Kahnfahren auf der Krutynia in Masuren

Boote auf der Krutynia (Foto: Piotr Tysarczyk)

Boote auf der Krutynia (Foto: Piotr Tysarczyk)

Heute möchte ich Ihnen ein Naturerlebnis in Masuren vorstellen, das weniger sportlich aber genauso interessant, romantisch und naturnah wie eine Kanufahrt ist: Eine Kahnfahrt, auch als Stakbootfahrt bekannt, auf der Krutynia. Die Kähne liegen ruhig im Wasser und sind daher für alle Reisenden ein erholsames Fortbewegungsmittel.

Bevor es gleich inhaltlich los geht, das wichtigste für Sie als Gruppenreiseanbieter vorweg:

  • Der Einstiegsort für die Kahnfahrt ist leicht zu finden: mitten im Ort Krutinnen (Krutyń) dem Markt gegenüber an der Brücke über die Krutynia. Dort können Sie ihre Reisenden aussteigen lassen. Hier und auf dem Busparkplatz am Friedhof ist immer Platz.
  • Und: Die Kähne liegen ruhig im Wasser. Es handelt sich um stabile Flachboden-Holzboote, da schaukelt und schwankt nichts. Fortbewegt werden sie mit der Stake, einer langen Stange, mit der Ihr Bootsführer in den Grund sticht und das Boot abdrückt.

Die Krutynia – Masurens idyllischster Fluss

Mitten in den tiefen Wäldern der Johannisburger Heide (Puszcza Piska) im Masurischen Landschaftspark schlängelt sich die Krutynia durch unberührte Landschaften. Sie ist „der“ Fluss in Masuren und gilt als Europas schönste Paddelroute.

Die früher erst Cruttinna und später Krutinne genannte Krutynia ist rund hundert Kilometer lang und verläuft von Sorquitten (Sorkwity) bis in den Beldan-See (Jez. Beldany). Rund um die Krutynia hat die Natur Vorfahrt. Die Ufer des Flusses sind völlig sich selbst überlassen, die menschlichen Eingriffe sind auf das absolut Notwendige beschränkt. Zuweilen bilden dichte Uferwälder auf Steilufern grüne Tunnel über dem Wasser, anderswo reichen die Wälder an flachen Uferstellen bis ins Wasser. Sandige Uferabschnitte geben kleine Buchten frei, Schilfinseln bieten gut versteckte Nistplätze für Blesshühner, Haubentaucher oder Schwäne. Störche und Reiher suchen Futter für die Jungen. Umgestürztes Holz gibt weitere Verstecke und wird zu Plätzen, an denen neues Leben entsteht, zuweilen sieht man sogar Spuren von Bibern. Der Fluss ist flach und selten mehr als einen Meter tief. Am Grund sieht man jeden Kieselstein, im fließenden Wasser jedes Pflänzchen, jeden Krebs und jeden Fisch, so glasklar ist das Wasser. Die Krutynia ist eine Märchenlandschaft, die man am besten vom Wasser aus bei einer Fahrt im Kahn genießt.

Die Tradition der Kahnfahrt auf der Krutynia

Die Krutynia in Masuren. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt

Die Krutynia in Masuren. Foto: polen.travel

Die Tradition der Kahnfahrten auf der Krutynia begann mit dem ersten einsetzenden Reiseverkehr am Beginn des 20. Jahrhunderts. Damals entdeckten die ersten „Sommerfrischler“ die Schönheiten Masurens. Technischer Fortschritt brachte Hektik, Umweltverschmutzung und Lärm in die großen Städte. Das zivilisationsmüde Bürgertum sehnte sich nach dem einfachen Leben und konnte sich „Sommerfrische“ leisten. Durch das mittlerweile dichte Bahnnetz war das Reisen einfach geworden und Masuren wurde zum Sehnsuchtsziel, eine Entwicklung, die sich in der Zwischenkriegszeit noch verstärkte. So wurden die „Sommerfrischler“ zum neuen wichtigsten Wirtschaftszweig der Region.

