Polens Tourismus aus Expertensicht – Ein Interview mit Paweł Lewandowski

Paweł Lewandowski (© Polnisches Fremdenverkehrsamt)

Paweł Lewandowski (© Polnisches Fremdenverkehrsamt)

Heute bekommen Sie als besonderen Leckerbissen eine Einschätzung zu Polens Tourismus aus Expertensicht – Ein Interview mit Paweł Lewandowski, dem Leiter des Polnischen Fremdenverkehrsamtes in Deutschland. Darin wird deutlich, dass Polens Entwicklung zu einem Touristenmagnet kein Strohfeuer ist, sondern einem langjährigen Trend folgt. Alles spricht dafür, dass dieser Trend sich fortsetzt und zunehmend mehr Deutsche nach Polen reisen.

Lassen Sie sich überraschen von interessanten Einsichten und Hintergründen. Ganz nebenbei werden Sie ein paar Geheimtipps für Reisen nach Polen erhalten. Angebote dazu gibt es bei brylla reisen. Weitere Informationen zum Reiseland Polen finden sich beim Polnischen Fremdenverkehrsamt. Los geht’s mit dem Interview:

Herr Lewandowski, vielen Dank für Ihre Zeit, mit uns über den Tourismus in Polen zu sprechen. Sie sind Leiter des Polnischen Fremdenverkehrsamtes in Deutschland und haben täglich mit dem Thema zu tun. Was macht aus Ihrer Sicht den besonderen Reiz von Polen für Touristen aus?

An erster Stelle stehen für mich die unvergleichlichen Naturerlebnisse. Mit 23 Nationalparks, mehr als 120 Landschaftschutzparks und vielen weiteren Schutzgebieten, mit seinen riesigen Wäldern, Tausenden von Seen und einer 500 Kilometer langen Küste bietet Polen hervorragende Bedingungen für alle, die die Natur genießen und einen aktiven Urlaub verbringen möchten.


Mindestens ebenso wichtig ist unser kulturelles Erbe. In den vergangenen Jahren haben wir mit sehr viel Aufwand die historischen Zentren unserer Städte saniert. Doch wer heute durch Warschau, Krakau, Breslau oder Danzig schlendert, fühlt sich nicht wie in einem Museum, sondern erlebt lebendige Städte, die durch viele junge Menschen sowie ein kaum überschaubares Kultur- und Freizeitangebot geprägt sind.


Und schließlich verfügt unser Land inzwischen über eine sehr moderne touristische Infrastruktur. Viele Hotels und Pensionen sind erst in den letzten Jahren entstanden oder erneuert worden, deshalb verfügt Polen heute über eine Vielzahl moderner Unterkünfte, die den Vergleich mit anderen Ferienregionen in Europa nicht scheuen müssen. Das kann man gerade an der Ostsee erleben.

Und was ist Ihr persönlicher Lieblingsurlaubsort in Polen, wenn wir fragen dürfen?

Ich habe sehr viele Lieblingsorte in Polen und es würde den Rahmen sprengen, sie alle vorzustellen. Deshalb nur einen meiner Favoriten.

 

Ich bin in Łódź geboren und kehre immer wieder gerne dorthin zurück. Es ist unglaublich, wie die Stadt den Wandel nach dem Niedergang der Textilindustrie bewältigt hat. Viele der riesigen Backsteinfabriken aus dem 19. Jahrhundert wurden in moderne Lofts, Freizeit-, Kultur- oder Einkaufszentren verwandelt. Viele junge Künstler, Designer oder Modeschöpfer prägen das Bild der Stadt.

Also Theo, auf nach Lodsch!

Wie Sie wissen, hat sich brylla reisen auf deutschsprachige Reisegruppen spezialisiert. Für unser Geschäft können wir sagen, dass die letzten Jahre durchweg von einem Aufwärtstrend geprägt sind. 2017 wird für brylla reisen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Rekordjahr. Können Sie den Trend für den Reisemarkt Polen insgesamt bestätigen?

Wir erleben bereits seit dem EU-Beitritt Polens im Jahre 2004 einen steten Zuwachs von Gästen aus Deutschland. Im vergangenen Jahr zählten wir rund 6,5 Millionen deutsche Urlauber mit mindestens einer Übernachtung, das entspricht einem Plus von etwa acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutschland ist mit einem Anteil von mehr als einem Drittel aller ausländischen Touristen seit Jahren der mit Abstand wichtigste Auslandsmarkt für Polen. Und Polen zählt schon seit Jahren zu den zehn wichtigsten ausländischen Reisezielen der Deutschen.

Haben Sie schon Zahlen für die Saison 2017: Lassen sich bereits Prognosen treffen, wie sich 2017 insgesamt entwickeln wird und welche Regionen am meisten profitieren?

