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Gruppenreisen mit dem Bus heißt: Leute kennenlernen!

Das brylla reisen-Team
Das brylla reisen-Team

In Teil 2 der Reihe „Gruppenreisen mit dem Bus – nur für Rabauken und Rentner?“ beantworte ich für mich die Frage mit „Nein!“ Vielmehr man kann behaupten: Gruppenreisen mit dem Bus heißt: Leute kennenlernen! Denn Leute kennenlernen ist sowohl eines der Hauptmotive für Menschen mit dem Bus zu verreisen als auch eine Kernherausforderung. Was mein Bekannter auf seiner Chorreise (s. erster Teil des Artikels) erlebte, halte ich für typisch. Er verreiste mit einem Chor, der bunt durchmischt war: mit jungen, mittelalten und alten Menschen, mit Familien und Singles, mit Männern und Frauen. Für ihn war es zunächst befremdlich zu sehen, wie morgens um 10 Uhr während eines Busstopps ein Frühschoppen veranstaltet wurde. Am Ende fühlte er sich in der bunt gemischten Gruppe dennoch wohl. Und: er wird diese Chorreise wohl niemals vergessen.

Ähnliches kenne ich von mir selbst: ich muss mich überwinden, mich auf eine Reise mit Menschen zu begeben, die völlig anders sind oder zumindest sein könnten als ich. Ich fühle mich zunächst einmal dann am wohlsten, wenn ich unter „Menschen meines Schlags“ bin. Als Familienvater im Kreise anderer Familienväter, als Reiseprofi unter Reiseprofis usw. Dann stimmen die Themen, dann stimmt die Chemie von Beginn an.

Wahrscheinlich ist das EINER der Gründe, warum tendenziell weniger bunt gemischte Busreisegruppen zu beobachten sind: warum eher Senioren mit Senioren und Jugendliche mit Jugendlichen mit dem Bus verreisen. So muss niemand Hürden überwinden. Aber so gehen auch gute Chancen auf spannende Begegnungen verloren. Auch für mich persönlich sind vielfach die Begegnungen besonders gewinnbringend und spannend, bei denen ich Menschen kennenlernen, die nicht meines Schlags sind. Und gewinnbringende Begegnungen sind eines der Hauptmotive für Menschen, mit dem Bus zu verreisen.

Für mich ergeben sich daraus drei Herausforderungen, die der Reiseprofi bewältigen muss:
a) Er muss eine gute Mischung für seine Reisegruppe finden.
b) Er muss den Interessenten helfen, die Hürde zu nehmen, ganz andere Menschen kennenzulernen.
c) Er muss Spielregeln vereinbaren und ausreichend Rückzugsraum geben, damit sich in der bunten Truppe nicht übermäßige Spannungen aufbauen.

Keine einfache Herausforderung. Aber ich habe eine paar Ideen, wie das gelingen könnte. Ideen, die ich noch nicht ausprobiert habe, die ich aber für probierenswert halte.

Piotrkowska Lodz. Foto: Robert Zapedowski
Platz 1 für Lodz: Piotrkowska. Foto: Robert Zapedowski

Eine gut durchmischte Reisegruppe zu finden, klingt zunächst aufwändig. Wenn nicht zufällig eine bereits vorhandene Gruppe verreist, müsste der Reiseunternehmer aktiv und selektiv auf potentielle Kunden zugehen. Unwahrscheinlich, dass sich das finanzieren lässt. Aber eine durchaus denkenswerte Alternative ist die Selbstselektion der Kunden durch ein Thema. Warum sollte es nicht gelingen, eine gut gemischte Gruppe für eine Reise zu gewinnen, wenn die Reise ein Thema hat: und zwar ein Thema, das für interessierte Menschen ob jung oder alt, Singles oder Paare, Männer oder Frauen gleichermaßen attraktiv ist? Im Beispiel meines Bekannten war das Singen ein verbindendes Thema. Aber auch ein Thema wie „Lodz – Film und Feste, Shopping und Geschichte“ anlässlich der Reise zu einem Filmfestival in Lodz könnte viele unterschiedliche Menschen ansprechen.

Doch mit der Ansprache allein ist es nicht getan. Denn da wäre noch immer die Unsicherheit, auf einer Busreise nur Menschen zu treffen, mit denen man nicht „grün wird“. Um diese Bedenken zu nehmen würden sich u.U. Rabatte anbieten, die gewährt werden, wenn sich Kleingruppen gemeinsam zur Reise anmelden. So würde der einzelne Interessierte einen zusätzlichen Anreiz erhalten, seine Bekannten und Freunde zum Mitreisen zu bewegen. Zusätzlich würde sich die Vermarktung z.B. über „Vereine“ anbieten. In vielen Fällen findet man in Vereinen gemischte Gruppen vor und der Verein könnte seinen Mitgliedern mit dem Rabatt auf die Reise einen zusätzlichen Bonus bieten.

Auf der Reise selber ist es wichtig, Spielregeln zum gemeinsamen Miteinander zu vereinbaren und genügend Rückzugsraum zu bieten, damit die spannende Mischung der Reisegruppe nicht dazu führt, dass man seine eigenen Gewohnheiten zu lange durchbrechen muss. Das kann nämlich ganz schön stressen – man denke nur an längere Familienzusammenkünfte z.B. während der Weihnachtsfeiertage. Die Spielregeln dürften sich von den normalen Spielregeln auf Busreisen hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass sie klar ausgesprochen werden müssen. Während der junge Mensch auf einer Gruppenreise eher laute Pop- und Rockmusik hören möchte, würden ältere Menschen eher zu ruhigeren Musikrichtungen neigen. Hier kann man als Spielregel beispielsweise eine zum Thema passende Musikmischung vereinbaren – bei unserer „Musterreise“ zum Filmfest nach Lodz könnte das z.B. Filmmusik sein. Rückzugsmöglichkeiten lassen sich nach meiner Ansicht auf einer Themenreise ebenfalls gut realisieren – nämlich, indem man an den Aufenthaltsorten der Reise jeweils 2 oder 3 parallele Programmalternativen zur Auswahl stellt. In unserer Beispielreise würden sich das Filmfestival selber, Stadtführungen oder Shoppingtouren anbieten.

Brainstorming Produktentwicklung Polen-Reisen
Brainstorming Produktentwicklung Polen-Reisen

Natürlich ist all das mit einem erhöhten Planungs- und Koordinationsaufwand für den Reiseanbieter verbunden. Aber es erhöht auch die Attraktivität des Reiseangebotes und die Wahrscheinlichkeit, einen zufriedenen Gast nochmals auf einer Reise begrüßen zu können. Und letztlich sind für die Organisation solcher Reisen auch das Wissen und die Kreativität von Incoming-Agenturen gefragt, die bei der Reiseplanung unterstützen.

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  1. Wir hatten letztes Jahr auch eine Busreise gebucht. Anfangs war ich etwas skeptisch, aber ich muss sagen, es war wirklich lustig und mal ganz anders als sonst. Wie hier schon beschrieben wurde, lernt man einfach viel mehr Leute kennen. Ich fand die Erfahrung wirklich bereichernd und kann es nur empfehlen.

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