Bäderarchitektur in Swinemünde an der Ostsee

Bäderarchitektur in Swinemünde, Hotel Admiral II. Foto: Marek BryllaIn meinem Blogartikel „Kolberg, Swinemünde oder Misdroy?“ wurden die drei bekannten polnischen Kurorte Kolberg, Misdroy und Swinemünde charakterisiert und miteinander verglichen. Diesen Artikel will ich nun aufgreifen und speziell auf die touristischen Highlights in der Swinemünder Hotellandschaft eingehen. Die Besonderheit an Swinemünde ist, dass Hotels hier überwiegend in älteren renovierten Villen untergebracht sind.

Diese Villen sind sehr oft im Stil der Bäderarchitektur gebaut. Wenn man durch das Kurviertel von Swinemünde spaziert, so fällt diese charakteristische Architektur der Gebäude sofort auf. Im 19. Jahrhundert waren nämlich Swinemünde und die umliegenden Ortschaften wie zum Beispiel Heringsdorf, Zinnowitz und Bansin die beliebtesten Treffpunkte der deutschen Oberschicht. In diesen Kurorten spielte sich auch das Gesellschaftsleben der Aristokratie ab und in den prunkvollen Villen wurden die neusten Modetrends präsentiert. Dieser Trend hat einen ganz besonderen Stil geprägt die „Bäderarchitektur“

Was versteht man unter dem Begriff „Bäderarchitektur“?

Bäderarchitektur in Swinemünde. Foto: Marek Brylla

Bäderarchitektur-Beispiel

Es handelt sich dabei um einen Architekturstil, der ganz typisch für die deutschen Seebäder an der Ostseeküste ist. Er entwickelte sich zwischen den Jahren 1793 und 1918, ausgehend vom deutschen Ostseeheilbad Heiligendamm.

Für den Kunst- und Bauhistoriker Dr. Klaus Winands vom Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern lässt sich der Begriff Bäderarchitektur wie folgt kennzeichnen: „Bäderarchitektur ist weder Stilrichtung noch spezifische Baugattung, sie zeichnet sich vielmehr durch verschiedene Komponenten von Stilen, Ausstattungselementen und Nutzungsarten aus, die im Hinblick auf ihren Zweck gleichwohl unter dem Begriff zusammengefasst werden können.“

Die Bäderarchitektur ist also ein Stilmix, ein Ensemble verschiedenster architektonischer Bauarten und Gestaltungselemente. Was aber lässt ihn dann als einheitlichen Stil erkennbar werden?

Beispiel für Bäderarchitektur in Swinemünde. Foto: Marek Brylla

Elegante Gebäude

Zum einen die Funktion der Gebäude: Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts finanzkräftige Industrielle oder Kaufleute die Ostseeküste als beliebten Urlaubsort für sich entdeckten, ließen sie als Bauherren die ersten Küstenvillen als prunkvolle Sommerresidenzen entstehen. Mit den Bauten spiegelten sie auch ihre gesellschaftliche Stellung wider. Sie zitierten dabei als Ausdruck ihrer Bildung unterschiedlichste vorhandene Architekturstile wie den Klassizismus, den Gründer- und Jugendstil oder auch den Barock und ließen deren Stilelemente miteinander verschmelzen.

Zum anderen sind es auch die folgenden typischen Merkmale der Gebäude:
zwei- bis viergeschossige Bauweise,

  • filigraner Gesamteindruck,
  • weiße Holzfassade,
  • zahlreiche Balkone und Veranden,
  • extravagante Zierelemente: Türmchen, Säulen, Erker und Brüstungen,
  • repräsentative, breite Eingangstreppen,
  • vertikale, hohe Säulen,
  • zahlreiche Dekorationsmotive und barocke Engelskulpturen
  • Flachreliefs an den Fassaden

Wie verlief die Geschichte der Bäderarchitektur in Swinemünde?

Noch unsaniertes Gebäude in Swinemünde. Foto: Marek Brylla

Teilweise noch unsaniert

Leider wurden sehr viele Kurbauwerke in Swinemünde durch den Krieg zerstört.Es gibt aber auch viele Villen, die langsam ihren früheren Glanz wieder zurückgewinnen.
Als Beispiel kann das Gebäude „Posejdon“ (vor dem 2. Weltkrieg hieß es „Hotel Park“) dienen, das 1908 erbaut wurde. Es ist eines der schönsten in Swinemünde.
Weitere Gebäuden, die mit Liebe zum Detail restauriert wurden sind das jetzige Kurhaus Bursztyn aus dem Jahre 1925 und das Kurhaus „Swarozyc“. Auch das Sanatorium „Baltyk“ und „Swiatowid“ zählen zu den typischen Objekten der Bäderarchitektur.

Es empfehlt sich sehr bei einem Spaziergang durch Swinemünde den Blick auf die schön restaurierten Villen zu werfen. Dabei kann man sich gut vorstellen, wie noch vor 100 Jahren die Crème de la Crème der deutschen Gesellschaft ihren Urlaub an der Ostsee verbrachte.

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