Wir haben noch keine detaillierten Zahlen, gehen aber davon aus, dass wir die Zahlen des Rekordjahrs 2016 zumindest halten oder gar noch ein wenig steigern können. Traditionelle Ziele für deutsche Gäste sind natürlich die Ostseeküste, Masuren und die Sudeten. Aber wir registrieren auch seit Jahren einen Zuwachs im Bereich der Städte- und Kulturreisen.

 

Erst sehr langsam gelingt es uns, mehr ausländische Gäste für die weniger bekannten Regionen des Landes, zum Beispiel das Lubliner Land oder die Vorkarpatenregion im Südosten, zu begeistern. Das sind noch immer echte Geheimtipps.

Wir sind etwas unsicher: Wir hoffen, dass Polen als Reiseland für Deutsche immer attraktiver wird. Sonst würden nicht immer mehr Deutsche nach Polen reisen. Aber andererseits ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass auch die Schwierigkeiten, mit denen die typischen Urlaubsländer aktuell zu kämpfen haben, Polen erst in den Fokus der Reisenden rücken. Meinen Sie, dass die Nachfrage nach Reisen in Polen wieder zurückgehen wird, wenn diese Länder wieder interessanter werden?

Dieser Einschätzung möchte ich zumindest teilweise widersprechen. Natürlich hat Polen im vergangenen Jahr auch davon profitiert, dass weniger Gäste in Länder wie die Türkei oder Ägypten reisten. Aber wie ich schon sagte, erleben wir bereits seit mehr als zehn Jahren einen steten Aufwärtstrend.

Der Aufwärtstrend Polens liegt einfach darin begründet, dass Polen seine touristische Infrastruktur ausgebaut hat. Es verfügt heute über sehr viele moderne Hotels, es bietet aber immer noch ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis für Besucher aus Deutschland.


Es gibt aber immer noch einen großen Markt von Deutschen, die bisher noch nie in Polen waren. Wenn wir weiter in die Entwicklung des Tourismus und das touristische Marketing investieren, sehe ich gute Chancen, dass die Zahl der deutschen Touristen auch weiter wächst.

Wir beobachten vermehrt, dass die Zielgruppe für Reisen nach Polen immer bunter wird. Vermehrt zeigen auch Familien mit jüngeren Kindern ohne polnische Wurzeln und Jugendliche Interesse an Reisen nach Polen. Lässt sich das grundsätzlich bestätigen?

Das Wachstum der vergangenen Jahre wäre ja gar nicht möglich gewesen, wenn es uns nicht gelungen wäre, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Während vor zehn Jahren noch ältere Gäste aus Deutschland dominierten, haben wir heute sehr unterschiedliche Besuchergruppen.

 

Dazu gehören Familien mit Kindern, denn Polen ist ein sehr kinderfreundliches Land und viele Hotels bieten sehr gute Bedingungen für Familien. Polens Großstädte sind hip geworden und ziehen viele junge Gäste aus ganz Europa an – natürlich auch aus Deutschland. Und viele Paare – ob jung oder alt – gönnen sich in Polen eine Wellness-Auszeit zu vergleichsweise günstigen Preisen.

Mit der steigenden Nachfrage nach Urlauben in Polen sind die Preise teilweise merklich gestiegen – vor allem in den größeren Ostseeorten. Sicher, die Leistung ist auch besser geworden. Aber: Der richtig billige Urlaub in Polen wird allmählich schwer zu finden. Und wenn man ihn bucht, fühlt er sich auch billig an. Ist es aus Ihrer Sicht ein Problem, dass der Preisvorteil in manchen touristischen Regionen langsam schwindet?

Sie haben recht, dass in diesem Sommer manche Hoteliers an der polnischen Ostsee ihre Preise kräftig angehoben haben. Offensichtlich waren sie verwöhnt vom Vorjahr, als an der Ostsee kaum noch freie Zimmer zu finden waren, weil auch sehr viel mehr Polen aufgrund der Krisen im Mittelmeerraum ihren Urlaub im eigenen Land verbracht haben. Aber es zeigte sich bereits, dass die Kunden nicht jeden Preis akzeptieren und manchmal mussten wieder Korrekturen nach unten erfolgen. Noch immer wächst das Angebot, es entstehen neue Hotels, auch das sorgt dafür, dass die Preise nicht unbegrenzt steigen können.

 

Natürlich ist Polen heute kein Billig-Reiseland mehr. Aber das liegt vor allem daran, dass sich Angebot entwickelt hat. Ein Zimmer in einem neuen 4-Sterne-Hotel mit Swimmingpool kostet einfach mehr als ein Zimmer in einer einfachen Ferienanlage. Aber wenn man Preise und Leistung vergleicht, wird man feststellen, dass ein Zimmer in einem 4-Sterne-Hotel in einem polnischen Seebad in der Regel immer noch deutlich günstiger ist als in einem vergleichbaren Hotel an der deutschen Küste. Aber auf längere Sicht werden die Preisvorteile schwinden – schon allein, weil sich auch die Gehälter im Gastgewerbe annähern werden. Deshalb können wir nicht nur mit günstigen Preisen werben, sondern müssen auch auf Qualität setzen.

