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Zu sehen ist das Haus der Polonia in Pułtusk, Bild: geo573
Pułtusk, Haus der Polonia, Bild: geo573

Eine feine, grüne und meist wohlhabende Region – Masowien

In diesem Beitrag beschreibe ich eine feine, grüne und meist wohlhabende Region – Masowien. Die Wojewodschaft liegt recht zentral in Polen. Im Süden grenzt sie an die Wojewodschaft Heiligkreuz, im Westen an Lodsch und Kujawien-Pommern, im Norden an Ermland und Masuren, im Nordwesten an Podlachien und im Südwesten an Lublin. Eines hat Masowien seinen Nachbar-Wojewodschaften voraus: Auf seinem Gebiet liegt die Hauptstadt Polens, Warschau.

Das Herzogtum Masowien war schon früh von besonderer Bedeutung für Polen. Es war eines der Kernländer des frühen polnischen Piastenreichs. Während der Herrschaft Konrads I. im Anfang des 13. Jahrhunderts hatte das Herzogtum bereits seine erste Blütezeit. Und seit Masowien ab 1529 den Status einer Wojewodschaft hatte, erlangte es eine immer größere Bedeutung in der Geschichte Polens. Denn von nun an lag es im Zentrum der Macht. So war es folgerichtig, dass 1611 der Sitz der polnischen Hauptstadt unter König Sigismund III. Wasa von Krakau nach Warschau verlegt wurde.

Masowien mit seinen rund 5 Millionen Einwohnern gilt als mit Abstand reichste Region Polens. Nirgends in Polen ist der Lebensstandard so hoch wie hier. Touristisch wird die Region dennoch kaum wahrgenommen. Denn Warschaus zieht die touristische Aufmerksamkeit ganz auf sich. Das scheint verständlich, denn die Weichselmetropole mit ihren 1,8 Millionen Einwohnern boomed und gilt als umtriebig.

Bei genauerem Hinsehen allerdings wird deutlich, dass die Wojewodschaft Masowien (Województwo mazowieckie) Reisenden über die Hauptstadt hinaus einiges zu bieten hat. Ihre Busreisenden werden in Masowien gleich vor den Toren Warschaus ausgedehnte Waldgebiete, verträumte Dörfer und Flusslandschaften erleben. Zu nennen wären z.B. der Kampionoski-Nationalpark und das Gebiet der Mündungen von Bug, Narew und anderen Flüssen in die Weichsel. Wenig nördlich der Hauptstadt befindet sich mit dem Zalew Zegrzyskie auch ein wunderschöner Stausee.

Begleiten Sie mich in diesem Artikel also nach Masowien. Ich zeige Ihnen einige noch weniger bekannte Attraktionen für Reisende. Diese können Sie gut in Ihre Polen-Busreisen einbauen.

Pułtusk- Das Venedig Masowiens

Pułtusk liegt knapp 60 Kilometer nördlich von Warschau am Narew. Die Kleinstadt hat ca. 20.000 Einwohner. Eines ihrer besonderen Kennzeichen ist ihr Marktplatz, der mit über 600 Metern Länge der längste ganz Europas ist. Ein anderes ist die besondere Lage des Altstadtzentrums. Es liegt malerisch auf einer von Kanälen umgebenen Insel, weshalb die Stadt auch als das „Venedig von Masowien“ bezeichnet wird.

Für die polnische Geschichte bedeutend war die Stadt im Großen Nordischen Krieg 1702 als Schauplatz einer Schlacht. Ihr kriegerisches Erbe umfasst aber auch eine zweite Schlacht 1806 in den Napoleonischen Kriegen. Spektakulär war zudem der in Pułtusk niedergegangene Meteoritenschauer im Jahr 1868.

Zu sehen ist der Marktplatz in Pułtusk, Bild: Sylwester Górski
Pułtusk, Marktplatz, Bild: Sylwester Górski

Kulturell hat die Stadt ebenfalls ein reiches Erbe: Im 20. Jahrhundert betrug der Anteil der jüdischen Bevölkerung fast 50 Prozent. Das hat sich stark auf das Stadtbild und die Offenheit der Stadt ausgewirkt.

Der Großteil der 6.000 Pułtusker Juden allerdings floh 1939 in die Sowjetunion, bevor die Deutschen einmarschierten. Die Stadt wurde vom Deutschen Reich annektiert und im Oktober 1939 dem neu gebildeten Regierungsbezirk Zichenau (Ciechanów) zugeschlagen. Dieser wiederum wurde der Provinz Ostpreußen eingegliedert. Pułtusk wurde 1941 von den Deutschen in Ostenburg umbenannt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt fast völlig zerstört.

