Krakau, das goldene Zeitalter und König Kasimir III.

Kasimir der Große von Leopold Löffler (© Public Domain)

Kasimir der Große von Leopold Löffler (© Public Domain)

Der heutige Artikel heißt „Krakau, das goldene Zeitalter und König Kasimir III.“. Darin stelle ich Reiseideen für das Krakau des goldenen Zeitalters vor. In diesem Zeitalter wurde Polen von Kasimir III. oder Kazimierz III. Wielki, wie die Polen ihn nennen, regiert. Er lebte von 1310-1370 und war der letzte Herrscher Polens aus der Piasten-Familie. Er prägte Polen nachhaltig und hinterließ gerade in Krakau viele Spuren.

Kasimir III. beendete in seiner Politik das, was bis dahin als unveränderlich zu gelten schien: Er schloss die Westorientierung Polens ab, legte alle von seinen Vorgängern ererbten Konflikte mit benachbarten deutschen Herrschern bei und rückte 1348 von seinen Besitzansprüchen auf Schlesien ab. Dann wandte sich dem Osten zu und suchte dort Expansionsmöglichkeiten. Damit leitete er bereits den Übergang vom westorientierten „piastischen“ Denken hin zum ostorientierten „jagiellonischen“ Denken ein.

Mit seiner Politik war Kasimir III. ein äußerst erfolgreicher König. Er weitete Polens Territorium aus und hinterließ das Land stärker, als er es bei Amtsantritt vorfand. Zudem fand Polen unter ihm zu einer angesehenen Rolle in Europa.

Auch innenpolitisch nimmt Kasimir eine besondere Rolle ein. Seine Politik galt besonders dem Schutz der Juden und des Bauernstandes. Seine Regierungszeit gilt als eine Ära des großen Wohlstands für die polnischen Juden. Seine Zeitgenossen nannten ihn daher auch „König der Bauern und Juden“.

Mit dem Statut von Wiślica schuf Kasimir II. die erste Verfassung Kleinpolens und führte eine effektive Verwaltung und Rechtsprechung mit klugen Gesetzesvorlagen ein. Kasimir sorgte mit dem Neubau von 50 Wehrburgen für gesicherte Grenzen, innerhalb derer die Wirtschaft aufblühen konnte.

Kasimir III. und das „weiße Gold“

König Kasimir III. griff immer wieder persönlich ins Wirtschaftsgeschehen ein und begründete einige Salinen. Im Jahr 1368 erließ der König ausführliche Statuten für das Salzbergwerk in Wieliczka, die zu einer umfassenden Bergordnung wurde, welche die gesamte Salzproduktion und den Salzhandel regelte.

Salzbergwerk Wielieczka (© Szyb Daniłowicza – Rafał Stachurski)

Salzbergwerk Wielieczka (© Szyb Daniłowicza – Rafał Stachurski)

Die Salinen-Verwaltung übernahm der Salzgraf in Wieliczka. Vereinigt mit dem Salzbergwerk Bochnia wurde Wieliczka zum größten Untertageunternehmen des Landes. Bis zum 17. Jahrhundert machten die Einnahmen des Salzhandels ein Drittel der Staatseinnahmen Polens aus: sie deckten die Kosten für den Bau des Wawels, den Bau und Unterhalt der Universität sowie der Stadtbefestigungsanlagen in Krakau und den Sold für das gesamte polnische Heer. So wurde das Salz zum weißen Gold für Kasimir den Großen und brachte dem Land ein goldenes Zeitalter.

Die beiden Krakauer Salzbergwerke Wieliczka (1978) und Bochnia (2013) stehen auf der UNESCO-Welterbeliste. In beiden Anlagen wandeln ihre Busreisenden also auch auf den Spuren Kasimirs des Großen und lernen die berühmten Bergwerke unter neuen Gesichtspunkten kennen.

Bautätigkeit unter König Kasimir III.

Besonders Polens damalige Hauptstadt Krakau profitierte vom Salzreichtum. Auch zur 1.000-jährigen Baugeschichte des Wawels und der Wawelkathedrale hat König Kasimir der Große beigetragen. So hat er die Burg im gotischen Stil ausbauen lassen und ersetzte Kalksteinabschnitte durch Backsteinmauern. Bis heute erhalten blieb der nach Kasimir dem Großen und seiner Mutter Zofia Holszańska benannte Saal des gotischen Schlosses. Dort befindet sich heute das Waffenmuseum.

Władysław I. ließ die alte Wawelkirche bis auf die Fundamente abtragen, und darauf die nun bereits dritte Kathedrale im damals modernen gotischen Stil errichten. Dieser Kirchenbau wurde 1364 unter Kasimir III. eingeweiht. Die Struktur der Kathedrale wurde danach nicht mehr wesentlich verändert. Am Westeingang ließ Kasimir der Große die Heiligkreuzkappelle errichten. Sie steht genau gegenüber der nach seiner Mutter Königin Zofia Holszańska benannten Kapelle.

