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Posen Rathaus (© Radomil talk)
Posen Rathaus (© Radomil talk)

Posen – Polens unentdeckte Handelsmetropole

Posen (Poznań) ist Polens Messestadt, so wie Hannover Deutschlands Messestadt ist. Und Posen hat auch touristisch eine ganze Menge zu bieten. Daher ist es schade, dass Posen vielfach nur als Transitstadt auf dem Weg in den Polenurlaub oder bei Polen Rundreisen wahrgenommen wird. Denn die Stadt an der Warthe ist in eine wahre Erholungslandschaft eingebettet und gehört wie Krakau und Warschau zu Polens geschichtsträchtigen Kulturmetropolen. In Teil 4 meiner Artikelserie „Polen für Entdecker“ zeige ich Ihnen Posen – Polens unentdeckte Handelsmetropole. Viele sehenswerte Kulturgüter und Sehenswürdigkeiten geben Zeugnis von der Bedeutung der Stadt. Deshalb möchte ich eine Lanze für zumindest eine Stippvisite in Posen brechen. Das kann im Rahmen einer Busrundreise Polen oder jeder beliebigen Busreise nach Polen geschehen, denn über den Verkehrsknotenpunkt Posen führen viele Wege in andere Landesteile. Ich zeige Ihnen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, vor allem diejenigen, die zum Verständnis der Geschichte der Stadt zwischen Deutschland und Polen führen und ein paar außergewöhnliche Highlights. Sie werden sehen: Posen hat einiges zu bieten.

Die Dominsel – Wo Polens Geschichte begann

Ein touristisches Muss bei einem Posen-Besuch während Ihrer Busreise nach Polen ist die zwischen Wathe (Warta) und Cybina im Warthebogen gelegene Dominsel (Ostrów Tumski), denn dort begann die Geschichte Polens. Erfahrbar ist das in der Krypta des mächtigen Posener Doms. Dort befinden sich die Grabmale der ersten polnischen Herrscher Mieszko I. und Bolesław Chrobry und das Baptisterium aus dem Jahr 966, ein fünf Meter im Durchmesser großes Taufbecken aus Sandstein. Da der Dom an der Stelle der Taufe des damaligen Polanenfürsten Mieszko errichtet wurde, nimmt man an, dass es sich um das noch vor dem Bau der Kathedrale errichtete Baptisterium handelt, in dem Mieszko getauft wurde. In der Krypta des Doms haben sechs polnische Könige und Herzöge ihre letzte Ruhe gefunden und auch die Reste der vorromanischen Kirche sind dort zu besichtigen. So symbolisiert die über tausendjährige Geschichte der Dominsel die genauso lange Geschichte Polens. Deshalb hat dieser Dom eine so große Bedeutung für die geschichtsbewussten Polen. Bis heute ist er die Bischofskirche des Erzbistums Posen und das alles überragende Bauwerk der Dominsel.

Brama Poznańia ICHOT (© Kapsuglan)
Brama Poznańia ICHOT (© Kapsuglan)

Ein Spaziergang auf der Insel lohnt nicht nur wegen der hübschen kleinen Kirche der Heiligen Jungfrau Maria sondern auch wegen der malerischen engen Gassen und der historischen Häuser und Gärten der Domkanoniker. Auch das Museum der Erzdiözese Poznań ist einen Besuch wert, befindet sich dort doch das Schwert des Heiligen Peters sowie viele Sakralgegenstände und Messgewänder aus der tausendjährigen Geschichte der Diözese. Das Museum ist in der alten Lubrański-Akademie in der ul. Lubrańskiego 1 untergebracht.

Über die Geschichte der Dominsel informiert das 2014 eröffnete interaktive Informationszentrum „Brama Poznańia ICHOT” (Posener Tor) in der ul. Gadanska 2, nahe der Kathedrale.

In der Altstadt unterwegs

Neben der Dominsel bietet auch die angrenzende Posener Altstadt viele Sehenswürdigkeiten auf relativ engem Raum. Darunter sind Highlights wie das Rathaus, der Alte Markt mit dem Häuser-Ensemble aus der Renaissance oder das ehemalige kaiserliche Residenzschloss.