Wichtigste Sehenswürdigkeit ist die ursprünglich gotische Stiftskirche Mariä Verkündigung aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Sie wurde im 16. Jahrhundert aufwendig im Renaissancestil umgestaltet. Besonders prachtvoll mit Polychromen ausgestaltet ist das Renaissancegewölbe. Sehenswert ist auch das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert.

Und auch das einstige Bischofsschloss, das zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert in verschiedenen Bauabschnitten realisiert wurde, ist touristisch sehr interessant. Bis heute erstrahlt es prächtig im Renaissancestil. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Schloss Sitz der Bischöfe von Płock. Heute sind dort ein Hotel und das Haus der Polonia (Dom Polonii), also das Haus der Auslandspolen untergebracht.

Zu sehen ist ein Kanal in Pułtusk, Bild: geo573
Pułtusk, Kanal, Bild: geo573

Mein Tipp: Auf den Wasserläufen in Pułtusk werden Gondelfahrten angeboten. Vom Wasser aus wirkt die kleine Stadt besonders malerisch. Das wird viele Ihrer Reisenden ansprechen.

Płock – Die erste Hauptstadt Masowiens

Płock liegt rund 100 Kilometer nordwestlich von Warschau auf dem hohen Weichselufer. Schon im 9. Jahrhundert erstmals erwähnt, ist die Stadt seit 1075 Sitz des Bistums Płock und eine der ältesten Städte Polens.

Zu sehen ist der Domhügel von Płock, Bild: Rommullus
Płock, Domhügel, Bild: Rommullus

Płock war 1079-1138 auch die erste Hauptstadt Masowiens und damit Hauptstadt Polens. Sie hat heute knapp 130.000 Einwohner und wartet mit einer Vielzahl von rund 150 historischen Baudenkmalen in der Altstadt auf.

Auf dem Domhügel (Wzgórze Tumski) liegt weithin sichtbar die Basilika – das Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde von Bischof Alexander von Malonne gestiftet, der Bau wurde 1144 begonnen. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gotteshaus zwar mehrere Male umgebaut, doch blieb die Prägung durch romanische Stilelemente erhalten.

Historisch bedeutend ist besonders die königliche Kapelle. Hier liegen die Sarkophage von Władysław Herman (dem 1102 verstorbenen Herzog) und seinem Sohn (dem Herzog Bolesław III. Krzywousty, der 1138 starb).

Gegenüber der Kathedrale steht das einstige Fürstenschloss aus dem 14. Jahrhundert. Die Schlossmauern mit einer Höhe von bis zu 17 Metern sind zum Teil erhalten und auch zwei gotische Türme können noch heute besichtigt werden. Der Adelsturm war das Gefängnis für Adlige. Der Uhrturm, der mit einem barocken Helm versehen ist, diente zeitweise auch als Glockenturm für den Dom. Seine Fundamente stammen aus dem 11. Jahrhundert.

Die Tumska-Straße führt als direkte Verbindung vom Domhügel zum Neuen Markt (Nowy Rynek). Umstanden ist sie von etlichen repräsentativen Gebäuden mit vielen Läden, Restaurants und Cafés. Eines der schönsten Gebäude ist das Jugenstilhaus mit der Nr. 8, in dem das Masowische Museum (Muzeum Mazowieckie) untergebracht ist. Mein Tipp: Weisen Sie Ihre Busreisenden unbedingt auf eine der bedeutendsten europäischen Sammlungen von Jugendstilexponaten hin, die dort zu finden ist.

Einer der ältesten Straßenabschnitte der Stadt mit Namen Nowy Rynek führt vom Domplatz zum Alten Markt (Stary Rynek). An ihm sind zahlreiche neogotische Bürgerhäuser aufgereiht.

In einer engen Seitengasse, der ul. Kozia, ist die bereits im Jahr 1180 gegründete älteste noch immer existierende Oberschule Polens in einem mittelalterlichen Bau zu sehen, die Małachowianka. Im teils romanischen und teils gotischen Kellergeschoss ist das Schulmuseum untergebracht.

Zu sehen ist eine Altstadtstraße in Płock, Bild: Konrad Wąsik
Płock, Altstadtstraße, Bild: Konrad Wąsik

Highlight des langen Alten Markts ist das am Anfang des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil erbaute Rathaus. Mein Tipp: Führen Sie Ihre Reisenden genau zur Mittagszeit zum Rathaus. Vom Rathausturm erscheint nämlich täglich pünktlich mittags um 12 Uhr ein Trompeter, der das Stadtsignal bläst. Dem Trompetensignal folgt auf dem Turm eine Darstellung des Ritterschlags von König Bolesław Krzywousty.

