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Route der Ritterburgen des Deutschen Ordens im Nordosten Polens

Schloss Heilsberg. Foto: Polnisches FremdenverkehrsamtDie Anfragen meiner Leser machen es für mich deutlich: Themenreisen erfreuen sich einer stetig wachsenden Beliebtheit bei Busreisenden. Deshalb habe ich heute wieder einen Tipp für eine Themenreise. Dabei geht es um Reisen auf der Route der gotischen Ritterburgen, auf der Ihre Reisenden auf den Spuren des Deutschen Ritterordens und der Backsteingotik durch den Norden Polens reisen.

Der Deutsche Ritterorden war ursprünglich um 1100 als karitative Gemeinschaft gegründet worden. Um 1198 wurde er als geistlicher Orden anerkannt und beteiligte sich später an den Kreuzzügen ins Heilige Land aber auch an der deutschen Ostkolonisation. Er gründete in den deutschen Ostkolonien einen Ordensstaat. Die westliche Grenze des Ordensstaats bildete auf natürliche Weise die Weichsel. Aber die Burgen von Bütow (Bytow), Schlochau (Człuchów), Neuenburg (Nowe) und Mewe (Gniew) haben eine Sonderstellung, sie liegen westlich der Weichsel und bezeugen die Versuche des Ordens auch nach Westen zu expandieren.

Schon bei der Anreise werden Ihre Reisenden beim spektakulären Blick auf das malerisch hoch über dem Fluss gelegene Kulmhof (Chełmno) und auf die Befestigungen Graudenz erkennen, von welcher Bedeutung einst der Weichselübergang und seine Verteidigung waren. Auch der Deutsche Orden begann mit dem Übersetzen über die Weichsel bei seiner Ostkolonisation in Kulmhof (Chełmno).

Sechzehn Orte mit Ordensburgen haben sich zur Gesellschaft „Polnische Gotik-Burgen“ (Polskie Zamki Gotyckie) zusammengeschlossen: Bytów, Człuchów, Dzierzgoń, Skarszewy, Prabuty, Malbork, Sztum, Gniew, Kwidzyn, Nowe, Ostróda, Nidzica, Olsztyn, Lidzbark Warmiński, Kętrzyn, Ryn.

Stowarzyszenie Gmin „Polskie Zamki Gotyckie“
ul. Pieniężnego 10
10-006 Olsztyn
http://zamkigotyckie.org.pl/

Ich habe aus diesem Angebot acht Ritterburgen ausgesucht, die sich gut zu einer Themenreise auf den Spuren des Deutschen Ordens von der Weichsel bis nach Tannenberg verbinden lassen. Sie decken damit fast die gesamte Geschichte des Ordensstaats ab, vom Beginn mit dem Weichselübertritt bis zum Anfang vom Ende auf den Feldern der Schlacht von Tannenberg 1410 und dem Besuch des Schlachtmuseums von Grunwald.

Mein Tipp: Auch im Rahmen einer Reise nach Masuren liegen diese Burgen sozusagen am Weg und können gut von Ihnen in Ihr Reiseangebot integriert werden.

Die Marienburg: das Machtzentrum des Deutschen Ordens

Burg Marienburg. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Burg Marienburg

Die von 1270-1300 erbaute Marienburg an der Nogat war als Hochmeistersitz von 1309 bis 1454 das Machtzentrum des Deutschen Ordens und des Ordensstaats. Die gewaltige Anlage ist die europaweit größte gotische Backsteinburg. Nach der Tannenbergschlacht 1410 wurde sie von Władysław Jagiełło erfolglos belagert, doch nach dem Dreizehnjährigen Krieg stand die Ordensmacht 1457 an der Nogat vor dem Ende und die Burg fiel an Polen. Im Zuge der Ersten Polnischen Teilung kam sie an Preußen. Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, ist sie heute wieder aufgebaut und wird ständig weiter rekonstruiert. Die Burg gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist eine der größten Sehenswürdigkeiten Polens.

Mein Tipp: Weisen Sie Ihre Reisenden besonders auf die Dauerausstellung „Bernstein-Kontexte“ hin, die über die wirtschaftliche Bedeutung des Bernsteins mit wunderbaren Exponaten Informiert. Wenn die Termine in Ihre Programme passen, nutzen Sie doch die besonderen Angebote des Museum wie die „Belagerung der Marienburg“ jeweils im Juli oder die „Nächtliche Schlossbesichtigung“ immer von Mitte September bis Mitte April und geben Sie Ihrem Angebot eine persönliche Note. Noch eine Empfehlung: Machen Sie einen Fotostopp am Westufer der Nogat. Einfach direkt vor der Nogatbrücke links abbiegen und auf dem Parkstreifen halten.