Das Kaiserschloss

Besonders für Reisende aus Deutschland von Interesse ist das neoromanische Kaiserschloss, das von Franz Heinrich Schwechten für den deutschen Kaiser Wilhelm II als adäquate Residenz für etwaige Aufenthalte in Posen entworfen und 1905 bis 1910 erbaut wurde. Der wuchtige eckige Turm sollte dem Kaiser und König Respekt verschaffen. Der 75 Meter hohe Turm war zur Bauzeit das höchste Gebäude Posens. In Deutschland wurde der Bau königliches Residenzschloss genannt, da es für den Kaiser in seiner Funktion als König von Preußen erbaut wurde, der auch Großherzog von Posen war. In Polen wurde es Kaiserschloss genannt. Mit Umsetzung des Versailler Vertrags wurde Posen wieder polnisch. Nun zog unter anderem das renommierte mathematische Institut der Posener Universität in die Residenz ein. Es waren Absolventen dieses Instituts, die später im Zweiten Weltkrieg von England aus den Code der deutschen Enigma-Verschlüsselungsmaschine knackten.

Im Zweiten Weltkrieg bekam Hitlers Lieblingsarchitekt Albert Speer den Auftrag die Residenz zur Führerresidenz umzubauen und eine maßstabsgetreue Kopie von Hitlers Arbeitszimmer einzubauen. Kein Wunder also, dass das Innere nun stark der Reichskanzlei ähnelte.

Nach 1945 wurde die Residenz an der ul. św. Marcin 80/82 zunächst als Rathaus genutzt. Heute heißt sie Kulturzentrum Zamek und wurde von zahlreichen zeitgenössischen Künstlern umgestaltet. Ausstellungen, ein Animationstheater für Kinder und Kulturinstitutionen sind hier untergebracht. Vielfach unentdeckte Winkel des Schlosses, wie der 5-Tonnen-schwere Thron Kaiser Wilhelms II. machen einen Rundgang spannend.

Das Nationalmuseum

Vor allem wenn Sie als Busunternehmer mit geschichtsinteressierten Reisenden eine Rundreise durch Polen unternehmen, ist das Nationalmuseum (muzeum narodowe) in der Al. Marcinkowskiego 9 ein weiteres Highlight. Schon 1857 wurde es als Museum für das polnische und slawische Altertum gegründet. Die Sammlungen europäischer und polnischer Malerei sind beachtlich, besonders die der polnischen zeitgenössischen Malerei und der bedeutendsten Sammlung spanischer Malerei in Polen. Ein besonderer kultureller Leckerbissen ist Claude Monets „Strand von Pourville“, das im Jahr 2010 zurück nach Posen heimkehrte, nachdem es zehn Jahre zuvor gestohlen worden war. Es ist das einzige Gemälde Monets, das in einem polnischen Museum zu finden ist.

Alter Markt und Rathaus

Posen Rathaus (© Radomil talk)
Posen Rathaus (© Radomil talk)

Dominiert wird der Alte Markt vom Rathaus, das als bedeutendster Renaissancebau Polens gilt. Noch bis 1945 diente der Bau als Rathaus, heute ist hier das interessante Museum zur Stadtgeschichte untergebracht. Besonders beeindruckend ist der große Saal mit seinen atemberaubenden Deckengemälden. Ältester Gebäudeteil ist der Keller aus dem 14. Jahrhundert, der übrige Bau stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Ein Bruch in der Baugeschichte war der große Stadtbrand von 1536. Nach problematischen Wiederaufbauversuchen wurde letztlich der Italiener Giovanni Battista di Quadro engagiert, der im damals modernen Renaissancestil bauen ließ. Auch eine von den Posenern heiß geliebte kleine Besonderheit ließ er 1551 einbauen, die Ziegenböckchen (Koziołki) an der Turmuhr. Wie kam es zu dieser Besonderheit? Die Legende berichtet von einem Festmahl zu Feier der Fertigstellung des Turms. Leider verbrannte dem Küchenjungen die Rehkeule. Er stahl stattdessen zwei Ziegenböckchen, um sie statt der Rehkeule zu braten, doch flohen die beiden auf den Rathausturm. Die Gäste bemerkten die Ziegenböckchen, die hoch oben auf dem Gesims gegeneinanderstießen. So ließ der Woiwode über der Uhr zusätzlich einen Mechanismus mit den Ziegenböckchen anbringen.

Die Krämerhäuser

Im Süden des Rathauses stehen die Krämerhäuser. Schon im Mittelalter war hier das Einkaufszentrum der Stadt mit hölzernen Buden, in denen man alles kaufen konnte, was man im Alltag so brauchte, von Heringen über Salz, bis hin zu Kerzen und Fackeln. Im 16. Jahrhundert wurden die Buden abgerissen. An ihrer Stelle wurden schmale Renaissance-Häuser mit Laubengängen gebaut. Unten waren die Geschäfte untergebracht, oben wohnten die Händler. In den Laubengängen zeigen und verkaufen heute junge Posener Künstler ihre Werke.

