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Das Glatzer Land – Wellness, Kultur und Natur

Tafelberge Glatzer Land. Foto: Polnisches FremdenverkehrsamtFür Touristikprofis besonders interessant: Das Glatzer Land – Wellness, Kultur und Natur vom Feinsten. Diese  besonders erlebenswerte Landschaft in Polen möchte ich Ihnen heute vorstellen – natürlich mit dem besonderen Blick für die Belange von Gruppenreisen. Lassen Sie sich überraschen von der Vielfalt und dem Umfang der Angebote!

Geschichte und Lage

Tafelberge. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Tafelberge Glatzer Bergland

Das Glatzer Bergland umfasst die einstige Grafschaft Glatz und fällt mit den Grenzen des gegenwärtigen Landkreises Glatz (Powiat Kłodzki) zusammen. Heute wird die Region meistens Glatzer Land (Ziemia Kłodzka) genannt. Ursprünglich war es ein Nebenland der böhmischen Krone bevor es nach den Siegen Friedrichs des Großen in den Schlesischen Kriegen 1742 an Preußen überging. Es gehörte bis 1945 zu Deutschland und der Provinz Schlesien.

Auf der Landkarte Polens ist das südlich von Breslau (Wrocław) gelegene Glatzer Land leicht zu erkennen. Das Glatzer Land ist von Mittelgebirgen umgeben: Im Nordwesten das Heuscheuergebirge (Góry Stołowe), im Osten sind es das Eulengebirge (Góry Sowie) und Reichensteiner Gebirge (Góry Złote), im Süden das Glatzer Schneegebirge (Masyw Śnieżnika) sowie das Bielengebirge (Góry Bialskie), im Westen schließen das Habelschwerdter Gebirge (Góry Bystrzyckie) und das Adlergebirge (Orlické Hory) den Kreis.

Das Glatzer Land ist also durch natürliche Grenzen gut geschützt, und wird daher auch als Glatzer Kessel bezeichnet. Doch waren die schützenden Gebirge in der Geschichte nie unüberwindbar. Die Pässe im Westen und Süden waren leicht passierbar, der Neißedurchbruch bei Wartha (Bardo Śląskie) schaffte von alters her gute Verkehrswege und verbanden das Glatzer Land mit Schlesien sowie mit Böhmen und Mähren. Damit ragt Region wie ein flachliegendes Rechteck ein Stück in die Tschechische Republik hinein.

Vielfältiges Glatzer Land

Im Glatzer Land können Ihre Gäste eine wunderbare Natur genießen. Die gesunde Luft und eine Vielzahl von über 40 Heilquellen ließ hier viele Kurorte entstehen wie Bad Kudowa (Kudowa Zdrój), Bad Landeck (Ladek Zdrój), Bad Reinerz (Duszniki Zdrój) und Bad Altheide (Polanica Zdrój), die eine lange Tradition haben und sowohl Kuraufenthalte als auch Wellnessurlaub ermöglichen. Dort findet man dazu viele Kulturangebote, schöne Parks und alte Bäderarchitektur. Aber auch im Winterurlaub hat das Bergland viel zu bieten, und auch Kulturfreunde kommen nicht zu kurz in diesem Teil Niederschlesiens. Es gibt also viel zu entdecken in der Region um Glatz.

Ich zeige Ihnen nachfolgend, was man unbedingt im Glatzer Land gesehen haben sollte.

Die Top-Sehenswürdigkeiten im Glatzer Land

Glatz – Eine kulturell vielfältige Stadt

Glatz liegt mitten im Glatzer Kessel am Ufer der Glatzer Neiße. Die malerische Stadt gilt als eine der ältesten Niederschlesiens und erhielt bereits 1275 die Stadtrechte. Die Stadt war immer von verschiedenen Volksgruppen bewohnt – das funktionierte allerdings nicht immer ohne Besitzstreitigkeiten. Polen, Tschechen und Deutsche lebten in der Stadt und sorgten für die große kulturelle Blüte im 16.Jh., die Glatz und seine Altstadt bis heute prägen. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten gehören das Franziskanerkloster und das 1664 erbaute einstige Jesuitenkonvikt. Es beherbergt heute das Regionalmuseum Muzeum Ziemi Kłodzkiej. Sehenswert ist auch die Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt, eine spätgotische Kirche mit einer kulturhistorisch bedeutenden Innenausstattung mit dem Christoph-Tausch-Altar. Nicht versäumen sollten Ihre Reisenden die St. Johannes Brücke, die auch Veit-Stoß-Brücke (Wit-Stwosz-Brücke) genannt wird und über dem Młynówka-Kanal führt. Veit Stoss wird hier mit wunderschönen Skulpturen und Figuren geehrt. Gebaut wurde die Brücke als Verbindung zwischen Altstadt und Sandinsel.