Muzeum Zamkowe w Malborku
ul. Starościńska
5 82-200 Malbork
www.zamek.malbork.pl

Der Burg- und Domkomplex in Marienwerder (Kwidzyn)

Burg Marienwerder Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Burg Marienwerder

Die Burg von Marienwerder an der unteren Weichsel bildet einen gemeinsamen Komplex mit dem Johannesdom. Das von 1322 bis 1360 erbaute Schloss wurde vom Domkapitel der pomesanischen Bischöfe als Wohn- und Verwaltungssitz genutzt. Der 54 m hohe Hauptturm der Burganlage diente gleichzeitig als Glockenturm des 1344 bis 1355 erbauten gotischen Backsteindoms in dem drei Ordenshochmeister und viele der pomesanischen Bischöfe bestattet sind. Nach der Säkularisierung des Ordensstaates gehörte Marienwerder zum Herzogtum Preußen, die Domkirche wurde Sitz der evangelischen Bischöfe von Pomesanien. Nach der Volksabstimmung von 1920 blieb Marienwerder bis zum Ende 1945 beim Deutschen Reich.

Besonders ins Auge aber fällt ein architektonisches Detail, das einmal typisch für Ordensburgen war, aber nirgends so spektakulär ausgeführt war: der Danzker. Der vorgelagerte Abortturm war durch eine geschlossenen Brücke mit dem Schloss verbunden. Von diesem Turm aus wurden die Exkremente direkt in ein Gewässer geleitet. Der Danzker wurde im 19. Jahrhundert rekonstruiert und dann als Gefängnis genutzt.

Heute ist die weitestgehend restaurierte Ordensburg Marienwerder Sitz eines Museums mit Ausstellungen zur Geschichte der unteren Weichselregion und des Bistums Pomesanien mit vielen Exponaten und Dokumenten. Vor allem in der Sommersaison werden zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen geboten.

Mein Tipp: Burg und Dom in Marienwerder sind absolut sehenswert und vermitteln authentisch die Lebenswelt der Ordensritter. Die Anlage ist kleiner als die Marienburg und daher auch für Reisende geeignet, denen die Erkundung der Marienburg zu anstrengend ist.

Zamek w Kwidzynie
ul. Katedralna 1
82-500 Kwidzyn
http://zamek.kwidzyn.pl/

Die Burg des Ermländischen Kapitels in Allenstein (Olsztyn)

Schloss Allenstein Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Schloss Allenstein

Seit 1346 wacht hoch droben über der Alle das Schloss. Das Wahrzeichen der heutigen Hauptstadt der Woiwodschaft Ermland und Masuren ist weithin erkennbar durch den oben runden und unten eckigen 40 Meter hohen Turm aus dem 14. Jahrhundert. Die Burg bestand zunächst aus dem Nordostflügel am rechteckigen Hof mit dem Zugang über eine Zugbrücke. Der südwestlichen Flügel wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Die Schlossmauer wurde mit der Stadtmauer verbunden. Der größte Schlosssaal diente früher als Remter und zeigt ein Kristallgewölbe aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Ordensburg war Verwaltersitz des Ermländischen Domkapitels. Berühmtester dieser Verwalter war 1516-1521 der große Astronom Nikolaus Kopernikus, der hier auch forschte. Ein sichtbares Zeichen ist bis heute auf der Wand des Kreuzgangs erhalten, das 1517 erstellte Diagramm zur Tag- und Nachtgleiche. Heute dient das Schloss als Museum und Kulturzentrum. Im Ermländisch-Masurischen Museum informiert die Kopernikus-Dauerausstellung über seine Zeit in Alleinstein, dazu gibt es Ausstellungen über die Burg und die Stadtgeschichte.

Mein Tipp: Nutzen Sie die vielen Veranstaltungsangebote des Schlosses für Ihre Reisenden wie „Am Sonntag im Museum“ oder „Tage des Mittelalters“ oder runden Sie das Nebenthema Kopernikus mit einem Besuch der Sternwarte ab.

