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Auf den Spuren von Kopernikus

Domhügel Frombork (Frauenburg). Foto: Polnisches FremdenverkehrsamtHeute möchte ich Ihnen eine besondere Themenroute im Nordosten Polens vorstellen. Sie führt auf den Spuren des großen Astronomen Nikolaus Kopernikus von seiner Geburtsstadt Thorn (Toruń) nach Allenstein (Olsztyn) und weiter durchs Ermland über Heilsberg (Lidzbark Warmiński) bis nach Frauenburg (Frombork) am Frischen Haff, seinem Sterbeort. Vom Geburtsort bis zum Sterbeort erfahren Ihre Reisenden in den vier Kopernikusstädten alles über das Wirken des genialen Astronomen sowie die Zeitgeschichte der Region im ausgehenden Mittelalter. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten säumen diese Route, die auch landschaftlich sehr reizvoll ist und zahlreiche Ausflüge ermöglicht, die für Abwechslung sorgen wie einem Tag auf dem Oberlandkanal von Ostróda aus.

Nikolaus Kopernikus wurde 1473 in Toruń geboren. Nach Studienaufenthalten in Krakau und Italien wurde er von seinem Onkel, dem ermländischen Fürstbischof Lukas von Watzenrode, 1503 nach Lidzbark Warmiński (Heilsberg) gerufen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1453 in Frombork war er in wechselnden Positionen des Bistums in Lidzbark Warmiński Frombork und Olsztyn tätig. Hier im Ermland begann Kopernikus mit seinen Forschungen, das geltende Weltbild auf den Kopf zu stellen. Als er herausfand, dass die Erde sich um die Sonne dreht, und nicht umgekehrt, schuf er die Kopernikanische Wende – das Mittelalter ging damit seinem Ende zu.

Thorn (poln. Toruń): Kopernikusstadt mit Lebkuchenduft

Thorn (Torun): Blick auf die Weichsel. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Thorn an der Weichsel

Toruń wurde 1233 vom Deutschen Orden gegründet. Mit dem II. Thorner Frieden kam die Stadt 1466 an Polen und 1793 nach der II. polnischen Teilung an Preußen, 1920 wurde Toruń wieder polnisch.

Die wunderbar restaurierte Thorner Altstadt mit ihren stolzen Patrizierhäusern besteht aus rund 350 Bauten und stellt Polens größtes und besterhaltenes mittelalterliches Stadtensemble mit gotischem Stadtkern dar. Wegen des kulturhistorischen Werts wurde die Thorner Altstadt in die UNESCO-Weltkulturerbliste aufgenommen.

An der ul. Kopernika15/17 liegt mitten in der Altstadt das Kopernikushaus. Dort wurde der große Astronom 1473 geboren. Heute ist im Geburtshaus das Kopernikus-Museum untergebracht, das über Werk und Leben des Forschers informiert, besonders über seine Jugendjahre, die Kopernikus in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie verbrachte. Nach dem frühen Tod des Vaters ließ Lukas von Watzenrode, der Bruder der Mutter, dem kleinen Nikolaus und seinen drei Geschwistern eine erstklassige Ausbildung zukommen. Seine Studien machten Kopernikus zum Astronomen, Arzt und Juristen beider Rechte. Diese Zeit ist in diesem Museum dokumentiert.

Geburtshaus Kopernikus in Thorn (Torun). Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Geburtshaus Kopernikus in Thorn (Torun)

Rund um den Altstädtischen Markt, den das 1393 erbaute gotische Rathaus dominiert, finden sich die meisten architektonischen Highlights wie das Bürgerhaus zum Stern, der Artushof, wo der II. Thorner Friede unterzeichnet wurde, oder die gotische Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert. Ein Rundgang führt weiter zum 1271 erbauten schiefen Turm und zur aus dem Jahr 1260 stammenden wuchtigen Johannes-Kathedrale. Sie ist die älteste Kirche von Thorn und prägt die Altstadtsilhouette. Auch lohnenswert ist ein Gang entlang der Altstadtmauern zu den Überresten der Deutschordensburg aus dem Jahre 1236.