Die Festung Glatz

Festung Klodzko Glatz. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Festung Klodzko Glatz

Das touristische Highlight der Stadt Glatz ist die Festung auf dem Festungsberg. Diese ehemals böhmische Burg wurde im 15. Jahrhundert zu einem Schloss erweitert, und im 17.-18. Jahrhundert zu einer Festung umgebaut. Diese alte Stadtbefestigung lag an einer Fernhandelsstraße, die an der Bernsteinroute lag. Mit rund 30 ha Fläche hat die österreichische Festung eine beeindruckende Größe und gilt als die wertvollste Fortifikationsanlage des 17. und 18. Jhd. in Polen. Sie ist ein klassisches Beispiel für Verteidigungsarchitektur.

Mein Tipp: Das hoch entwickelte militärische System ist mit den Bastionen, Höfen, Kasematten und vielen Ausstellungen eine Besichtigung wert. Dazu bieten Aussichtplattformen herrliche Aussichten auf die Stadt und das südliche Glatzer Land.

Wallfahrtskirche und Kalvarienberg Albendorf – Das schlesische Jerusalem

Wambierzyce. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Wambierzyce

Albendorf (Wambierzyce) ist einer der wichtigsten polnischen Marien-Wallfahrtsorte. Die barocke Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung wurde zwischen 1716 und 1721 vom Grundbesitzer Franz Anton Graf von Götzen gestiftet und von einem nicht bekannten Baumeisters – möglicherweise ein Schüler des Baumeisters und Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer – erbaut. Durch die breite, repräsentative Stiege mit 33 Stufen erreicht man die Kirche. Im Zentrum des Gotteshauses steht die oval gestaltete Gnadenkapelle. In den barocken Hochaltar ist über dem Tabernakel der kleine Schrein mit der gotischen Figur der Mutter Gottes von Albendorf eingearbeitet ist. Sowohl Hochaltar als auch die Kanzel stammen vom damals im Glatz ansässigen Wiener Bildhauer Karl Sebastian Flacker. Den Kalvarienberg mit Kapellen und Monumenten mit Darstellungen der Passion Christi auf dem der Kirche gegenüber liegenden „Berg Sinai“ genannten Hügel ließ Daniel von Osterberg zwischen 1683 und 1709 nach einer Reise ins Heilige Land errichten. Genau wegen dieses Kalvarienbergs wird Albendorf gern „Schlesisches Jerusalem“ genannt.

Mein Tipp: Auch für Nicht-Katholiken ist das Schlesische Jerusalem ein großartiges Beispiel barocker schlesischer Baukunst.

Die Kurorte des Glatzer Lands

Kurhaus Ladek Zdroj. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Kurhaus Ladek Zdroj

Bekannt ist das Glatzer Bergland bis heute für seine vielen Traditions-Kurorte, denn hier sind große Mineral- und Heilwasservorkommen zu finden, die mal kohlesäurehaltig, mal schwefelhaltig sind. Die Heilkraft dieser Quellen ist teils seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Das ermöglicht sowohl Trink- als auch Badekuren. Der Kurerfolg wird durch das milde Mittelgebirgsklima gefördert. Kein Wunder, dass sich in dieser Region schon im 19. Jahrhundert Heil- und Kurorte bildeten, deren lange Tradition und Bäderarchitektur bis heute im Ortsbild sichtbar ist.

Mein Tipp: Die Kurorte des Glatzer Landes sind Wohlfühlorte, ob bei einer Kur oder einer Rundreise. Die meiner Meinung nach schönsten Kurorte der Region für Ihre Reisenden stelle ich im Folgenden vor. Praktisch: Sie liegen nicht weit voneinander entfernt.