Zamek w Olsztynie
Muzeum Warmii i Mazur w Olsztynie
ul Zamkowa 2
10-074 Olsztyn
http://www.muzeum.olsztyn.pl/

Das Bischofsschloss in Heilsberg (Lidzbark Warmiński)

Schloss Heilsberg  Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Schloss Heilsberg

In einer Schleife der Alle (Łyna) liegt in Heilsberg weithin sichtbar die 1350–1401 erbaute Burg Heilsberg, die nach der Marienburg am besten und komplettesten erhaltene klassisch rechteckige Wehrburganlage der Ordenszeit, deren Hochschloss heute als Museum dient. Seit 1350 war dieses Hochschloss Sitz der ermländischen Bischöfe des ermländischen Fürstbistums. Entsprechend wurde das Hochschloss immer mehr zum Fürstensitz ausgebaut. Nach dem Zweiten Thorner Frieden kam Heilsberg unter die Schutzherrschaft des polnischen Königs und wurde mit der Ersten Polnischen Teilung 1772 von Preußen annektiert. Der letzte Fürstbischof und bis heute verehrte polnische Dichterfürst Ignacy Krasicki gab die leer stehende Burg auf. Doch hatte es schon zuvor einen berühmten Bewohner des Schlosses gegeben, den großen Astronomen Kopernikus der zwischen 1502 und 1510 im Dienste seines Onkels Lukas von Watzenrode in Heilsberg lebte und arbeitete.

Mein Tipp für Heilsberg: Die Ausstellungen „Berühmte Bewohner des Schlosses“ und „Mittelalterliche Kunst Ermlands und der Kreuzritter“ sind für Geschichtsinteressierte besonders sehenswert. Höhepunkt ist die Urkunde des Zweiten Thorner Friedens von 1466. Zum Bischof und Dichter Ignacy Krasicki gibt es im Museum immer wieder Veranstaltungen.

Zamek w Lidzbarku
Muzeum Warmińskie w Lidzbarku Warmińskim
Pl. Zamkowy 1
11 -100 Lidzbark Warmiński
http://lidzbark.muzeum.olsztyn.pl/zamek-lidzbarski,80

Die Deutschordensburg in Rastenburg (Kętrzyn)

Burg Rastenburg Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Burg Rastenburg

Der Bau der Burg des Deutschen Ordens im 1343 erstmals erwähnten Rastenburg wurde vom Komtur von Balga Johann Schindekopf beauftragt. Die 1374 fertiggestellte rechteckige Burg wurde in das Verteidigungssystem von Rastenburg integriert und war Teil einer nach Norden führenden Burgenkette, die gegen litauische Angriffe schützen sollte. Doch schon 1410 fiel die Burg erstmals für ein Jahr an Polen. Während des Dreizehnjährigen Kriegs 1454-1466 erhob sich Rastenburg auf Seiten der preußischen Städte gegen den Orden und unterstand polnischem Schutz. Nach dem Zweiten Thorner Frieden wurde Rastenburg wieder Ordensburg und ging nach der Säkularisierung des Ordensstaates 1525 an das Herzogtum Preußen über. Im Jahr 1797 wurde die Burg durch eine Feuersbrunst stark beschädigt. Fast gänzlich zerstört wurde sie 1945, dann aber 1954 bis 1966 detailgetreu aufgebaut. Heute dient die Burg als Stadtbibliothek und Regionalmuseum zur Geschichte der Stadt und der Burg.

Mein Tipp: Bieten Sie doch Ihren Reisenden – sofern sie an der jüngeren Geschichte interessiert sind – einen Besuch im ehemaligen Führerhauptquartier Hitlers an. Die „Wolfsschanze“ ist nur wenige Kilometer entfernt. Wer lieber ein für die Region ganz und gar untypisches barockes Kleinod in all der Backsteinumgebung sehen möchte, dem sei die ebenfalls nahe Wallfahrtskirche Heiligelinde (Swięta Lipka) empfohlen.