Man reiste mit der Bahn nach Krutinnen, doch lag der Bahnhof über drei Kilometer weit entfernt vom Ort in der Nähe von Collegienen. Man hätte die Gäste natürlich einfach mit der Kutsche abholen können, doch man überlegte sich etwas Besonderes. Die Reisenden machten vom Bahnhof aus einen kleinen Spaziergang zum Nordufer des Krutinnensees. Dort am Anleger Murawa warteten die Boote, und brachten die Sommerfrischler ins Dorf. Für den tiefen Krutinnensee brauchte man Ruder, auf dem Fluss angelangt, konnte die Stake zum Einsatz kommen. Die Anreise wurde also bereits zum Erlebnis. Auch damals wurden bereits Stakbootfahrten in vielen Variationen angeboten, zum Zeitvertreib, als Picknickausflug oder zum „Krutinnanleuchten“, einer Lampionfahrt bei einbrechender Dunkelheit. Aus dieser Zeit schon stammt der Ruf der Staker als Originale, die alle Geschichten, Märchen und Legenden der Region kannten. Doch sie wussten auch alles über die Natur ihres Flusses und der Umgebung. Heute sind diese Staker im Verband Perkun organisiert. Im Vergleich zum Kahnfahren ist die Paddelboottradition auf der Krutynia etwas jünger, sie begann erst mit der Verbreitung der Faltboote nach dem Ersten Weltkrieg, als Masuren zum Ziel vieler Jugendgruppen wurde.

Mit dem Kahn das Naturparadies Krutynia erleben

Die Kahnfahrt beginnt in der Ortsmitte an der Brücke, wo die Bootsstege liegen und führt stromaufwärts – also gegen die Strömung – bis hoch zum Krutinnensee. Vorbei geht es noch im Ort am einstigen Kurhaus Waldesruh, dem späteren Sanatoriums „Syrenka“. Heute gehören die Gebäude zum Ferienzentrum „Mazur-Syrenka“. Kurz danach wird am Ortsende die größte Insel auf diesem Flussabschnitt umfahren. Es wird ruhig, von nun an folgen nur noch Wälder und Natur, ab und an ein Biberdamm. Mal sind die Ufer steil und hoch, mal flach und auch der Fluss wird nun flacher. Da ist es gut, dass der Fluss so klar ist und der Bootsführer jedes Unterwasserhindernis rechtzeitig entdecken kann. Bald folgt die Region der Schilfinseln an den Uferbereichen. Wer genauer schaut, wird hier Schwanennester entdecken, Haubentauchernester oder Nester von Blesshühner. Dass die Nester nahe sind, zeigt sich auch im Verhalten der Schwäne, die deutlich klar machen: Bis hierhin und nicht weiter!

Bald beginnt sich der Blick zu weiten, der Fluss wird sehr flach, der Boden besteht aus goldfarbenem Sand, weshalb dieser Platz „gelber Sand“ genannt wird und seit jeher beliebter Badeplatz für die Krutinner Kinder war. Immer weiter wird die Flusslandschaft, die mit Schilf bestandenen Ufer und Schilfinseln bergen viele Nester, hier leben Eisvögel, Gänsesäger, Reiher und Schwäne. Am Ufer sind zuweilen Nerze auf Beutesuche zu sehen. Sie sind eine stete Gefahr für Schwanenjunge, tun sich aber am liebsten an Muscheln gütlich. Um die Reste eine alte Brücke wird herum gesteuert. An der Stelle, an der die Brücke stand, war schon von alters her eine Furt, die schon die Ordensritter nutzten. Nicht weit entfernt lagen in der Zwischenkriegszeit die Anlegestelle und das Gasthaus Murawa. Bald kommt der Krutinnensee in Sicht, der Umkehrpunkt der Tour. Der See ist zu tief, dort kann nicht gestakt werden. Der Kahn wird also gewendet und zurück nach Krutinnen geht es nun mit der Strömung, die Stake dient nun nur noch zum Steuern.

Kahnfahrten können im Voraus gebucht werden. Angeboten werden ein- bis eineinhalbstündige Tagesfahrten entweder bis zum gelben Sand oder bis zum Krutinnensee. Dazu werden spezielle Themenfahrten angeboten wie „Altmasurische Staktouren“, Touren mit Lagefeuern, nächtliche Fahrten mit Musikkapelle oder das „Krutinnaleuchten“.

Mein Tipp: Die Lampionfahrt Krutinnaleuchten kann auch ganz ohne zusätzliches Unterhaltungsangebot gebucht werden. Dann ist so eine Fahrt ein ganz besonderes Erlebnis für Naturliebhaber. Ist das letzte Licht vergangen, begibt sich die Natur zur Ruhe und plötzlich ist alles still – kein Laut mehr. Eine solche Ruhe, eine so große Stille ist ein tief bewegendes Erlebnis für Ihre Reisenden.

Verband der Bootsstaker auf der Kruttinna “PERKUN”
Krutyń 4
11-710 Piecki
http://www.masuren-perkun.de/

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