Straßenbau in Polen – Wo es in Polen zukünftig flüssig läuft

A4 bei Krakau (© Jakub Hałun)

A4 bei Krakau (© Jakub Hałun)

Heute geht es um eine der zentralen Fragen für den Busverkehr: den Straßenbau in Polen. „Wo es in Polen zukünftig flüssig läuft“ ist die Überschrift. Denn Polens Straßeninfrastruktur erlebt in diesen Jahren schnelle und umfassende Verbesserungen. Zwar ist das Autobahnnetz auch heute noch nicht so engmaschig wie in Deutschland, doch wird der Abstand beständig und mit Hochdruck verringert. Das polnische Programm für den Straßenbau sieht für die Jahre 2014 bis 2023 Investitionen in Höhe von 46,2 Milliarden Euro vor. Im Programm sollen 1.250 Straßenkilometer gebaut werden.

Heute will ich Ihnen konkret sagen, was in Polens Straßenbau passiert. Damit möchte ich folgende Fragen beantworten: Wie weit ist der Ausbau besonders der für Sie als Busunternehmer wichtigen Autobahnen und Schnellstraßen gediehen? Und: welche Abschnitte werden demnächst fertig? Daneben gibt es ein paar interessante Informationen zum Mautsystem Polens.

Neue Verbindungen an der pommerschen Ostseeküste

Das Straßenbauprogramm der Woiwodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern) für 2014-2023 sieht den Bau von 470 Kilometern Schnellstraßen und Autobahnen vor. Wichtigstes Projekt wird der Bau der 330 Kilometer langen S6 sein, die vom Grenzübergang bei Stettin (Szczecin) unweit der Küste bis nach Danzig (Gdańsk) führen soll. Die S6 soll gemäß Planung 2020 komplett fertiggestellt werden und die DK6 großenteils ersetzen.

Ebenfalls vorangetrieben werden soll die Anbindung von Swinemünde (Świnoujście) und den Ostseebädern auf Wolin (Wolin) und Usedom (Uznam) an Stettin über die S3. Diese Anbindung stellt dann den nördlichsten Abschnitt der S3 dar, die unweit der deutsch-polnischen Grenze nach Süden bis nach Grünberg (Zielona Góra) und weiter zur tschechischen Grenze führt. Die Nord-Anbindung soll bis 2020 fertiggestellt sein. Vom Stettiner Flughafen Goleniów nach Süden ist die S 3 bereits befahrbar.

Im Raum Danzig und Masuren

Die S 22 vom Abzweig Elbing (Elbląg) in Richtung Königsberg (Kaliningrad) ist bis zur russischen Grenze bereits freigegeben.

Die S7 von Danzig nach Warschau ist zwischen Elbing und Osterode (Ostróda) in Betrieb. Die Stadtumgehung von Osterode zwischen Ostróda-Nord und Süd soll noch vor Jahresende komplett befahrbar sein. Gleiches gilt auch für den Abschnitt von Reichenau (Rychnowo) nach Hohenstein (Olsztynek West). Damit wäre die Strecke von Elbing bis zur Woiwodschaftsgrenze von Ermland und Masuren bei Nappern (Napierki) frei befahrbar. Im Oktober 2018 soll die Verbindung zwischen dem Knotenpunkt Żuławy und Elbing-West eröffnet werden, damit wäre die zwischen Danzig und Elbing noch bestehende Lücke geschlossen

Von der S6 sind bisher nur die Teilstücke der Umfahrungen von Naugard (Nowogard), also Nowogard-West bis Nowogard-Ost, von Slupsk-Reblink bis Slupsk-Redzikowo und die Verbindung von Gdingen (Gdynia-Chylonia – Gdańsk/Rusocin) nach Danzig mit Anschluss an die Autobahn A1 befahrbar. Vor 2019 sind dort keine weiteren Streckeneröffnungen zu erwarten.

Die Nord-Süd-Magistrale

Die A1, die auch Autostrada Bursztynowa (Bernstein-Autobahn) genannt wird, ist in weiten Bereichen bereits fertiggestellt. Durchgehend ist sie bis Piotrkow Trybunalski befahrbar. Der Abschnitt südlich von Kattowitz von Pyrzowice zur tschechischen Grenze bei Gorzyck ist ebenfalls bereits dem Verkehr übergeben. Insgesamt führt sie auf 565 Kilometer Länge von Danzig über Thorn (Toruń) zum Autobahnknoten Lodz-Nord (Łódź-Północ), wo sie die A2 kreuzt. Weiter führt sie über Tschenstochau (Częstochowa) und Gleiwitz (Gliwice) zur tschechischen Grenze bei Wodzisław Śląski. Am Autobahnknoten Gliwice-Sośnica kreuzt sie die A4. Die A1 ist Teil des paneuropäischen Verkehrskorridors VI.