Bad Kudowa (Kudowa Zdrój)

Kaum zu glauben, aber der schöne Kurpark war einst ein sumpfiges Tal. Nach der mühsamen Trockenlegung wurde der weiträumige Kurpark von den Grafen von Götzen angelegt und immer wieder erweitert. Heute wachsen dort viele selten gewordene Baumarten wie Silber-Pappeln, Weymouth-Kiefern und sehr alte Eibenarten, aufgelockert durch zahlreiche Rhododendren, den prächtigen Rosengarten und andere Zierpflanzenarten. Die Kurpromenade führt auf einem Kilometer Länge durch den Kurpark bis hin zum Hammerteich. Bei einem Spaziergang durch den Kurpark kommen Ihre Reisenden an den Badehäusern vorbei sowie an der Trink- und Wandelhalle, die auch als Konzertsaal dient. Das „Muss“ für einen klassischen Kurort darf natürlich auch nicht fehlen: Die Orchestermuschel. Dazu finden sich viele Elemente klassischer Bäderarchitektur aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, wie die überdachten Promenadenabschnitte und die als Allee ausgeführte Promenade am Ufer des Hammerteichs.

Bad Reinerz (Duszniki Zdrój) der „Chopin-Kurort“

Bekannt war Bad Reinerz wegen seiner natürlichen Kohlensäurebäder schon früh und galt Ende des 19. Jh. als führendes Herzheilbad in Europa. Für die frühe große Bekanntheit von Bad Reinerz spricht auch dies: Der damals 16jährige polnische Komponist Frédéric Chopin gab hier schon 1826 ein Wohltätigkeitskonzert und ist bis heute überall im Ortsbild präsent. Ein Chopin-Denkmals wurde 1897 von der Bad Reinerzer Stadtverwaltung vor dem Kurtheater errichtet, das schon Anfang des 19. Jahrhundert erbaut wurde.
Weitere Traditionsbauten im Kurpark sind die Trinkhalle mit dem angeschlossenen Badehaus aus dem frühen 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde eine 151 Meter lange steinerne Wandelhalle im venezianischen Stil angebaut. Auch in der Trinkhalle befindet sich ein Chopin-Denkmal. Jedes Jahr im August findet schon seit 1926 ein Chopin-Festival statt.

Bad Altheide (Polanica Zdrój)

Bad Altheide besitzt saure Mineralquellen und wunderschöne Landschafts- und Kurparkanlagen, die zum Erkunden einladen. Im 13 ha großen Kurpark warten wunderschöne Rhododendren auf Bewunderer, und ein alter Springbrunnen, der am Wochenende beleuchtet ist. Der Kurpark steht unter Denkmalschutz. Die zwischen 1911 und 1913 erbaute Trinkhalle besitzt sowohl klassizistische als auch Jugendstil-Merkmale. Sie ist mit dem Kurtheater verbunden, denn in beiden Bauten werden auch Konzerte und Theaterstücke veranstaltet.

Die Bärenhöhle im Schneeberg-Massivs

Klessengrund (Kletno) im Glatzer Schneegebirge (Masyw Śnieżnika) ist ein Teil der Ostsudeten. Hier findet sich die längste Tropfsteinhöhle des ganzen Sudetenkamms. Die Bärenhöhle (Jaskinia Niedźwiedzia) wurde einst tatsächlich von Bären bewohnt, vorgeschichtliche Knochen- und Skelettfunde belegen das. Die Gänge der erst 1966 bei Sprengarbeiten im nahen Kalksteinbruch entdeckten Bärenhöhle sind rund drei Kilometer lang und verlaufen in drei Stockwerken. Seit 1977 ist die Bärenhöhle als Naturreservat gestützt. Für Besucher zugänglich ist die mittlere Ebene der Bärenhöhle. Bei einer Besichtigung der Tropfsteinhöhle zeigt ein Führer Ihren Reisenden ein Höhlenlabyrinth mit beeindruckenden Sälen von bis zu 40 Metern Höhe und 60 Metern Länge sowie 50 Meter hohen Kaskaden. Dazu lässt er sie die schönsten Stalagmiten und Stalaktiten entdecken. Im Eingangspavillon sind die zahlreichen Knochenfunde ausgestellt.

Mein Tipp: Die Höhle ist gut zu erreichen, es gibt genügend Parkplätze und die Höhle ist nur wenig mehr als einen Kilometer von den Parkplätzen entfernt.

Die Tafelberge im Nationalpark Heuscheuergebirge (Góry Stołowe)

Das Heuscheuergebirge ist ein Teil der Mittelsudeten und beginnt keine 20 km westlich von Glatz. Von dort erstreckt es sich bis zur tschechischen Grenze.

Góry Stołowe, die polnische Bezeichnung des Heuscheuergebirges, bedeutet „Tafelgebirge“. So ist auch der Nationalpark benannt, zu dem das Gebirge gehört. Und tatsächlich wähnt man sich in Südafrika, wenn man die Formationen sieht. Dann versteht man auch den deutschen Namen, denn die Berge sehen wie riesige Heuscheuer aus. Das Mittelgebirge ist 18 Kilometer lang, 6 Kilometer breit und das einzige Tafelgebirge Polens mit Sandstein-Tafelbergen. Schon 1790 wurde das Heuscheuergebirge von Franz Pabel aus Karlsberg (Karłów) erstmals touristisch erschlossen.