Wer ein wenig mehr Zeit hat für eine Besichtigung von Posen, sollte auch das heutige Rathaus nicht versäumen, das im Jesuitenkollegium am Plac Kolegiacki 17 untergekommen ist oder den Górka-Palast, der eines der schönsten Renaissanceschlösser Polens ist und das archäologische Museum beherbergt. Unbedingt sehenswert ist auch der im Zentrum gelegene 100 Hektar große Stadtpark Park Cytadela, der auf den Überresten der ehemaligen Preußischen Festung steht. Auch das preußische Fort III ist eine Besichtigung wert.

Martinshörnchen – Das kleine Extra zum Mitnehmen

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es in Posen die traditionellen Martinshörnchen (Rogal świętomarciński), die bis heute von rund 150 Bäckern am Martinstag dem 11. November verkauft werden. Allein an diesem Tag werden rund 250 Tonnen des süßen Gebäcks verkauft, das genügt für 1,25 Millionen Hörnchen. Sie süße Versuchung besteht aus Hefe-Blätterteig, Mohn, Nüssen und Rosinen. Die ursprünglich zu wohltätigen Zwecken nur am Martinstag verkauften Hörnchen kann man heute das ganze Jahr über in vielen Varianten kaufen. Nicht nur die Geschichte der Martinshörnchen wird im Hörnchenmuseum (Rogalowe Muzeum) am Alten Markt (Stary Rynek 41/2), erzählt, sondern hier kann auch mitgebacken werden.

Im Zentrum von Posen – Shopping und Kultur

Posen als fünftgrößte Stadt und Handelszentrum Polens, hat natürlich auch längst attraktive Shoppingangebote. Geben Sie also bei Ihrer Busreise durch Polen Ihren Gästen hier auch etwas freie Zeit zum Shoppen.

Stary Browar

Im Stadtzentrum an der ul. Półwiejska 32 befindet sich das 2003 eröffnete Kultur- und Geschäftszentrum Stary Browar (Alte Brauerei). Wie der Name es vermuten lässt, ist das Kultur- und Shoppingparadies in einer ehemaligen Brauerei untergekommen. Das Konzept für die alte Hugger-Brauerei ist spannend, über hundert Läden haben sich auf vier Etagen eingemietet, dazu kommen Büros von jungen Unternehmern mit ungewöhnlichen Geschäftsideen. Restaurants, Cafés, Bars und Bistros machen den Shoppingbereich attraktiv für die Besucher. Der Kulturbereich ist zwanglos integriert, es gibt Ausstellungen und einen Kunsthof als Veranstaltungsort für Theateraufführungen, Kleinkunst, zeitgenössischen Tanz aber auch Konzerte. Das Konzept wurde 2006 sogar zum besten Shoppingzentrum der Welt gewählt.

Poznan City Center

Posen City Center (© Adrian Grycuk)
Posen City Center (© Adrian Grycuk)

Das 2013 in Betrieb gegangene Poznań City Center gehört zu einem integrierten Verkehrskonzept mit dem Posener Hauptbahnhof als Mittelpunkt. Unter einem Dach sind der neue Bahnhof, der Busbahnhof, das Einkaufszentrum und eine 3-stöckige Parkgarage für 1500 Autos vereint. Posens neuestes Zentrum hat eine Fläche von mehr als 60.000 m², auf der Sie nicht nur über 250 Geschäfte – darunter alle bekannten Modelabel – finden. Im Center an der Stanisława Matyi 2 werden auch Modenschauen, Veranstaltungen für Kinder und vieles mehr organisiert.

Auf Themenrouten durch Posen

An bestimmten Themen interessierte Busreisende können Posen auf Themenrouten mit einem ganz anderen Blickwinkel neu zu entdecken. Zwei dieser Themenrouten können wir Ihren Reisenden besonders empfehlen:

a) Route der Könige und Kaiser:
Die Route führt durch die geschichtlich wichtigsten Stadtteile Posens, in denen die städtebauliche und kulturelle Entwicklung der Stadt sichtbar wird.

b) Route der Piasten:
Diese Route folgt den Spuren der polnischen Herrscherdynastie der Piasten, die zwischen dem 10. und 17. Jahrhundert viele polnischen Könige, Fürsten und Herzöge Polens gestellt hat.

Sie sehen, Posen hat auch für Busreisende viel zu bieten. Es gibt viele Möglichkeiten Posen-Besuche in Ihre Polen-Busreisen zu integrieren. Wir von Brylla-Reisen beraten Sie gern und finden den idealen Posen-Aufenthalt für Ihr Reiseprogramm.

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