ausflug auf die Nehrung mit einer Schifffahrt nach Frauenburg (Frombork) kombinieren und sie dort vom Bus abholen lassen. In umgekehrter Richtung funktioniert das genauso.

Wenn Ihre Gäste es ruhiger mögen, gibt es ein gutes Alternativprogramm. Denn dann bietet sich Neukrug (Piaski) als Standort oder Ausflugsort an. Hierbei handelt es sich um den letzten Ort auf dem polnischen Teil der Frischen Nehrung. Hier findet der Urlauber Ruhe und Natur pur.

Polnische Sahara mal anders erleben

„Polnische Sahara“ wird das größte europäische Sanddünengebiet genannt. Es erstreckt sich östlich von Rowe (Rowy) bis Leba /Łeba hin nach Osten. Die Wanderdünen sind bis zu 42 Meter hoch (Lonsker Düne). Sie wandern auf einem schmalen Landstreifen zwischen der pommerschen Ostseeküste und zwei Binnenseen. Diese einmalige Landschaft gehört zum Slowinzischen Nationalpark (Słowinski Park Narodowy). Sie ist als UNESCO-Weltbiosphärenreservat besonders geschützt.

Zu sehen sind Bäume in Wanderdünen in Leba, Bild: Cornelius Schumacher Łeba
Leba, Bäume in Wanderdünen, Bild: Cornelius Schumacher Łeba

Die Region war das Siedlungsgebiet der Slowinzen, eines slawischen Volksstamms. Am Westufer des Lebaer Sees (jez. Łebsko) liegt am Nationalparkrand Klucken (Kluki) ein Museumsdorf. In diesem können Ihre Mitreisenden die slowinzische Geschichte und Kultur entdecken.

Mein Tipp: Bieten Sie Ihren Busreisenden einen Schiffsausflug über den Leba-See nach Klucken an. So können sie den Ausflug mit einer Schifffahrt kombinieren. Und sie entdecken dabei den ganzen Vogelreichtum des Sees.

Auf die Lonsker Düne selber kommt man von Leba aus nur zu Fuß. Mit dem Bus kommen Sie aber bis zum Parkplatz Rąbka. Von dort können Ihre Urlauber mit Pferdekutschen oder mit Elektrokarren bis an den Fuß der großen Düne fahren.

Sollte Ihre Zielgruppe es eher bequem mögen, können Sie alternativ eine Schiffstour vom Hafen in Leba aus anbieten. Dann können ihre Gäste die imposante Dünenlandschaft vom Wasser aus erleben.

Stolp – Typisch Pommern

Wenn es eine Stadt gibt, die noch heute in den Grundstrukturen als typisch pommersche Kreisstadt erkennbar ist, dann Stolp (Słupsk). Die Stadt ist seit 1945 auf gut 100.000 Einwohner angewachsen und ein regionales Zentrum geworden. Doch immer noch sind die ursprünglichen Strukturen der Stadt erkennbar. Besonders deutlich wird dies bei einem Bummel durch die Stadt.

Zentrum der Stadt ist bis heute das 1505 fertiggestellte Schloss der Pommerschen Herzöge. Es wurde 1580-87 im Renaissancestil umgestaltet. Heute ist dort das das Museum zur Geschichte Mittelpommerns untergebracht. Das Museum verfügt über ein besonders Highlight. Es stellt eine sehenswerte, außergewöhnliche Sammlung aus – und zwar die des Malers, Schriftstellers und künstlerischen Universalgenies Stanisław Ignacy Witkiewicz, auch Witkacy genannt (1885-1939).

Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ist die im 14. Jahrhundert erbaute gotische Dominikanerkirche. Sie wurde zwar 1525 während des Bildersturms von protestantischen Bürgern verwüstet. Aber ab 1602 wurde sie – nun als Schlosskirche – wieder aufgebaut. Besonders das Innere aus der Renaissancezeit ist sehenswert.

Zu sehen ist die Dominikańska-Straße in Stolp, Bild: Maria-Golinski
Stolp, Dominikańska-Straße, Bild: Maria-Golinski

Die benachbarte Schlossmühle entstand schon 1310 und dient heute als ethnographisches Museum. Ebenfalls lange erhalten blieb ein Teil der nahen Stadtmauer aus dem Mittelalter mit dem 1415 fertiggestellten Hexenturm (Baszta Czarownic). Der Turm diente bis 1701 als Gefängnis für Frauen, die man der Hexerei bezichtigte. Heute gibt es dort eine Ausstellung moderner Kunst.

Aus der Stolper Altstadt hinaus gelangt man durch das 1385 erbaute Neue Tor. Von dort führt der Weg zum neogotischen 1902 fertiggestellten Neuen Rathaus am plac Zwycięstwa. Eine grandiose Aussicht über die Stadt hat man dort von der Aussichtsplattform des 56 Meter hohen Rathausturm.

Sie haben noch Fragen zu meinen Tipps? Dann nehmen Sie doch bitte Kontakt mit meinem Brylla-Team auf, gemeinsam finden wir die für Ihre Zielgruppen passenden frischen Ideen.

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