Mein spezieller Tipp: Neben dem Kopernikus-Aspekt und der grandiosen Altstadt bietet die Weichselstadt noch eine Besonderheit. Ihre Reisegäste werden es bei der Ankunft dort sofort feststellen: Das ganze Jahr über liegt ein leichter Weihnachtsduft über der Stadt. Schnell werden Sie darauf kommen, dass es nach Lebkuchen riecht, der hier das ganze Jahr über produziert und verkauft wird. „Pierniki“, die Nachfolger der berühmten „Thorner Kathrinchen“ finden Ihre Reisenden dort an jeder Ecke. Schon im Mittelalter wurde das leckere Gebäck ab dem 25. November, dem Katharinentag, in der Stadt verkauft.

Dom Mikołaja Kopernika
Ul. Kopernika 15/17
87-100 Toruń
www.muzeum.torun.pl/strona-24-dom_mikolaja_kopernika.html

Allenstein (poln. Olsztyn) und die Tagundnachtgleiche

Denkmal für Kopernikus in Allenstein. Foto: Klaus Klöppel
Kopernikus-Denkmal. Foto: Klaus Klöppel

Bis heute ist das ab 1346 hoch über dem Fluss Alle erbaute Schloss in Olsztyn (Allenstein) mit seinem markanten, unten eckigen und oben runden Eckturm das weithin sichtbare Wahrzeichen der heutigen Hauptstadt der Woiwodschaft Ermland und Masuren. Der Nordflügel dieser Burg wurde der Sitz des Administrators des ermländischen Domkapitels und Hauptort eines der drei dem Kapitel unterstehenden Kammerämter. Von 1516 bis 1519 residierte dort Kopernikus als Kapiteladministrator. Noch einmal wurde er von 1520 bis 1521 nach Allenstein berufen, um Stadt und Burgschloss während der Reiterkriege zu sichern. Es gelang die Unabhängigkeit des Fürstbistums auch vom Orden zu erhalten. In Olsztyn fand Kopernikus neben seiner Administratortätigkeit auch Zeit für seine astronomischen Forschungen. Davon zeugt bis heute die Wand des Kreuzgangs, auf der Kopernikus im Frühjahr 1517 sein Diagramm zur Berechnung der Tagundnachtgleiche anbrachte. Die Bibliothek des Ermländisch-Masurischen Museums birgt mit dem einzigen in Polen befindlichen medizinischen Inkunabel aus der Kopernikus-Bibliothek einen besonderen Schatz. Im Museum informiert die Kopernikus-Dauerausstellung über seine Zeit in Olsztyn.

Meine Empfehlung in Olsztyn: Lassen Sie Ihre Reisenden den kurzen Weg vom Schloss zum Dom, der St.Jakobikirche gehen. Nicht nur ist diese 1315 erbaute wuchtige gotische Hallenkirche sehenswert, sondern ist genau dies der Weg, den Kopernikus täglich ging.

Muzeum Warmii i Mazur w Olsztynie
ul. Zamkowa 2
10-074 Olsztyn
muzeum.olsztyn.pl

Heilsberg (poln. Lidzbark Warmiński): Kopernikus am Sitz der Fürstbischöfe

Schloss Heilsberg (Lidzbark Warminski). Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Schloss Heilsberg (Lidzbark Warminski)

Lidzbark Warmiński, das einstige Heilsberg, war seit 1350 Sitz des Fürstbistums Ermland. Ab diesem Jahr ließ Bischof Johann von Meißen dort die bedeutendste und schönste Burg nach dem Ordenshauptsitz Marienburg errichten. Die Fürstbischöfe waren vom Deutschen Orden unabhängige Landesherren und bedurften repräsentative Räume, sodass die zunächst typische Ordensburg hoch über dem Allebogen an der Simsermündung immer mehr zur Fürstenresidenz wurde. Erhalten blieb der vierflügelige Grundriss mit dem hohen, mächtigen Bergfried und drei zierlichen Türmen an den anderen Ecken. Im Innenraum gehört der zweistöckige Kreuzgang zu den besterhaltenen seiner Art in ganz Polen. Wie geistig, wissenschaftlich und kulturell vielfältig das Leben am Sitz der Fürstbischöfe über die Jahrhunderte war, zeigen auch seine Bewohner. Nicht nur der universell gebildete Kopernikus lebte und arbeitete dort von 1502 und 1510. Eine weitere berühmte Persönlichkeit war der letzte dort bis 1794 residierende Fürstbischof Ignacy Krasicki. Er war ein Dichter-Bischof, der als einer der größten Literaten polnischer Sprache gilt. Im Museum wird Ihren Reisenden auch Kopernikus und sein Leben am Sitz der Fürstbischöfe immer wieder begegnen.