Muzeum im. Wojciecha Kętrzyńskiego
ul. Zamkowy 1
11-400 Kętrzyn
www.muzeum.ketrzyn.pl

Die Deutschordensburg von Rhein (Ryn)

Die 1377 erbaute Deutschordensburg von Rhein (Ryn) lag strategisch günstig zwischen dem Ryńskie-und dem Ołów-See und war seit 1393 ein Komtursitz des Deutschen Ordens. Bekanntester Komtur war der spätere Ordens-Hochmeister Konrad von Wallenrode. Über ihn schrieb der polnische Goethe Adam Mickiewicz (1798-1855) ein Gedicht mit dem Titel „Konrad Wallenrod“. Nach der Säkularisierung des Ordensstaats 1525 wurde die Burg Jagdresidenz der preußischen Herzöge. Seit 2006 erstrahlt die Burg, deren Niedergang mit dem Tatareneinfall 1657 begann, wieder in frischem Glanz. Sie dient nun hauptsächlich als Hotel, ist aber wie ein Museum zu besichtigen, auch mit Führung.

Mein Tipp: Wenn Sie Ihre Reisenden ganz in die Welt der Ordensritter eintauchen lassen wollen, arrangieren Sie doch eine Übernachtung, im 2006 eröffneten Viersternehotel Zamek Ryn, bei der ihre Reisenden das Flair einer Ordensburg erleben.

Zamek Ryn (Hotel)
ul. Plac Wolności 2
11-520 Ryn
http://www.zamekryn.pl

Die Neidenburg in Nidzica

Burg Neidenburg. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Burg Neidenburg

Im 1376 erstmals erwähnten Nidzica befindet sich eine der gewaltigsten Ordensburgen in der typischen Bauform von ganz Masuren. Um die 1409 fertiggestellte Backsteinburg blühte bald eine Siedlung heran, die bereits 1381 durch den Hochmeister Winrich von Kniprode die Stadtrechte erhielt. Die nach den Zerstörungen von 1945 wieder restaurierte Burg beherbergt heute ein Hotel, ein Restaurant, das Schlossmuseum und den gotischen Rittersaal für Konzerte und kann besichtigt werden.

Muzeum Ziemi Nidzickiej
ul. Zamkowa 2
13-100 Nidzica
http://www.nok.nidzica.pl

Deutschordensburg in Osterode (Ostróda)

Burg Neidenburg Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Burg Neidenburg

Die vierflügelige, von 1350 – 1370 auf einer Drewenzinsel in Ostróda erbaute Kastellburg sicherte die bereits 1329 durch den Komtur Luther von Braunschweig vollzogene Stadtgründung. Bald wurde die Burg zur Komturei Osterode und war häufig Zentrum kriegerischer Auseinandersetzungen. Ob es im Städtekrieg 1454 – 1466 war, im Reiterkrieg 1519 – 1525, durch die Besatzung der Heere König Gustav Adolfs von Schweden im Jahr 1628 oder durch die 1807 durchziehenden Truppen Napoleon – die Burg Osterode sah viele Heere und Herrscher vor den Toren. Erst der große Brand von 1945 zerstörte sie fast bis auf die Grundmauern. Nach dem Wiederaufbau beherbergt sie heute das Touristen- und Kulturzentrum sowie das Regionalmuseum. Viele Attraktionen wie Konzerte im Schlosssaal und im Sommer die Ritterspiele bieten Kurzweil.

Mein Tipp: Ostróda hat eine ausgezeichnete Hotelinfrastruktur und ist Startort der Fahrten auf dem Oberlandkanal.

Muzeum w Ostródzie – Zamek
ul Mickiewicza 22
14-100 Ostróda
http://www.muzeumwostrodzie.pl/

Nirgends erleben Ihre Reisenden so kompakt den Baustil der Backsteingotik in der speziellen Deutschordens-Ausprägung und erfahren so viel über das Leben, das Denken und Handeln dieser in sich geschlossenen Welt, wie auf dieser Route der Ritterburgen. Ihre Reisenden erleben täglich neue Geschichtsabenteuer, die durch in den Burgen angebotene Veranstaltungen wie sommerliche Ritterturniere, Konzerte Alter Musik und Jahrmärkte abgerundet werden können.

Meine Empfehlung: Wenn Sie die Reiseroute in Ostróda enden lassen, ist es nur ein Katzensprung nach Grunwałd zum Museum der Tannenbergschlacht von 1410, die den Niedergang des Ordens begründete. So haben Sie einen schönen thematischen Abschluss und wenn Sie Ihre Mitreisenden besonders verwöhnen wollen, machen Sie mit Ihnen eine erholsame Schiffstour auf dem Oberlandkanal wenigstens bis Buchwalde (Buczyniec). Wir beraten Sie gern, wenn Sie dieses Angebot nutzen möchten!

Fotos: Polnisches Fremdenverkehrsamt.

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