Der Knotenpunkt Tschenstochau soll in allen drei Abschnitten zwischen Dezember 2018 und dem April 2019 fertig gestellt werden. Der südlich weiterführende Abschnitt von der Abfahrt Tschenstochau-Süd (Czȩstochowa-Południe) nach Wożniki wird im Juni 2019 fertig. Die Arbeiten für die noch fehlenden 66 Kilometer der A1 in der Lücke zwischen Piotrkow Trybunalski und Tschenstochau-Nord (Czȩstochowa-Północ) sind erst in der Planung.

Die S3 führt von Wollin über Stettin (Szczecin), Landsberg Warthe (Gorzow Wielkopolska), und Liegnitz (Legnica) zum Grenzübergang zwischen Polen und der Tschechischen Republik bei Liebau (Lubawka). Sie ist von der Flughafenabfahrt Goleniów bei Stettin und Grünberg-Nord (Zielona Gora-Nord) auf 256 Kilometer Länge befahrbar seit im Oktober die Strecke zwischen Züllichau (Sulechów) und Jelenia-Góra-Nord fertig wurde.

Die West-Ost-Magistrale

Von der zentral durch die Mitte Polens verlaufenden West-Ost-Magistrale A2, die vom Grenzübergang Świecko bei Frankfurt/Oder über Posen (Poznań) – und Warschau (Warszawa) nach Brest führt, gibt es nicht viel Neues zu berichten. Auf 454 Kilometer Länge bis Warschau-Konotopa ist die A2 befahrbar, auch der 21 Kilometer lange Abschnitt zwischen Choszczowka Stojecka und Kaluszyn ist in Betrieb. Die Strecke zwischen Warschau-Lubelska und Choszczowka Stojecka wird frühestens 2020 dem Verkehr übergeben, die restlichen Abschnitte bis zur weißrussischen Grenze sind erst in Planung.

Durch Schlesien nach Krakau

Verbindung A1 und A4 (© Mikołaj-Welon-vel-Welones)

Verbindung A1 und A4 (© Mikołaj-Welon-vel-Welones)

Seit dem 20. Juli 2016 bereits in voller Länge fertiggestellt ist die A4, die bisher längste polnische Autobahn. Sie führt vom deutsch-polnischen Grenzübergang Ludwigsdorf/Jędrzychowice über Liegnitz (Legnica), Breslau (Wrocław), Oppeln (Opole) und Kattowitz (Katowice) nach Krakau (Kraków) und weiter über Tarnów und Rzeszów zum ukrainischen Grenzübergang Korczowa/Krakowez.

Auch die Anbindung der Deutschen Autobahn A18 aus Berlin am Kreuz Kreisau (Krzyżowa) ist bereits in Betrieb.

Neues zum polnischen Mautsystem

Die Tage des polnischen viaToll-Mautsystems der Firma Kapsch Telematic Services sind gezählt. Zum Ende des kommenden Jahres 2018 läuft der Vertrag aus, eine neues System soll eingeführt werden. Die Ausschreibungen laufen bereits, 19 Bewerber-Konsortien haben ihre Angebote abgegeben. Das System sei nicht mehr auf dem neuesten Stand der schnelllebigen Technik betont hierzu ein Sprecher der Generalstraßendirektion GDDKiA. Das neue System soll mit dem geplanten Europäischen Mautsystem EETS und den Systemen der privat bewirtschafteten Autobahnstrecken in Polen kompatibel sein und zur Verbrechensbekämpfung, etwa beim Finden gestohlener Fahrzeuge einsetzbar sein. Vor allem soll es ein Ende der Pkw-Schlangen an den Zahlstellen bringen. Das neue elektronische Zahlungssystem wird ohne die Zahlstellen auf den Autobahnen auskommen.

Das bisherige System hat in Polen dem Staatssäckel zwischen 2011 und 2016 Netto-Einnahmen aus der Maut für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro beschert. Nach den neusten Fertigstellungen werden nun rund 3.600 Straßenkilometer vom Mautsystem erfasst. Die Zahl der mautpflichtigen Straßenkilometer wird weiter steigen.

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