Mein Tipp für Heilsberg: Lassen Sie Ihren Reisenden im Museum auch die eindrucksvolle Urkunde mit den vielen Siegeln zum II. Thorner Frieden von 1466 zeigen und ein Stück Geschichte fast „Zum Anfassen“ erleben.

Muzeum Warmińskie w Lidzbarku Warmińskim
Pl. Zamkowy 1
11 -100 Lidzbark Warmiński
lidzbark.muzeum.olsztyn.pl

Frauenburg (poln. Frombork) und das Kopernikusgrab

Domhügel Frombork (Frauenburg). Bild: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Kopernikus‘ Grab in Frauenburg (Frombork)

Die Kathedralfestung Frauenburg (Frombork) hat ihre Anfänge in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der als Wehrkirche errichtete Backsteindom mit den zierlichen vier Türmen wirkt von Ferne abwehrend-trutzig oben auf dem hohen Ufer des Frischen Haffs. Näher betrachtet ist sie ein Meisterwerk ermländischer Baukunst und gilt als künstlerisch bedeutendster Sakralbau der Region. Die 1388 fertiggestellte gotische Hallenkirche hat heute eine barocke Innengestaltung.

Im nordwestlichen Eck des Domburghügels ist der Kopernikusturm zu finden. Dort arbeitete Kopernikus an einer der umwälzendsten Entdeckung aller Zeiten. Hier begründete er unser heutiges Weltbild mit der Erkenntnis, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, wie bis dahin behauptet. Sie gilt als Ende des Mittelalters und Beginn der Neuzeit, denn die „Kopernikanische Wende“ war das erste von menschlicher Geisteskraft erarbeitete Weltbild. Umfassende Informationen über Kopernikus und sein Wirken finden Ihre Reisenden sowohl im Planetarium im Glockenturm als auch dem Kopernikusmuseum im Bischofspalast.

Kopernikus starb 1543 in Frombork. Dass sich sein Grab in der Kathedrale befand, wusste man immer, nicht aber, wo genau. Erst 2005 wurden die Gebeine von Kopernikus bei  archäologischen Grabungen unter dem Altar des Frauenburger Doms gefunden. So wurde Kopernikus 467 Jahre nach seinem Tod ein zweites Mal in der Kathedrale von Frombork (Frauenburg) in Nordpolen beigesetzt. Als weiteres Highlight der Kathedrale empfehle ich Ihnen die berühmte Orgel.

Mein Tipp: vereinbaren Sie für Ihre Reisenden eine Orgeldemonstration und Sie werden Ihren Gästen ein unvergessliches Erlebnis verschaffen, wenn das Aufbrausen der Orgel den Boden des riesigen Kirchenschiffes vibrieren lässt und die ganze lichte Hallenkirche zu einem schwingenden Klangkörper werden lässt.

Muzeum Mikołaja Kopernika,
ul. Katedralna 8
14-530 Frombork

frombork.art.pl/

Sie können die Route der Kopernikusstädte auch gut als „Extra“ in Ihre Masuren-Reiseangebote integrieren. Dafür bieten sich besonders die Hin- oder Rückreise an, die man gut über Toruń führen kann. Zwar ist die Route von Toruń aus die logische, dem Lebensweg von Kopernikus folgende Wahl, jedoch sind auch alle Kopernikusstädte in der umgekehrten Reihenfolge zu bereisen oder sogar als Einzelausflüge vom Standort Allenstein aus. Sie sind also sehr frei in der Integration in Ihre Reiseangebote. Wir beraten Sie gern!

Bilder: Polnisches Fremdenverkehrsamt

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