Welche polnischen Regionen sind aus Ihrer Sicht touristisch sehr spannend, und werden von den Deutschen dennoch wenig bereist? Was könnten Gründe dafür sein? Und wird etwas dafür getan, dass sich das ändert?

Ich hatte bereits angesprochen, dass sich die meisten deutschen Gäste auf die traditionellen Feriengebiete wie die Ostsee und Masuren konzentrieren. Je weiter man nach Osten kommt, desto geringer wird ihre Zahl. Dabei liegen dort einige der schönsten Naturlandschaften.

 

Allein in der kleinen Woiwodschaft Podlasie gibt es vier Nationalparks, das sind unglaubliche Schätze. Früher hatten wir das Problem, dass die touristische Infrastruktur in diesen Regionen noch vergleichsweise schwach entwickelt war, doch in den letzten Jahren sind auch dort eine ganze Reihe moderner Hotels und Pensionen entstanden.

 

Nach wie vor gibt es aber das Problem der Erreichbarkeit. Trotz des Ausbaus der Straßen fährt man von Berlin aus neun bis zehn Stunden per Auto bis ins Lubliner Land oder nach Podlasie. Und per Flugzeug oder Bahn sind diese Gebiete auch nicht einfach zu erreichen. Dafür locken sie aber auch mit einer unvergleichlichen Natur und Gastfreundschaft, sodass sich auch eine längere Anreise lohnt.

 

Um den unbekannten Osten Polens bekannter zu machen, entstand in den vergangenen Jahren der Green Velo, ein Radweg, der auf 2.000 Kilometern Länge durch fünf Woiwodschaften und zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten führt. Hiervon erhoffen wir uns für die Zukunft einen kräftigen Schub. Die Infrastruktur ist da, jetzt braucht es nur noch mehr Veranstalter, die dort auch Reisen organisieren.

Welche Maßnahmen plant das Fremdenverkehrsamt 2018, um Polen in Deutschland attraktiv als Urlaubsland zu machen? Konzentrieren Sie sich dabei auf bestimmte Zielgruppen? Dürfen Sie schon etwas verraten?

2018 wird in Polen an die Neugründung des Staates vor 100 Jahren erinnert. Dieser Jahrestag ist natürlich ein guter Anlass, um auf das Land zu blicken, zu schauen, wie es sich in den vergangenen 100 Jahren entwickelt hat und für Polen als modernes Reiseziel im Herzen Europas zu werben.


Dabei möchten wir an die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre anknüpfen. Polen hat eine einzigartige Natur und bietet viele Möglichkeiten für aktive Touristen. Und Polen hat kulturell sehr viel zu bieten. Wir sprechen also sehr viele unterschiedliche Zielgruppen an: Familien, die einen Erholungsurlaub am Meer, an der See oder im Gebirge planen, aktive Touristen, die per Rad, Boot, zu Fuß oder mit dem Pferd unterwegs sind, Städtereisende oder Menschen, die etwas für 
ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun möchten.


In Deutschland sind wir auf mehreren Messen vertreten, unter anderem natürlich im März auf der ITB in Berlin. Über die Website polen.travel und Facebook informieren wir über aktuelle Themen und versuchen, die Lust auf Polen zu wecken. Und natürlich organisieren wir auch zahlreiche Touren nach Polen für Vertreter der Medien und der Reisebranche, um unser Land zu zeigen.

Die Politik dürfen wir in einem Gespräch natürlich nicht außen vor lassen. Auch wir werden regelmäßig auf die politischen Veränderungen seit dem Regierungswechsel 2015 angesprochen – auch wenn wir bisher keine politisch motiviert Stornierung einer Reise hatten. Bekommen Sie im Fremdenverkehrsamt davon etwas mit? Wie reagieren Sie auf entsprechende Anfragen?

Natürlich ist der Tourismus nie unabhängig von der politischen Großwetterlage. Das erlebt man in vielen Teilen der Welt.


Die meisten Touristen, die nach Polen reisen, wollen die Sehenswürdigkeiten und die Kultur des Landes kennenlernen. Sie machen ihre Entscheidung nicht davon abhängig, wer gerade die Regierung bildet. Die Ostseeküste oder die Masurischen Seen haben in Jahrmillionen ihre heutige Form erhalten, die Geschichte des Krakauer Wawelschlosses oder des Posener Doms reichen 1000 Jahre zurück, die Kultur und Tradition des Landes hat sich über Jahrhunderte entwickelt.


Polen war und ist ein sehr gastfreundliches Land. All das erweist sich zum Glück als beständiger als politische Stimmungen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Lewandowski!

 

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