Szydłowiec – Die Renaissanceperle in Masowien

Szydłowiec liegt rund 35 Kilometer südwestlich von Radom. Die 12.000-Einwohner-Kleinstadt gilt als die Perle der Renaissance in Masowien. Die Entwicklung hierzu begann ab 1430 mit dem Bau einer Burg im frühen Renaissancestil, der bis 1530 andauerte. Auftraggeber war das Adelsgeschlecht der Szydłowieckis, dem die Stadt auch gehörte und nach dem sie auch benannt wurde. Die Burg ist bis heute das bedeutendste Baudenkmal der Stadt. Sie fungiert gegenwärtig als Kulturzentrum der Stadt. Interessant ist dort besonders die Ausstellung von Instrumenten der Volksmusik.

Zu sehen ist der Glockenturm in Szydlowiec, Bild: Autostopowicz
Szydlowiec, Glockenturm, Bild: Autostopowicz

Weitere Renaissancebauten im Stadtzentrum verleihen dem Flair der sehenswerten Altstadt einen Hauch von Florenz. Das gilt vor allem für den Markplatz, an dem viele Baudenkmäler zu finden sind. Sehenswert ist dort das Renaissance-Rathaus am Marktplatz, das 1602-1629 erbaut wurde.

In direkter Nachbarschaft steht die St. Zygmunt-Kirche, an der die Spuren vieler Kunststile zu entdecken sind. Die Pfarrei wurde bereit 1401 begründet. Die erste hölzerne Kirche wurde zum Ende des 15. Jahrhunderts von Jakub Szydłowiecki durch eine steinerne Kirche im spätgotischen Stil ersetzt. Sie wurde zur Ruhestätte von Mikołaj Szydłowiecki, der im Presbyterium ruht, und von Maciej Radziwiłł, der unter dem Hauptaltar beigesetzt wurde. Die Kirche besonders wertvoll machen der gotische Polyptychon, die vergoldeten Altare, das Sterngewölbe im Presbyterium und der Polychrom im Kirchenschiff.

Radom – Die Stadt der modernen Kunst und der evangelischen Christen

Mit seinen 220.000 Einwohnern ist das im Süden der Wojewodschaft gelegene Radom die zweitgrößte Stadt von Masowien. Bis zur politischen Wende war Radom vor allem als ein Zentrum der Metallverarbeitung und als graue Industriestadt bekannt. Das hat sich in den letzten 30 Jahren stark gewandelt.

Zu sehen ist die Evangelisch-Augsburgische-Kirche in Radom, Bild: Rafal Terkner
Radom, Evangelisch-Augsburgische-Kirche, Bild: Rafal Terkner

Schon im 9. Jahrhundert fanden sich erste Siedlungen auf dem Burgberg „Piotrówka“. Nicht weit entfernt liegt die von Resten der alten Stadtmauer umgebene Altstadt. Deren Zentrum ist der im 14. Jahrhundert angelegte Rynek, der von prächtigen Bürgerhäusern umstanden ist.

Mittelpunkt ist das sehr viel jüngere Neorenaissance-Rathaus. Es wurde 1848 nach Entwürfen von Enrico Marconi erbaut.

Dem Rathaus benachbart ist das Malczewski-Museum im einstigen Piastenkloster. Dessen Gebäude ist eine barocke Perle aus dem 18. Jahrhundert. Im Museum selber finden sich z.T. bedeutende Kunstwerke. Z.B. sind dort Werke von Jacek Malczewski (1854-1929) ausgestellt. Malczewski war um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einer der wichtigsten Vertreter der Künstlergruppe der „Jungen Polen“.

Weiter sehenswert ist die gotische St. Johanneskirche an der ul. Rwańska. Sie wurde 1370 als königliche Stiftung fertiggestellt und später um mehrere Kapellen ergänzt.

Ein weiteres Altstadt-Highlight ist das im späten 15. Jahrhundert auf Veranlassung von König Kasimir IV. Jagiello erbaute Bernhardiner-Kloster mit der Klosterkirche. Beide liegen im Osten des Marktplatzes in der ul. Żeromskiego.

Eine Perle des Spätklassizismus ist das Gebäude der ehemaligen Woiwodschaftsverwaltung in der ul. Żeromskiego. Es wurde nach Plänen von Antonio Corazzi errichtet wurde. Heute wird es von der Stadtverwaltung genutzt.