Mein Empfehlung: In und um Karlsberg finden sich genügend Parkplätze. Dort hat man den 919 m hohen Großen Heuscheuer (Szczeleniec Wielki) und den 895 hohen Kleinen Heuscheuer (Szczeleniec Mały) bestens im Blick. Der Ort ist Ausgangspunkt schöner Wanderungen und Spaziergänge, die alle gut markiert sind.

Wilde Löcher im Nationalpark Heuscheuergebirge

Ebenfalls im Nationalpark Heuscheuer (Góry Stołowe) aber im 915 m hohen weiter westlich gelegenen Skalnik-Massiv gelegen sind die die Wilden Löcher (Błędne Skały). Dabei handelt es sich um eine 850 Meter hohe, 2,5 Kilometer lange und 22 Hektar große Felsformation, die polenweit einmalig ist. Die einzigartigen, bizarren Felsformationen wurden in Millionen von Jahren von Wasser und Wind aus dem Sandstein geformt und liegen direkt an der tschechischen Grenze. Auf ein paar hundert Meter langen Touristenwegen können Besucher in ungefähr 40 Minuten dieses Labyrinth mit seinen engen Spalten und Felsen durchwandern. Die Gänge sind 6 bis 8 Meter hoch und an einigen Stellen weniger als einen Meter breit.

Mein Tipp: Dort kommt man auch mit Bus dicht an die Wilden Löcher heran, es gibt dort genügend Parkraum. Die Anreise erfolgt über Karłów und Fort Karola.

Reichenstein (Złoty Stok) die Stadt des Goldes

Die kleine Stadt Reichenstein (Złoty Stok) grenzt ans Glatzer Land und liegt am Fuß des Reichensteiner Gebirges (Gory Zlote) nahe der tschechischen Grenze. Ein hübsches, malerisches kleines Städtchen, in dem ganz offenbar in seiner reichen Geschichte viele wohlhabende Menschen lebten. Doch dass sich hier Goldvorkommen befanden, die zu den bedeutendsten in Europa gehörten, würde man dennoch nicht vermuten. Schon seit dem 13. Jahrhundert waren Goldvorkommen bekannt. In der Blütezeit von Reichenstein im 16. Jahrhundert arbeiteten schon 200 Bergleute in den Goldgruben. Reichenberg allein lieferte damals fast zehn Prozent der gesamten europäischen Goldproduktion. Insgesamt wurden dort in der siebenhundertjährigen Produktionszeit insgesamt 16 Tonnen Gold gefördert. Als es im 18. Jahrhundert immer schwerer wurde, ergiebige Goldadern zu erschließen, hatte man Glück und fand in Reichenstein Arsen, das schnell zum hauptsächlich geförderten Rohstoff Reichensteiner Bergwerke wurde. Das Gold wurde von da an nur als Nebenprodukt gefördert. Die 1961 stillgelegten Bergwerke wurden 1996 als unterirdische Touristenroute „Goldbergwerk“ wieder eröffnet, für die interessante Abschnitte für Touristen geöffnet wurde, besonders der Schwarze Stollen.

Das Museum für Goldbergbau und Goldhüttenwesen

Das Museum für Goldbergbau und Goldhüttenwesen (Muzeum Górnictwa i Hutnictwa Złota) befindet sich im oberen Teil der Schlucht Złoty Jar. Dieses Museum informiert über die 700jährige Bergbaugeschichte und Goldverhüttung in Reichenstein und zeigt eine Mineraliensammlung. Von den in der langen Zeit der Existenz der Grube auf 21 Ebenen angelegten 300 Kilometer langen Gänge, Schächte und Stollen ist heute der Schwarze Stollen zu besichtigen. Hier wird verdeutlicht, wie die Technik des Gold- und Arsenabbaus sich über die Jahrhunderte verändert hat. Magisches Highlight jedoch ist die Kammer mit dem zehn Meter hohen spektakulären Wasserfall, der mit farbigem Licht angestrahlt wird und dessen Rauschen durch den Hall in der Kammer anschwillt.

Mein Tipp: Auch auf dem Außengelände gibt es für Ihre Reisenden viel zu erleben wie eine unterirdische Bootsfahrt und Goldwäsche.

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