Kasimir III. ließ seinen Vater Władysław I. 1350 in einem von ihm in Auftrag gegebenen frühgotischen Sandstein-Sarkophag in der neuen Kathedrale bestatten. Auch Kasimir der Große wurde später in einem gotischen Sarkophag im Wawel beigesetzt.

Auch im Bildungsbereich hinterließ Kasimir III. Spuren in Krakau und gründete 1364 nach der Zustimmung von Papst Urban V. die Krakauer Akademie. Aus dieser ging später die Jagiellonen-Universität hervor. Sie ist nach der Prager Karls-Universität die zweitälteste Hochschule Europas. Sowohl den Bau und Unterhalt der Hochschule als auch die Gehälter der Professoren wurden lange von den Erträgen des „weißen Goldes“ der Krakauer Salinen getragen. Das heutige Hauptgebäude Collegium Maius stammt aus der Zeit kurz nach Kasimirs Tod und wurde 1400 von König Władysław II. Jagiełło als Sitz der Universität erworben.

Kazimierz III. und die Juden

Zwischen 1348 und 1351 grassierten Pestepidemien in Europa. Im Zusammenhang damit kam es in Mitteleuropa zu schweren Judenverfolgungen und Pogromen. Mehrere Pogrome fanden bereits statt, bevor die Pest die betreffenden Städte überhaupt erreicht hatte. Nun galten nicht nur Bezichtigungen wie Wucher, Hostienfrevel und immer wieder Ritualmord-Verdächtigungen. Da die Juden ohnehin als Sündenbock herhalten mussten, verdächtigte man sie nun auch noch, Auslöser des schwarzen Tods durch Brunnenvergiftungen zu sein. Die Pestpogrome führten zu Flucht und Abwanderung vieler Juden vor allem aus den Regionen um den Rhein Richtung Polen und dort besonders nach Krakau.

Kasimir II. förderte diese Ansiedlungen und lud um 1350 die vertriebenen und geflohenen Juden ein, sich in Polen niederzulassen. Er erweiterte das Kalischer Toleranzedikt von 1265 und sicherte auch den Juden Religionsfreiheit und in weiteren Erlassen von 1364 und 1367 weitgehende Privilegien zu.

Bald entwickelte sich so auch in Krakau ein blühendes jüdisches Viertel. Es befand sich damals um die Universität und die heutige ul. Św. Anny herum.

Gründung von Kazimierz

Heute ist Kazimierz vor allem durch Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ bekannt, der an Originalschauplätzen in Kazimierz gedreht wurde. Die Geschichte von Kazimierz war aber anfänglich keine Geschichte der Judenverfolgung oder der jüdischen Ausgrenzung.

Die Vorstadt Kazimierz, die 1335 Stadtrechte erhielt, wurde von Kasimir III. gegründet. Sie liegt südöstlich der Krakauer Altstadt auf dem linken Weichselufer. Kasimir ließ die neue Vorstadt mit Wehranlagen sichern und stiftete drei Kirchen: die gotische Katharinenkirche, die ebenfalls gotische Fronleichnamskirche und die Kirche des Hl. Michael- und Stanislaus.

Fronleichnamskirche Krakau (© Bartek444)

Fronleichnamskirche Krakau (© Bartek444)

Die gotische Fronleichnamskirche wurde 2005 in den Rang einer Basilica minor erhoben. Und auch die Kirche des Hl. Michael- und Stanislaus hat eine große Bedeutung. Dieses auf einem alten slawischen Heiligtum errichtete Gotteshaus wurde rasch zur Station der Pilgerzüge vor der Königskrönung. Ihr heute noch bestehendes barockes Aussehen erhielt die Kirche übrigens nach Plänen von Antonio Müntzer and Antonio Solari.

Erst von König Jan Olbracht wurde das jüdische Viertel „Oppidum Judaeorum“ im Nordosten von Kazimierz gegründet. Es lag um die heutige ul. Szeroka herum. Anlass für die Gründung waren die Pogrome in Krakau im Jahr 1494. Das Viertel wurde von einer Mauer umgeben und nahm im Vergleich zum christlichen Teil den kleineren Teil von Kazimierz ein. Die Mauer führte mehr und mehr zur Abschottung zwischen Juden und Christen. Sie hatten im Alltag nicht mehr viel Kontakt miteinander. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurde Kazimierz dann von Krakau eingemeindet.

Auch in Kazimierz – besonders im einstigen christlichen Teil – gibt es auf den Spuren von Kasimir dem Großen also ebenfalls Einiges ganz neu zu entdecken.

Die polnische Geschichte auf den Spuren von Kasimir III. kennenzulernen ist vor allem für eine Busreise interessant. Sie erreichen mit einem solchen Angebot  auch Reisende, die Krakau schon einmal besucht haben und noch etwas Neues entdecken wollen. Gerade in der heutigen Zeit dürfte es von Interesse sein, einen Herrscher kennenzulernen, der im Denken und seiner Toleranz seiner Zeit weit voraus war.

Wenden Sie sich gern mit allen Fragen und Ideen an das brylla-Team. Wir beraten Sie gern und finden mit Ihnen zusammen die für ihre Zielgruppe ideale Reiseroute.

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