Auch das einstige Elektrizitätswerk an der ul. Kopernika 1, das 1901 fertiggestellt wurde, ist sehenswert. In dem Gebäude findet sich heute ein vom berühmten Filmregisseur Andrzej Wajda gefördertes Zentrum der Zeitgenössischen Kunst.

Radom ist auch eine Hochburg der evangelisch-augsburgischen Kirche Polens. Die 1826 begründete und bis heute bestehende Kirchengemeinde entstand, als sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in und um Radom evangelische Deutsche ansiedelten. Die Gemeinde kaufte die 1250 erbaute ehemalige Filialkirche der Benediktiner aus Sieciechow, die zeitweise als Theater genutzt worden war. Das Gebäude wurde zu einer Kirche rückgebaut und am 15. August 1828 als nunmehr evangelische Kirche geweiht. Da die Kirche meist geschlossen ist, müssen Besuche im Pfarramt in der ul. Reja 6 angemeldet werden. Gleiches gilt für den alten evangelischen Friedhof.

Die Kurpie – Im Land der Kurpen

Im Nordosten der Woiwodschaft befindet sich bei Ostrołęka zwischen den Flüssen Pisa und Orzyc (Orschütz) die Kurpie. Die historische Region Kurpie liegt damit noch in der nordpolnischen Tiefebene. Sie war bis weit ins vorige Jahrhundert hinein nahezu vollständig bewaldet und ist bis heute fast unberührt.

Zu sehen ist das Freilichtmuseum in Nowogrod, Bild: Fczarnowski
Nowogrod, Freilichtmuseum, Bild: Fczarnowski

Ein besonderes Gebiet in der Kurpie ist die Kurpie-Heide. Sie wird auch Grüne Heide (Puszcza Kurpiowska oder Puszcza Zielona) genannt. Bei ihr handelt es sich um ein großes naturbelassenes Waldgebiet im Norden der Woiwodschaft Masowien. Das Waldgebiet besteht aus teils sumpfigen Urwäldern und teils von Wiesen und Feldern unterbrochenen Kiefern- und Fichtenwäldern. Die Heide ist das größte Waldgebiet der Wojewodschaft. Sie ist größtenteils Landschaftsschutzpark.

Die Kurpie ist das Siedlungsgebiet der Kurpen. Die Menschen dieser Region wurden ursprünglich „Menschen der Wildnis“ genannt, Puszczaki. Sie trugen selbstgefertigte Schuhe aus Bast, die kurpś genannt wurden und wohl zu Namensgebern der Menschen und der Region wurden.

Bei den Kurpen haben sich ausgeprägte Traditionen, Bräuche, Trachten, Feiern, Tänzen und Musiken aber auch Handgefertigtes wie Scherenschnitte bis heute lebendig erhalten. Und auch ihre Architektur ist kennzeichnend. Ihre Häuser sind strohgedeckt, am Dachfirst ist ein Kreuz oder ein Wimpel angebracht. Die Fußböden sind aus Holz hergestellt, die Möblierung spärlich. Die Fensterläden und Türen sind bunt bemalt.

Zu besichtigen ist all das im Kurpie-Haus in Nowogród, einem 1927 gegründeten Freilichtmuseum. Der Ort ist allerdings in der Masowien benachbarten Woiwodschaft Podlachien gelegen. Hier kann in originalgetreuen Kurpie-Häusern das traditionelle Leben der Kurpen nachempfunden werden. Dort erfahren Ihre Busreisenden auch alles über die traditionellen Feste und zugehörigen Festtagsbräuche. Mehr von der kurpischen Kultur präsentiert das ebenfalls sehenswerte Museum der Kurpischen Kultur in Ostrołęka.

Kulturell war die Kurpie sehr reich. Der einzige wirtschaftliche Reichtum allerdings, den diese Region kannte, war der Bernstein in den Sandern des Weichselglazials. Er wurde seit dem 17. Jahrhundert gefördert. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde er in Minen abgebaut. Der Bernstein wurde von den Kurpen zu Schmuck wie Hochzeitsketten oder zu Deckengehängen gefertigt. Mein Tipp falls Ihre Reise auch nach Podlachien führt: Im Bezirksmuseum der schon in der Wojewodschaft Podlachien liegenden Stadt Łomża wird die damalige Bernsteinförderung in Kurpien gezeigt.

Sie interessieren sich für einen meiner Tipps? Dann nehmen Sie doch bitte per Telefon oder E-Mail Kontakt mit meinem brylla-Team auf, das zusammen mit Ihnen gern das für Ihre Zielgruppe ideale Programm zusammenstellt.

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